Aer-Lingus-Übernahme
Ryanair legt sich mit der EU an

Attacke statt Diplomatie: Ryanair hat eine Genehmigung für die Übernahme von Aer Lingus offenbar abgeschrieben. Deshalb greift der irische Billigflieger die EU-Wettbewerbshüter an – und droht mit einer Klage.
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Düsseldorf/DublinDem irischen Billigflieger Ryanair scheint die angepeilte Übernahme des Konkurrenten Aer Lingus nicht zu gelingen. Die EU-Kommission habe angekündigt, eine Fusion der Fluggesellschaften nicht zu genehmigen, teilte Ryanair am Dienstag in Dublin mit. Daher schaltet die Airline um auf Attacke – und das nicht mehr nur gegen den Übernahmekandidaten Aer Lingus, sondern auch gegen die EU-Wettbewerbshüter.

Die Entscheidung, die Übernahme nicht zu genehmigen, sei eine politische, teilte Ryanair mit. Mit den Wettbewerbsgesetzen habe der Vorgang nichts zu tun, schießt Europas größter Billigflieger gegen die EU-Kommission. Ryanair-Chef Michael O'Leary gibt sich kampfeslustig: Die Fluggesellschaft kündigte im gleichen Atemzug an, gegen ein Verbot der Fusion vor Gericht vorzugehen.

Vor einer Woche noch setzte Ryanair auf Diplomatie statt Angriff. Da wurde bekannt, dass die Iren freiwillig auf Marktanteile auf der grünen Insel verzichten wollen. Dafür hatte sich die Airline eine ganz besondere Lösung ausgedacht: Im Falle einer Genehmigung der Aer-Lingus-Übernahme sollte eine neue Fluggesellschaft gegründet werden. Diese sollte von Ryanair mit neun Flugzeugen und 100 Millionen Euro ausgestattet werden, um damit 43 Routen für mindestens drei Jahre zu fliegen.

Der Clou des Plans: Die neue Gesellschaft wollte Ryanair schließlich an die Airline Flybe aus Großbritannien für den symbolische Preis von einer Million Euro abgeben, um für einen Konkurrenten im Flugverkehr von und nach Irland zu sorgen. Denn die fehlende Konkurrenz auf der grünen Insel ist der Hauptgrund dafür, dass die EU-Kommission die Übernahmepläne kritisch beäugt. Die irische Nationalairline Aer Lingus ist der einzige ernstzunehmende Ryanair-Konkurrent in Irland.

Doch „Flybe Irland“ scheint bei den europäischen Wettbewerbshütern auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Offiziell hat die EU-Kommission Ryanair eine Frist zur Prüfung des Vorhabens bis zum 6. März eingeräumt.

Aer Lingus selbst wehrt sich seit Bekanntwerden der Fusionspläne im Juni 2012 gegen eine Übernahme durch Ryanair. Der deutsche Aer-Lingus-Chef Christoph Müller reagierte vor einer Woche gereizt auf die Idee, „Flybe Irland“ ins Leben zu rufen. Die Pläne seien unseriös und „schlicht ein Scherz“, sagte Müller laut der Nachrichtenagentur Reuters dem irischen Fernsehsender RTE.

Ryanair will Aer Lingus für knapp 700 Millionen Euro schlucken. Zweimal war Martin O'Leary mit den Übernahmeplänen bereits gescheitert: Im Jahr 2007 untersagten die EU-Wettbewerbshüter den Kauf, 2009 gab der Billigflieger nach hartem Widerstand des heimischen Konkurrenten den zweiten Versuch selbst auf.

Auch beim dritten Anlauf will Aer Lingus auf keinen Fall klein beigeben. Das eine schwache, annähernd ruinierte Fluggesellschaft eine wesentlich stärkere wie Aer Lingus übernehme, werde nicht funktionieren, sagte Müller. Das gestiegene Selbstvertrauen hat seinen Grund: Laut den vorläufigen Geschäftszahlen ist das operative Ergebnis 2012 um rund 40 Prozent auf 69 Millionen Euro gestiegen.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Aer-Lingus-Übernahme: Ryanair legt sich mit der EU an"

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  • Aha. Eine Klage gegen die tolle EU sind jetzt also schon "Krawalle". Schönes, neues Europa...

  • verstehe nicht wie überhaupt noch jemand mit denen fliegen kann ????????????

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