Air Berlin

Gewerkschaft VC will alle Pilotenjobs retten

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit will alle Pilotenjobs der insolventen Fluglinie Air Berlin retten. Dafür sollen am kommenden Montag mit den bevorzugten Bietern kollektive Übergangsregeln verhandeln werden.
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Wer will was von Air Berlin?
Unternehmenspleite als Startschuss
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Nun steht fest, wer endgültig am Verhandlungstisch mitreden wird: Am vergangenen Freitag endete die Frist zur Abgabe von Angeboten. Wer bis dahin kein Angebot abgegeben hat, bleibt Außen vor. Die konkreten Interessen der Bieter lassen erahnen, dass von dem einstigen Mallorca-Flieger nur noch kleine Teile übrigbleiben.

Quelle: Reuters

Lufthansa
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Von Anfang an mit dabei und mit den besten Voraussetzungen: Deutschlands größte Airline Lufthansa. Bereits seit vergangenem Jahr stand Deutschlands größte Airline im Gespräch mit der Billigfluglinie – und das zahl sich jetzt aus. Frühzeitige Einblicke in die Bücher des insolventen Unternehmens haben es der Lufthansa ermöglicht, ganz konkrete Vorschläge zu machen. Nach Insider-Angaben bietet Lufthansa für 70 bis 90 Maschinen einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Dafür rechnet sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr gute Chancen aus. Priorität haben aber vor allem die 38 Maschinen, die schon für die Lufthansa-Tochter Eurowings geleast werden. Dazu sollten 20 bis 40 weitere Maschinen für Kurz- und Mittelstrecken kommen. Für die Langstrecke habe Lufthansa nicht geboten. Mehr sei – aus kartellrechtlichen Gründen – nicht möglich gewesen.

Easyjet
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Nach eigenen Angaben reichte Easy Jet ein Angebot für Teile des Kurstrecken-Angebots ein. Dies stehe im Einklang mit der Strategie, sich in Deutschland auf bestimmte Städte zu konzentrieren, erklärten die Briten. Ob es zu dem Deal kommt, sei aber noch ungewiss.

British Airways
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Offiziell äußerte sich British Airways nicht zu einem möglichen Interesse an Air Berlin. Allerdings hat die British-Airways-Mutter IAG Insidern zufolge aber ein Angebot abgegeben. Laut Branchenexperten und Analysten gehört sie zusammen mit der Lufthansa zu jenen Airlines in Europa, die am ehesten eine große Übernahme stemmen können.

Niki Lauda
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Zusammen mit dem Reisekonzern Thomas Cook und dessen Tochter Condor bietet Unternehmer Niki Lauda ebenfalls mit, wie er selbst bestätigte. Einzelheiten zum Angebot gibt es aber nicht. Vor längerer Zeit hatte Lauda aber angekündigt, „etwas um die 100 Millionen“ Euro bieten zu wollen.

Zeitfracht
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Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht bietet für die Frachtsparte Leisure Cargo, die Regionalflugtochter Walter (LGW) und die Air Berlin Technik. Damit wolle sie rund 1000 Arbeitsplätze bei der Air Berlin sichern, wie Firmenchef Wolfram Simon erklärte. Den angebotenen Kaufpreis nannte er nicht. Die Offerte sehe nicht vor, weitere Flugzeuge oder Start- und Landerechte zu übernehmen. Anders als die meisten Konkurrenten bietet Zeitfracht für das gesamte Paket, einzelne Teile seien nicht interessant.

Hans Rudolf Wöhrl
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Die Firma des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, Intro, will zusammen mit weiteren Investoren oder anderen Fluggesellschaften die insolvente Airline übernehmen. Dafür bietet der Unternehmer eine halbe Milliarde Euro. Eine erste Rate von 50 Millionen Euro wäre am Übernahmetag fällig, weitere Tranchen von bis zu 450 Millionen Euro macht Wöhrl aber vom Ergebnis abhängig. Kritiker halten sein Angebot deshalb für eine Mogelpackung. Der Unternehmer hat zudem nicht im Datenraum die aktuellen Zahlen von Air Berlin angeschaut, aber trotzdem ein Angebot abgegeben.

BerlinDie Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will bei der insolventen Air Berlin möglichst alle Pilotenjobs retten. Dass große Unternehmensanteile voraussichtlich an die Lufthansa-Tochter Eurowings und den Billigflieger Easyjet gehen, habe niemanden wirklich überrascht, sagte VC-Vorstandsmitglied James Phillips. Man werde nach der offiziellen Bekanntgabe der bevorzugten Bieter am kommenden Montag schnell auf die Unternehmen zugehen, um kollektive Übergangsregeln zu verhandeln, sagte Phillips am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kollegen hätten verstanden, dass man mit der insolventen Air Berlin keine Vereinbarungen mehr treffen könne über die Zukunft in anderen Unternehmen. Massenhafte Krankmeldungen machten insofern überhaupt keinen Sinn, sondern erschwerten nur die Gespräche.

Phillips zeigte sich optimistisch, sämtliche rund 1200 Piloten unterbringen zu können, selbst wenn nicht die komplette Flotte weiterbetrieben würde. Mindestens auf ein Ende der Langstreckenflüge deutet vieles hin. Air Berlin fliege schon länger mit zehn Prozent zu wenig Piloten. Auch Easyjet und Condor hätten seiner Einschätzung nach zu wenige, sagte der VC-Vorstand. Denkbar seien auch Regelungen zu einer verringerten Arbeitszeit pro Pilot.

Mit diesen Unternehmen wie auch mit Eurowings könne schnell darüber gesprochen werden, zu welchen Bedingungen und nach welchen sozialen Auswahlkriterien der Wechsel kollektiv organisiert werden könnte, sagte Phillips. „Ein bisschen frech finden wir das Ansinnen, dass sich jeder Pilot einzeln neu bewerben soll. Das würde zu einem Rosinenpicken führen.“

  • dpa
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