Adidas-Affäre
Frankreichs Justiz leitet Anklageverfahren gegen Tapie ein

Durch einen abgesprochenen Schiedsspruch soll Ex-Adidas-Eigner Bernard Tapie Millionen ergaunert haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun ein Anklageverfahren wegen Betrugs gegen ihn eingeleitet.
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ParisIn der Affäre um den Besitzerwechsel des deutschen Sportartikelherstellers Adidas Anfang der 90er Jahre ist gegen den französischen Unternehmer Bernard Tapie ein Anklageverfahren wegen bandenmäßigen Betrugs eingeleitet worden. Wie die Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte, konnte der 70-Jährige bei einer viertägigen Vernehmung zu einem umstrittenen Schiedsgerichtsverfahren die Verdachtsmomente gegen ihn nicht ausräumen. Ihm droht nun gemeinsam mit weiteren Beteiligten ein Prozess. Für die Vernehmung musste Tapie vier Tage in Polizeigewahrsam verbringen. Er hatte durch den Schiedsspruch mehr als 400 Millionen Euro zugesprochen bekommen.

Neben Tapie sind auch IWF-Chefin Christine Lagarde und der Chef von France Télécom-Orange, Stéphane Richard, in die Affäre verwickelt. Lagarde war zur Zeit des Schiedsgerichtsverfahrens französische Wirtschafts- und Finanzministerin (2007-2011), Richard ihr Büroleiter. In dieser Funktion waren sie an der Einigung beteiligt. Tapie hatte sich von der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais beim Verkauf seiner Adidas-Anteile geprellt gesehen und deswegen geklagt. Nach Ansicht der Ermittler beruhte der Schiedsspruch aus dem Jahr 2008 aber auf einem organisierten Betrug.

Der frühere Präsident des Fußballclubs Olympique Marseille und alle anderen Beteiligten bestreiten die Vorwürfe. Die ganze Ermittlungsakte enthalten keinen vernünftigen Hinweis darauf, dass der Schiedsspruch durch einen Betrug zustande gekommen sei, kritisierte Tapies Anwalt Hervé Temime am Freitag. Man blicke dem weiteren Verfahren gelassen entgegen.

Lagarde wird bei den Ermittlungen bislang als „verdächtige Zeugin“ geführt. Gegen Richard wurde Mitte des Monats ein Anklageverfahren wegen bandenmäßigen Betrugs eingeleitet.

Das mit der Abwicklung von Crédit Lyonnais betraute Konsortium legte gegen den Schiedsspruch am Freitag offiziell Einspruch ein. Es wird damit in einem möglichen Prozess als Nebenkläger auftreten können.

Als besonders brisant gilt der Fall, weil Tapie im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2007 den siegreichen konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy unterstützte. Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand war Tapie von 1992 bis 1993 Minister für Stadtentwicklung gewesen.

Nach dem Verkauf von Adidas durch Tapie Anfang der 90er Jahre war es mit dem Unternehmen steil bergauf gegangen. 1995 erfolgte der Börsengang.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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