Adidas erhöht die Prognose
Drei Streifen, viele Fragen

„Seht her, ich hinterlasse ein glänzend bestelltes Haus“, ist die Botschaft von Noch-Adidas-Chef Herbert Hainer. Doch die Marke sollte sich nicht zu sehr auf ihren Sinn für sportliches Lifestyle verlassen. Ein Kommentar.

Nicht einmal mehr ein halbes Jahr, dann ist endgültig Schluss: Ende September tritt Adidas-Chef Herbert Hainer ab. Nach mehr als 15 Jahren an der Spitze des größten europäischen Turnschuh-Herstellers. Ehe er geht, lässt es der Manager noch einmal kräftig krachen: Am Mittwochmorgen hat der 61-Jährige überraschend positive Quartalszahlen vorgelegt.

So legte der Umsatz um 17 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zu. Der Überschuss kletterte im fortgeführten Geschäft sogar um 38 Prozent auf 350 Millionen Euro. Gleichzeitig hat Hainer die Prognose fürs laufende Jahr angehoben. Er verspricht nun einen währungsbereinigten Umsatzanstieg um etwa 15 Prozent statt maximal zwölf Prozent. Der Gewinn soll sogar um 15 bis 18 Prozent zulegen. Bisher hatte Hainer ebenfalls lediglich zwölf Prozent in Aussicht gestellt.

Hainers Botschaft ist eindeutig: Seht her, ich hinterlasse ein glänzend bestelltes Haus! Doch wie nachhaltig ist der Erfolg tatsächlich? Ist Adidas tatsächlich auf gutem Weg? Oder zündet Hainer nur noch ein Feuerwerk kurz vor dem Führungswechsel, das schnell verglüht? Das wird sich erst im Herbst zeigen.

Anfang Oktober übernimmt der bisherige Henkel-Chef Kasper Rorsted die Verantwortung. Wie alle neuen Chefs, die von außen kommen, wird er das Unternehmen zunächst einmal gründlich unter die Lupe nehmen. Gegebenenfalls muss der Däne aufräumen.

Details zu den Quartalszahlen will Hainer erst in der kommenden Woche veröffentlichen. Doch schon im vergangenen Jahr war es vor allem der sportliche Lifestyle, mit dem Adidas zusätzliche Kunden gelockt hat. Das ist nicht verwerflich, im Gegenteil. Es zeigt, dass die Designer der Marke mit den drei Streifen ein gutes Gespür für die aktuellen Trends haben.

Doch das eher modische Geschäft ist auch ausgesprochen riskant und kann abrupt einbrechen. Die Konsumenten wenden sich rasch wieder ab, wenn das Label nicht mehr „in“ ist, oder der Style nicht gefällt. Niemand weiß das besser als der Lokalrivale Puma, der nach einem steilen Aufstieg mit Sportmode Anfang des Jahrtausends tief gefallen ist. Noch immer kämpft die Marke mit dem Raubtierlogo darum, wieder den Anschluss zu finden in der Sportindustrie.

Adidas profitiert 2016 auch von zwei großen Fußballturnieren: der Europameisterschaft in Frankreich und der Copa America in den USA. Das sind Einnahmen, die nicht jedes Jahr fließen.

Dazu kommt: Derzeit läuft es überall in der Sportindustrie gut. Der Rivale Under Armour hat vergangene Woche ein Umsatzplus von satten 30 Prozent gemeldet. Allerdings ist die US-Marke wesentlich kleiner als Adidas.

Die Investoren scheinen indes überzeugt, dass Hainer bis zum letzten Tag ordentliche Arbeit leistet und einen Konzern hinterlässt, der fit für die Zukunft ist: Im frühen Handel in Frankfurt ist der Aktienkurs am Mittwoch um sechs Prozent in die Höhe geschossen. Mitte Mai findet die Hauptversammlung statt. Hainer kann seinem letzten Aktionärstreffen als Vorstandschef gelassen entgegensehen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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