Air Berlin
Flug ins Ungewisse

Air Berlin hat ihren für den heutigen Freitag geplanten Börsengang auf den 11. Mai verschoben. Auch die Preisspanne wird wohl gesenkt. Denn viele Anleger verlangen ob der Risiken in der Branche einen kräftigen Abschlag. Hinzu kommt, dass die Bilanz von Air Berlin selbst alles andere als rosig ausschaut.

FRANKFURT. Wenn die Höhe der aktuellen Kerosinzuschläge ein Indiz ist für die angespannte Lage im weltweiten Luftverkehr, dann müssen die Vorstände der Fluggesellschaften allmählich wieder die Alarmglocken läuten. Lufthansa-Kunden etwa zahlen für einen Hin- und Rückflug auf der Langstrecke ab dem heutigen Freitag 124 Euro Aufpreis – die nächste Anpassung nach einer ganzen Serie von Preisaufschlägen im Vorjahr. Obwohl der Konzern seine Einkaufspreise für Kerosin derzeit zu mehr als 90 Prozent über so genanntes Treibstoff-Hedging abgesichert hat, rechnet der Vorstand im laufenden Jahr mit Treibstoffkosten von 3,3 Mrd. Euro. Das wären 600 Mill. Euro mehr als 2005 – oder die Hälfte dessen, was Lufthansa in jahrelanger Kärrnerarbeit an nachhaltigen Einsparungen erzielen will.

Über die neuen Rekordpreise am Rohstoffmarkt stöhnt die ganze Branche. Fluglinien können die galoppierenden Kosten nur noch über Kerosinzuschläge oder andere versteckte Preiserhöhungen auffangen. Dabei rückt die Frage in den Vordergrund: Wie hoch können die Zuschläge noch ausfallen, ehe das zuletzt so robuste Wachstum im Luftverkehr zu leiden beginnt? Offiziell wird eitel Sonnenschein verbreitet, vor allem bei den forsch expandierenden Billigfluglinien: Europas Marktführer Ryanair teilte am Donnerstag ein Plus von 29 Prozent für den Monat April 2006 mit. Börsenaspirant Air Berlin hatte zuvor ein Passagierwachstum von knapp 25 Prozent bekannt gegeben. Doch während es auf Langstrecken noch Luft zu geben scheint für weitere Preiserhöhungen, erkaufen sich Billigflieger ihr Wachstum bei den Gästezahlen innerhalb Europas zunehmend mit abenteuerlichen Tiefpreisen. Auf die Aktion der Lufthansa, Hin- und Rückflüge ab Deutschland für 99 Euro inklusive Steuern und Gebühren anzubieten, reagierte Ryanair in dieser Woche mit einem Bündel an 33-Euro-Angeboten.

Wie wird der Ausgabepreis einer Aktie festgelegt? Lesen Sie im Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach wie das so genannten Bookbuilding funktioniert – und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:
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Höhere (Kerosin-)Kosten und immer tiefere Preise bilden ein ungesundes Gemisch, das Investoren nicht gefallen kann. Entsprechend haben die Börsenkurse von Ryanair und Easyjet im laufenden Jahr deutliche Abschläge hinnehmen müssen, obwohl beide Unternehmen an ihrem Wachstumskurs festhalten.

Der Verfolger Air Berlin hat es in diesem Umfeld doppelt schwer, Anleger zu locken: Das Unternehmen muss erst noch beweisen, dass es nachhaltig schwarze Zahlen liefern kann. Im Vorjahr standen unter dem Strich 115 Mill. Euro Verlust. Der steile Aufstieg zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft mag TV-Star Johannes B. Kerner begeistert haben, Branchenexperten indes sind skeptisch. Es sei „eine große Herausforderung, in dieser Industrie die Anforderungen des Kapitalmarktes zu erfüllen“, sagt Eurowings-Vorstandschef Friedrich-Wilhelm Weitholz. Während die Analysten der Air-Berlin-Konsortialführer Commerzbank und Morgan Stanley einen Gewinn von gut 50 Mill. Euro für das laufende Jahr prognostizieren, sind andere Branchenvertreter skeptischer: „Wir erwarten ein Nettoergebnis von null für dieses Jahr“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Das von Air Berlin geplante Kapazitätswachstum sei zu stark angesichts der Überkapazitäten in der europäischen Luftfahrt.

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