Air-Berlin-Chef
Aktionäre fühlen Stefan Pichler auf den Zahn

Wenn die Aktionäre von Air Berlin zusammenkommen, ist das ein besonderes Ritual. Nur wenige nehmen die Reise auf sich, um Fragen zu stellen und ihr Herz auszuschütten. Der Chef stellt ihnen schon mal ein Glas Wasser hin.
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LondonAktionäre von Air Berlin haben viele Gründe, unzufrieden mit ihrer Fluggesellschaft zu sein. Etwa der Rekordverlust vom vergangenen Jahr, oder die Verluste aus den Jahren davor, oder dass die Aktie nur noch etwas über einen Euro wert ist. Darüber beschweren sich die wenigen Kleinaktionäre auch, die extra an den Londoner Flughafen Heathrow gereist sind, um Unternehmenschef Stefan Pichler mal auf den Zahn zu fühlen. Die Anteilseigner beschäftigen aber auch ganz andere Probleme.

Da ist zum Beispiel Norbert Westphal aus Berlin, er ist Aktionär der ersten Stunde. 40 Prozent im Minus seien seine Anteile, sagt er. „Gott sei Dank habe ich nicht zu viele davon.“ Offenbar noch ärgerlicher ist für ihn aber, dass die Airline es immer wieder nicht schafft, ihm und seiner Frau zweimal jährlich beim Lanzarote-Urlaub die – früh gebuchten – Plätze mit viel Beinfreiheit am Gang zuzuteilen. Oder Bernd Schuh, der findet, Air Berlin solle an Bord „einen Apfel oder einen Banane“ anbieten, „Veggie ist doch in“.

Pichler, erst seit Februar an der Air-Berlin-Spitze, hört zu und nickt. Er hat ein Mammutprojekt vor sich. Man müsse in der Lage sein, die Gesellschaft profitabel zu führen, sagte er den rund zwei Dutzend Kleinaktionären, darunter eine Studentengruppe aus Berlin. Wie er es schaffen will, dass die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft wieder Gewinn einfliegt, hat er vor der Fragerunde dargelegt. Neuigkeiten waren nicht dabei: Auf profitable Strecken konzentrieren, Kosten senken, Linienflüge mit Partnergesellschaften teilen (das sogenannte Codesharing), Langstreckenziele ausbauen.

Dass Pichler auch an der Preisschraube drehen will, wertet Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) als gutes Zeichen: „Es ist endlich etwas mehr Realitätssinn bei der Gesellschaft eingekehrt“, sagt der Aktionärsschützer. „Es ist erkannt worden, dass man nicht nur auf der Kostenseite ran muss.“

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