Air Berlin: Für Kapitän Mehdorn bleibt der Druck hoch

Air Berlin
Für Kapitän Mehdorn bleibt der Druck hoch

Im dritten Quartal hat Air Berlin den Gewinn verdoppelt. Doch Hartmut Mehdorn verschärft den Sparkurs und will mit dem Verkauf des Vielfliegerprogramms Geld einsammeln. Aktionäre und Mitarbeiter sind wenig optimistisch.

DüsseldorfHartmut Mehdorn hat in dieser Woche reichlich Druck abgelassen. Am Montagabend hielt der Chef von Air Berlin zunächst eine Wutrede gegen die Politik. „Für die sind wir nur die Lärmmacher“, grollte der ehemalige oberste Lokführer Deutschlands in Berlin.

In seiner Zeit als Bahnchef hatte sich schon reichlich Frust auf die Regierenden angesammelt. Als Chef der angeschlagenen Airline kamen neue Ärgernisse hinzu: Das Desaster um den neuen Hauptstadtflughafen, der das Drehkreuz von Air Berlin werden soll, und der Streit um die Luftverkehrssteuer. Das war offenbar zu viel.

Am Mittwochabend dann gab Mehdorn einen Tag vor dem angekündigten Termin die Quartalszahlen bekannt. Die konnten sich durchaus sehen lassen. Die Airline steigerte ihr operatives Ergebnis um 4,5 Prozent auf 101,2 Millionen Euro, das Nettoergebnis stieg auf 66,6 Millionen Euro – mehr als eine Verdopplung.

Am Donnerstagmorgen verkündete die Fluggesellschaft dann noch, dass das Vielfliegerprogramm „Topbonus“ bis Jahresende an ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Investor verkauft werden soll. Der Deal soll das Eigenkapitalpolster erhöhen.

Im abgelaufenen Vierteljahr hat Air Berlin die Kennzahl bereits von vier auf acht Prozent gesteigert. Doch der Puffer ist nach wie vor nicht üppig. Andere Fluggesellschaften arbeiten mit 20 Prozent und mehr. Der Druck auf Air Berlin ist also noch da, Mehdorn hat lediglich ein paar Bar abgelassen.

Die Aktionäre jedenfalls goutieren die Maßnahmen der Airline bisher nicht. Am Mittag notierten die Papiere von Air Berlin 2,8 Prozent im Minus. Im frühen Handel hatte das noch ganz anders ausgesehen, bei Lang & Schwarz lagen die SDax-Papiere um bis zu 5,2 Prozent über dem Schlusskurs vom Mittwoch.

Die Anleger haben also nur kurz durchgeatmet. Gleiches dürfte für die Mitarbeiter gelten. Das nun angekündigte, neue Sparprogramm mit dem flotten Namen „Turbine 2013“ könnte ihre Welt schon bald gehörig durcheinanderwirbeln. Denn es wird wohl auch Arbeitsplätze kosten. „Wir werden sicher an schwierigen Maßnahmen nicht vorbeikommen“, sagt Mehdorn am Donnerstag. „Einschnitte in den bisherigen Betrieb sind nicht mehr ausgeschlossen“, hatte der Konzern in seinem Quartalsbericht geschrieben. In den kommenden acht Monaten will die Fluggesellschaft weitere Einsparmöglichkeiten suchen, alle Arbeitsabläufe und Strukturen sollen durchleuchtet werden.

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