ADAC-Hauptversammlung
Wie der ADAC seine Panne beheben will

Frisierter Autopreis, umstrittene Helikopterflüge - der ADAC steckt in einer Vertrauenskrise. Um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen setzen die Delegierten auf einen Radikalumbau. Experten zweifeln an der Wirkung.
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MünchenDie Hansastraße im Münchener Westen ist keine schöne Adresse. Man kann hier schon morgens eine Spielhölle oder ein Erotikkino besuchen, auch Autonummernschilder gibt es günstig. Am Ende der Straße steht, einer Burg gleich, die ADAC-Zentrale. Glaubwürdigkeit und Solidität strahlt das Gebäude aus, doch die Fassade hat tiefe Kratzer bekommen. In diesem Jahr jagte ein Skandal den nächsten. Erst kam raus, dass der Verein die Wahl zum so wichtigen Autopreis "Gelber Engel" manipuliert hatte, dann wurde auch noch bekannt, dass führende Mitglieder die Rettungshubschrauber des Automobilclubs für geschäftliche Termine genutzt haben.

Der ADAC muss sich ändern. Darum haben sich an diesem Samstag die 200 meist männlichen Delegierten zur ersten außerordentlichen Hauptversammlung in der 111-jährigen ADAC-Geschichte getroffen, um die größte Reform der Clubgeschichte abzusegnen. Dies erfolgte schließlich sogar einstimmig.

Im Inneren der Zentrale scheint noch alles in bester Ordnung zu sein. Der Ort steht in krassem Gegensatz zu seiner tristen Umgebung: Wasserspiele zieren ein lichtdurchflutetes Atrium, Rolltreppen führen ein Stockwerk höher zur Sitzungsfläche. Es ist Interimspräsident August Markl, der den Delegierten ins Gewissen spricht. „Das Programm „Reform für Vertrauen“ ist die sehr ambitionierte und ernst gemeinte Anstrengung des gesamten ADAC, sein früheres Ansehen zurückzugewinnen“, sagt Markl zum Auftakt der Hauptversammlung. Später wurde er mit 180 Ja-Stimmen, 28-Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen zum neuen Präsidenten des Vereins gewählt.

Die Reform, bei der ein externer Beirat, zu dem auch die Deutschland-Chefin von Transparency International, Edda Müller, sowie die Wirtschaftskanzlei Freshfields gehörte und in die der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, eingebunden war, sieht ein Drei-Säulen-Modell vor. Es soll Interessenkonflikte ausräumen und zugleich sicherstellen, dass der Autoclub seinen steuersparenden Vereinsstatus behält. Dieser wird derzeit vom Münchner Amtsgericht geprüft. Neben dem Verein und der separaten Beteiligungsgesellschaft in Form einer Aktiengesellschaft ist als dritte Säule eine gemeinnützige ADAC-Stiftung vorgesehen. Sie soll als Stiftungskapital Anteile an der Aktiengesellschaft erhalten und die Sperrminorität in deren Aufsichtsrat stellen. Dies soll eine klarere Trennung zwischen Vereinsaktivität und wirtschaftlicher Tätigkeit ermöglichen.

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