Achim Egner trimmt Rewe auf Rendite
Frontalangriff auf die Krämer-Seele

Rewe-Chef Achim Egner hält wenig von umständlicher Diplomatie – vor allem dann nicht, wenn es drängt. Und das tut es bei dem Handelsriesen. Die freien Kaufleute will Egner deshalb an die Kandarre nehmen.

HB DÜSSELDORF. Es ist Mittwochnachmittag gegen 15 Uhr in Bulgariens Hauptstadt Sofia. Vor dem Regierungspalast am Dondukow-Boulevard stoppt ein klappriger Reisebus. Der blonde Herr im schwarzen Anzug, der als Erster dem betagten Vehikel entspringt, ist in Eile. Minuten später hat Rewe-Chef Achim Egner die Sicherheitskontrollen hinter sich gelassen, ist die neugotische Treppe unter schweren Kronleuchtern hinaufgeklettert und sitzt an einem runden, glatt polierten Tisch aus Palisander. Sein Gegenüber, Bulgariens Premierminister Sergej Stanischew, wird sich in den kommenden Minuten heikle Fragen gefallen lassen müssen über das marode Telekommunikationsnetz, schlechte Straßen – und die verheerende Korruption im Lande.

Schon eine Stunde später fordert Egner im Palais schräg gegenüber vom sozialistischen Staatspräsidenten Georgi Parwanow Sicherheit für Rewes 220 Millionen Euro schweres Investitionspaket. Und um 17 Uhr trifft er Bulgariens Wirtschaftsminister Rumen Owtscharow in dessen schmucklosem Zweckbau. Bei der Suche nach Grundstücken für die geplanten 130 Supermärkte wolle man als bevorzugter Investor behandelt werden, eröffnet Egner dem Regierungspolitiker das Gespräch. Der stöhnt kurz darauf vor Journalisten: „Der Rewe-Chef kam sehr schnell zur Sache, ohne Small Talk und Dekoration.“

Achim Egner, seit Mitte April an der Spitze der Kölner Handelsgenossen, hält von umständlicher Diplomatie wenig – vor allem dann nicht, wenn es drängt. Seitdem er sich in atemberaubender Geschwindigkeit daran zu schaffen gemacht hat, den umständlich verschachtelten Konzern zu entrümpeln, bekommt dies Rewes Führungsmannschaft auch daheim zu spüren. „Der Mann geht mit dem Kopf durch die Wand“, klagt ein Untergebener in der Kölner Zentrale.

Nicht einmal sechs Monate im Amt, und schon hat der 47-Jährige Sparpotenzial in dreistelliger Millionenhöhe ausgemacht. Allein 920 Einkäufer soll es in Rewes unübersichtlichem Geflecht aus 400 Einzelfirmen geben, fand Egner heraus. Mehr noch entsetzte den ehemaligen Debitel-Vizechef der aufgeblasene Vertrieb. „Von den 300 000 Quadratkilometern in Deutschland hat Rewe 175 000 Quadratkilometer mit seinen Vertriebsorganisationen doppelt abgedeckt“, wettert er.

Das alles will er nun gründlich ändern. Selbstständige Rewe-Kaufleute sollen schon bald von denselben Regionalniederlassungen betreut werden wie die Rewe-eigenen Regiebetriebe Minimal oder Penny. Zudem will die Rewe-Führung die Zahl ihrer Vertriebsregionen rigoros von neun auf sechs reduzieren. „Die Sache ist beschlossen“, lässt Egner keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen.

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