Änderung der Bestattungskultur bereitet aber Sorge
Finanzkrise lässt Gärtner kalt

Der Gartenbaubranche bereitet die Veränderung der Bestattungskultur in Deutschland größere Sorgen als die Finanzkrise. Der Trend zu Seebestattungen oder Grabeskirchen, wobei weitgehend auf Blumenschmuck verzichtet wird, drücken auf den Absatz der Gärtnereien.

ESSEN. Heinz Herker, Präsident des Landesverbandes Gartenbau Rheinland, bezeichnete den Wandel in der Bestattungskultur jedenfalls als falschen Weg. Denn immerhin landen ein Fünftel aller Gartenbauprodukte auf den Friedhöfen, sagte Herker anlässlich der Gartenbaumesse IPM in Essen. Die Finanzkrise dagegen lässt die Branche kalt. Herker rechnet angesichts des harten Winters, der zahlreiche Pflanzen vertrocknen ließ, mit einen weiterhin stabilen Absatz.

Nur in Großbritannien sei der Absatz von Blumen und Pflanzen im Zuge der Immobilienkrise eingebrochen. Die niederländischen Importe auf die Insel seien jedenfalls um 16 Prozent eingebrochen. Dagegen erlebt Osteuropa einen Boom mit einem Importplus von über 20 Prozent. In Deutschland rechnet Herker in diesem Jahr mit einem Umsatzplus auf Vorjahresniveau von 1,5 bis zwei Prozent. In Krisenzeiten zögen sich die Menschen in den privaten Bereich zurück, begründete Herker den anhaltenden Trend zum Blumenschmuck. Ähnliche Erfahrungen habe auch die Möbelbranche gemacht, die ebenfalls über einen guten Absatz berichtet.

Im Jahr 2008 wurden 8,9 Mrd. Euro für Blumen und Pflanzen ausgegeben. Das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 109 Euro. Eines der größten Unternehmen der Branche ist mit der Landgard aus Straelen eine Genossenschaft von Gärtnern. Sie konnte zuletzt den Umsatz um sechs Prozent auf 1,2 Mrd. Euro steigern.

Wichtigster Blumen-Markt ist der Markt für Gartenpflanzen mit einem Volumen von knapp vier Mrd. Euro. Hier liegt der Marktanteil der deutschen Betriebe bei 75 Prozent. Für Schnittblumen wurden im Jahr 2008 3,2 Mrd. Euro ausgegeben. Der Anteil deutscher Anbieter liegt hier nur bei 18 Prozent. Deutschland ist weltweit eines der größten Importländer für Schnittblumen mit einem Wert von 1,1 Mrd. Euro. Wichtigstes Lieferland sind die Niederlande mit einem Anteil von fast 84 Prozent an den Importen. Mit Zimmerpflanzen wurden 1,8 Mrd. Euro umgesetzt. Der Marktanteil der deutschen Betriebe liegt bei 40 Prozent.

Die Niederlande stellen auch das größte Ausstellerkontingent auf der IPM in Essen (29. Januar bis 1. Februar).Die Zahl der Aussteller auf der Fachmesse, eine von vier Leitmessen der Essener mit Ablegern in China, Dubai und demnächst Moskau, legte um fünf Prozent auf 1450 zu.

Messe-Chef Egon Galinnis sieht dann auch ebenfalls keine Anzeichen für eine Krise. Im vergangenen Jahr habe die Messe Essen den Umsatz auf 70 Mio. Euro gesteigert. Im Vergleichsjahr 2006 waren es 64 Mio. Euro. Insgesamt zählte Essen im letzten Jahr 38 internationale Messen mit 14600 Ausstellern. Rund um das Messegelände am Gruga-Park entsteht ein neues Hotel für 30 Mio. Euro sowie ein Parkhaus für 20 Mio. Euro.

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