Adidas
Hainer sieht Sport-Ausrüster in Erfolgsspur

Adidas-Chef Herbert Hainer tritt 2017 ab – und der dienstälteste Dax-Chef ist guter Dinge. Die Aufträge seien auf Rekordhoch, die EM 2016 werde das Geschäft zusätzlich ankurbeln. Was Hainer zu möglichen Verkäufen sagt.

HerzogenaurachHerbert Hainer sieht sich vor dem Ende seiner Karriere als Adidas -Chef wieder auf der Erfolgswelle. „Die Orderbücher sind voll. Ich habe sie noch nie so voll gesehen in meinen 15 Jahren“, sagte er vor Journalisten am Firmensitz in Herzogenaurach. Der 61-Jährige, der den Sportausrüster seit März 2001 führt und damit dienstältester Chef aller Dax-Konzerne ist, will bis Anfang 2017 bleiben.

Er war nach Rückschlägen in Nordamerika und Russland in die Defensive geraten. Doch das brummende Kerngeschäft mit Fußballausrüstungen schiebt die Sorgen zunehmend in den Hintergrund. Steigende Lohn- und Materialkosten in Schwellenländern sowie ungünstige Währungseffekte würden jedoch die Bruttomarge im Jahr 2016 wesentlich beeinträchtigen, räumte der Konzern am Mittwoch ein.

Die für das erste Halbjahr 2016 vereinbarten Lieferungen an den Handel stimmten ihn äußerst optimistisch, sagte Hainer. Nach einem unerwartet guten Sommerquartal hat er die Wachstumsziele für 2015 erhöht und weiter Zuwächse in Aussicht gestellt. 2016 sollen die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele das Geschäft ankurbeln. „Wir werden mit Sicherheit ein Rekordjahr haben in 2016 im Fußball.“ Er rechne in diesem Bereich mit prozentual zweistelligem Wachstum.

Da der Konzern den größten Teil seiner Produkte aus über 30 Ländern weltweit beziehe, trieben steigende Löhne und höhere Preise für etwa Baumwolle und Nylon die Beschaffungskosten in die Höhe, die bis 2020 deshalb deutlich ansteigen würden, teilte Adidas mit. Zudem könnte sich ein höherer Dollar ungünstig auswirken. Adidas wolle aber den Großteil des Drucks auf die Bruttomarge ausgleichen, etwa durch höhere Preise für Konsumenten, bessere Handelskonditionen oder Wachstum in Märkten mit höheren Margen. Kostensenkungen sollten zudem die operative Marge mindestens stabil halten können, das Betriebsergebnis solle im hohen einstelligen Bereich wachsen.

Adidas war auch wegen hausgemachter Probleme im Rennen mit dem größeren Rivalen Nike zurückgefallen. Der Angriff im Heimatmarkt des US-Konkurrenten scheiterte, zugleich wurde Adidas von Wirtschaftskrise und Rubelverfall in seinem drittwichtigsten Markt Russland überrascht. Auf der Hauptversammlung war der erfolgsverwöhnte Hainer deswegen heftig in die Kritik geraten. Investoren setzten ihn aber nicht unter Druck, sagte Hainer. „Das kann ich ganz klar verneinen.“ In diesem Jahr sind gleich drei prominente Aktionäre bei Adidas eingestiegen: der US-Investor Mason Hawkins mit seinem Fonds Southeastern, der ägyptische Milliardär Nassef Sawiris und der belgische Geschäftsmann Albert Frere. Durch Aktien und Optionen vereinigen sie zusammen deutlich mehr als zehn Prozent der Stimmrechte auf sich.

Mit Vertretern von Hawkins und Frere habe Adidas bereits gesprochen, mit Sawiris sei dies geplant, sagte Hainer. Er ließ durchblicken, dass die Geschäfte mit Golf- und Eishockeyausrüstungen sowie die Fitnessmarke Reebok in Gesprächen mit Investoren nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen. „Was denen unisono gefällt, ist die Marke Adidas.“ Das Golfgeschäft werde von einigen infrage gestellt. Über dessen Zukunft will Hainer Anfang 2016 entscheiden. Für die Eishockeysparte gebe es zwar keinen Verkaufsprozess, jedoch gelte: „Wenn es Interessenten gibt, sind wir bereit, darüber zu reden.“ Eine Trennung von Reebok lehnt Hainer dagegen strikt ab.

Hainer machte deutlich, dass er nicht vorzeitig abtreten wolle. „Natürlich bleibe ich da bis zum Ende meines Vertrages.“ Die im Februar begonnene Suche nach einem Nachfolger dauere extern an, auch interne Kandidaten gebe es. „Und dann wird man sehen, wie schnell derjenige kommen kann.“ Als Anwärter gelten Markenvorstand Eric Liedtke und Vertriebsvorstand Roland Auschel, die zusammen mit Hainer die Strategie bis 2020 ausgearbeitet haben. Zudem gab es wiederholt Spekulationen, Henkel -Chef Kasper Rorsted könnte in den Ring steigen. Hainer nannte keine Namen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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