Achenbach zwischen Hoffen und Bangen
Karstadt-Querelen erschweren Konzernfinanzierung

Das Schicksal des umstrittenen Karstadt-Quelle-Chefs Achenbach hängt am seidenen Faden. Die Spekulationen um die Ablösung erschweren nach Angaben aus Londoner Finanzkreisen inzwischen auch die Finanzierung des Einzelhandelskonzerns. So habe Karstadt auch wegen der Querelen um Achenbach Schwierigkeiten bei den Verhandlungen über eine Hochzins-Anleihe im Volumen von rund 400 Mill. €.

HB DÜSSELDORF/LONDON. Die ungewisse Personallage und die jüngsten Weiterverkäufe von Karstadt-Quelle-Krediten durch mehrere Banken haben nach Angaben von Londoner Aktienhändlern die Verhandlungen über die zusätzliche Anleihe verzögert. Ein Karstadt-Sprecher sagte, ursprünglich sollten die Gespräche über die Anleihe im März abgeschlossen werden.

Gläubigerbanken hätten bereits ein Kreditvolumen von fast 600 Mill. € an mehr als ein Dutzend Hedge-Fonds und andere Investoren weiterverkauft. Karstadt-Quelle hatte im Dezember einen Konsortialkredit über insgesamt 1,75 Mrd. € erhalten. Die große Zahl der Beteiligten mache nun eine Verständigung über die neue Anleihe komplizierter, hieß es.

Der erst seit zehn Monaten amtierende Vorstandschef Achenbach steht offenbar kurz vor der Ablösung. Aus dem Aufsichtsrat hieß es am Mittwoch, spätestens am Donnerstag, wenn das Gremium tagt, werde über Achenbachs Zukunft entschieden. Die Arbeitnehmervertreter in dem Kontrollorgan sprächen bereits über ihren Favoriten im Falle eines Rücktritts von Achenbach, sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es, Achenbach trage als früherer Vorstandschef der Versandhaussparte auch eine Verantwortung für die Umsatzeinbrüche bei den Versandhausfirmen Quelle und Neckermann im ersten Quartal. Es gebe wachsende Zweifel, ob Achenbach die von ihm verkündete Sanierungsstrategie zum Erfolg bringen könne. Dazu gehört in erster Linie die Trennung von Verlustbringern, ein Stopp des seit Jahren anhaltenden Umsatzrückganges und eine Frischzellenkur bei den Sortimenten und beim Image.

Aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete einschränkend, die Zukunft des Vorstandschefs werde sich nicht mehr am Mittwoch entscheiden. „Heute Abend wird es sicherlich noch nicht zu einer Entscheidung kommen“, sagte eine dem Unternehmen nahe stehende Person. „Alles hängt davon ab, ob Achenbach es akzeptieren wird, falls ihm keine vorzeitige Verlängerung seines Vertrages angeboten wird.“ Der Spitzenmanager sei aber kein Mann von übereilten Entscheidungen und werde es sich gut überlegen, seinen bis Ende März 2006 laufenden Vertrag vorzeitig zu kündigen. „Achenbach ist ein Arbeiter, leider nicht immer ein guter Öffentlichkeitsarbeiter und Strippenzieher.“

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