Änderung des umstrittenen Preissystems
Bahn vor Rückkehr zum 50-Prozent-Rabatt

Die Deutsche Bahn AG steht unmittelbar vor einer radikalen Änderung ihres umstrittenen neuen Preissystems. In Unternehmenskreisen gilt als sicher, dass Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am Mittwoch seinem Aufsichtsrat vorschlagen wird, Vielfahrern künftig wieder höhere Rabatte zu gewähren.

HB/ebe DÜSSELDORF. Einen Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel, wonach der Konzern ab August wieder die altbekannte Bahncard mit 50 % Preisnachlass für Stammkunden einführen wird, wollte das Unternehmen gestern nicht kommentieren. "An dem Modell wird noch gearbeitet", sagte eine Bahn-Sprecherin und verwies auf eine für Mittwoch terminierte Pressekonferenz. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet wird dem Vorstand bereits am heutigen Montag ihr Konzept für eine verbraucherfreundlichere Bahn vorstellen.

"Mit Änderungen am Preissystem allein ist es nicht getan. Wir brauchen einen Service-Aufbruch, um mehr Kunden zu gewinnen", sagte ein Gewerkschaftssprecher dem Handelsblatt. Transnet-Chef Norbert Hansen hatte im Vorfeld bereits deutlich gemacht, dass er einen Halbpreis-Rabatt, wie ihn die frühere Bahncard vorsah, befürwortet. Zudem will die Bahn-Gewerkschaft vorschlagen, statt drei komplizierter Rabattstufen künftig nur einen einzigen Frühbucher-Rabatt anzubieten.

Die neue Preispolitik der Bahn hatte bei Umwelt- und Verbraucherschützern eine breite Protestwelle ausgelöst. Auch die Politik mischt sich fortwährend in das Staatsunternehmen ein und kritisiert das Management um Bahnchef Mehdorn. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte am Wochenende, das neue Tarifsystem sei "ein Schlag ins Wasser". Es habe enorme Schäden bereitet, weil der Bahn die Kunden weggelaufen seien.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres fuhr Europas größter Verkehrskonzern nach dpa-Informationen tief rote Zahlen ein und blieb erneut weit unter Plan. Wie am Wochenende aus Unternehmenskreisen verlautete, lag der Umsatz im Personenfernverkehr bis Mai mit 1,02 Mrd. Euro um rund 262 Mill. Euro unter Plan und etwa 165 Mill. Euro unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Betriebsverlust betrug 231 Mill. Euro statt eines geplanten Minus von 28 Mill. Euro.

Seit der Tarifreform im Dezember 2002 gibt es mit einer neuen, verbilligten Bahncard nur noch 25 % Rabatt für die Kundschaft und darüber hinaus weitere, allerdings von der Mehrzahl der Bahnfahrer kaum durchschaubare Rabattstufen. Eine Kehrtwende zurück zur alten Bahncard wäre allerdings mit einer deutlichen Preiserhöhung verbunden, schreibt der "Spiegel". Die Bahncard mit 50 Prozent Rabatt solle in der zweiten Klasse künftig 200 Euro statt 140 Euro pro Jahr kosten. Für eine Bahncard erster Klasse wären demnach 400 Euro statt bisher 280 Euro pro Jahr fällig. In Unternehmenskreisen heißt es, die Bahnspitze wolle die Änderung des Preissystems nun rasch umsetzen: "Am Mittwoch muss der große Wurf kommen. Viele Chancen hat der Vorstand nicht mehr," hieß es.

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