Adidas macht Druck
Gnadenfrist für die Golfsparte

Niemand verkauft so viel Golfausrüstung wie Adidas. Doch das Geschäft macht dem Sportkonzern schon lange keine Freude mehr. Vorstandschef Hainer verliert die Geduld – und schließt auch einen harten Schnitt nicht aus.
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MünchenSo sehen Verlierer aus: Um mehr als ein Viertel ist der Umsatz der Golfsparte von Adidas vergangenes Jahr eingebrochen. Die Schläger, Schuhe und Shirts der Marke mit den drei Streifen blieben häufig in den Regalen der Händler liegen.

Noch will Vorstandschef Herbert Hainer das Geschäft mit zuletzt 913 Millionen Euro Umsatz zwar nicht verkaufen. Aber eine Trennung schließt der Manager inzwischen auch nicht mehr aus. „Wenn der Markt mittelfristig nicht wächst, muss man sich das natürlich anschauen“, sagte Hainer vor Reportern in München.

Dass der Unternehmenslenker sich auch einmal von Firmenteilen trennt, hat er zu Jahresbeginn bewiesen. Da verkaufte Hainer die amerikanische Sportmodemarke Rockport. Die Sneaker und Poloshirts des Labels gehörten nicht zum Kerngeschäft, argumentierte der 60-Jährige.

Jahrelang war die Herzogenauracher Adidas-Zentrale hoch zufrieden mit ihrem in Kalifornien angesiedelten Golfgeschäft. Zwischen 2005 und 2012 hat sich der Umsatz auf gut 1,3 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. 2013 fielen die Erlöse dann erstmals leicht, vergangenes Jahr ging es schließlich brachial bergab. Das hatte einerseits damit zu tun, dass die Golfer schlicht weniger Equipment kauften und die Sportart an Glanz verliert. Andererseits musste Adidas eingestehen, dass die Sparte zu viel Ware auf den Markt geworfen hatte.

Inzwischen hat Adidas das Produktportfolio gestrafft und viele Jobs in dem Bereich gestrichen. Nun hofft Hainer, die Sparte wieder in Fahrt zu bringen. Konkurrent Nike hat es derweil besser gemacht. Der größte Sportkonzern der Welt verkauft zwar auch Golfkleidung und Schläger, sponsert sogar Golf-Ikone Tiger Woods; für die Marke ist der Sport aber lange nicht so wichtig wie für Adidas. Rückblickend zeigt sich: Der US-Konzernchef Mark Parker lag richtig, im Golf nur vorsichtig zu investieren. Vergangenes Jahr stand der Golf für rund sechs Prozent der Konzernumsätze von Adidas, 2012 waren es noch fast zehn Prozent gewesen.

Eine schnelle Trennung vom Golf ist freilich bei Adidas nicht zu erwarten. „Noch ist es zu früh, das zu entscheiden“, unterstrich Hainer in München. Der Manager selbst steht nur noch zwei Jahre an der Spitze der Turnschuhmarke. Womöglich wird also erst sein Nachfolger bestimmen, wie es mit dem Golf weiter geht. Hainer geht derweil davon aus, dass es schon dieses Jahr wieder aufwärts geht mit dem Golfgeschäft.

Im ersten Quartal sind die Umsätze bereits um sechs Prozent auf 280 Millionen Euro geklettert. Das lag allerdings eher am starken Dollar als an einer steigenden Nachfrage. Adidas verkauft den größten Teil der Golfausrüstung in Amerika. Währungsbereinigt lagen die Einnahmen denn auch um neun Prozent unter Vorjahr. Die Mitarbeiter in der Golfspare müssen sich also ins Zeug legen, wenn sie langfristig bei Adidas bleiben wollen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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