Adidas-Konkurrent mit Gewinnsprung
Nikes Freud ist Hainers Leid

Obwohl Nike kein offizieller WM-Sponsor war, steigert der Adidas-Konkurrent seinen Gewinn im zweiten Quartal deutlich. Adidas-Chef Hainer muss sich nun nicht nur Sorgen um die Spitzenposition in Westeuropa machen.
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MünchenMit unerwartet starkem Wachstum während der Fußball-WM hat der weltgrößte Sportausrüster Nike seine Führungsposition ausgebaut. Besonders bitter für den angeschlagenen Branchenzweiten Adidas: Ausgerechnet in dessen Heimatregion Westeuropa legte der US-Rivale im abgelaufenen Quartal am stärksten zu und macht dem deutschen Sportartikelanbieter auch dort die Tabellenführung streitig. Nike überraschte in der Nacht zum Freitag mit einem Umsatzplus von 15 Prozent auf knapp acht Milliarden Dollar, etwas mehr als von Branchenexperten erwartet.

Im Auftaktquartal seines neuen Geschäftsjahrs, das im Juni begann, steigerte der US-Konzern in Westeuropa seine Erlöse in Landeswährungen um 25 Prozent auf umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. In den Quartalen zuvor war Nike dort um knapp unter 20 Prozent gewachsen, während Adidas in dieser Region mit wichtigen Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich im gesamten ersten Kalenderhalbjahr lediglich auf einen Zuwachs von sechs Prozent auf zwei Milliarden Euro kam.

Besonders stark profitierten die Amerikaner vom Fußballgeschäft zur Weltmeisterschaft. „Zum Quartalsende hatten wir in den weltweit neun größten Fußball-Märkten den höchsten Marktanteil bei Schuhen“, sagte Nike-Markenchef Trevor Edwards. Zu dem Spektakel im Juni und Juli in Brasilien lieferten sich die beiden Konzerne eine beispiellose Werbeschlacht. Nachdem Nike dafür im Vorquartal - von März bis Mai - noch einen großen Teil seines Gewinns geopfert hatte, legte der Überschuss nun wieder kräftig zu. Um 23 Prozent auf 962 Millionen Dollar steigerte Nike das Nettoergebnis und sorgte damit ebenfalls für eine positive Überraschung an der Börse. Die Aktie kletterte im New Yorker Späthandel um 6,5 Prozent.

Bei Adidas hatten die Russland-Krise und das schwache Golfgeschäft in den USA die Freude über die erfolgreiche Fußball-WM verdorben. Vorstandschef Herbert Hainer räumte ein, die Probleme in beiden Ländern unterschätzt zu haben. Mit einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal und einer Rücknahme der Umsatz- und Gewinnziele hatte der lange Zeit erfolgsverwöhnte Manager eine Schockwelle an der Börse ausgelöst.

Während die Adidas-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten ein Viertel an Wert verloren hat, legte das Nike-Papier im selben Zeitraum um rund zehn Prozent zu. Dies schürte zuletzt Spekulationen über eine von unzufriedenen Anteilseignern betriebene Ablösung Hainers. Bis auf den deutschen Investor Union Investment, der mit einem Anteil von einem Prozent bei Adidas schon zu den Großaktionären zählt, hat sich aber bisher niemand aus der Deckung gewagt. Analysten räumen einem Machtwechsel bei Adidas vor Hainers 2017 erwartetem Abschied keine Chancen ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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