Air Berlin im Existenzkampf
Deutschlands Nummer zwei sucht ihr Heil in der Ferne

Kuba, Texas oder Kalifornien: Die angeschlagene Air Berlin hofft auf die Langstrecke. Vorstandschef Stefan Pichler will mit neuen Fernzielen Marktanteile gewinnen. Die Lage für die Airline bleibt aber gefährlich.
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BerlinAir Berlin peilt mit Langstreckenflügen, Kostensenkungen und dem Fokus auf Firmenkunden die Wende an. Die Fluggesellschaft will in den nächsten zwölf bis 18 Monaten profitabel werden. „2016 wird der Turningpoint sein“, sagte Konzernchef Stefan Pichler am Mittwoch bei der Vorlage der neuen Strategie in Berlin. „Das alles ist aber nicht ein Zaubertrick, wo du ein Kaninchen aus dem Zylinder zauberst.“ Das könne man nicht von heute auf morgen umsetzen. „Das ist ein längerer Weg.“

Künftig wolle man etwa Nonstopflüge zu drei neuen Zielen in den USA sowie in Kuba anbieten. So sollen von Mai 2016 an von Düsseldorf aus die US-Metropolen San Francisco, Boston und Dallas bis zu fünfmal pro Woche angeflogen werden. Zudem wolle man durch die geplante engere Zusammenarbeit mit Alitalia den Flugverkehr von Deutschland und Österreich nach Italien weiter ausbauen.

Pichler setzt zudem darauf, dass das angeschlagene Unternehmen seine umstrittenen Gemeinschaftsflüge mit dem Großeigner Etihad trotz anderer Signale aus dem Bundesverkehrsministerium fortsetzen kann.

Die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft steckt seit längerem in der Krise – auch mehrere Sanierungsrunden und Chefwechsel brachten kaum Erfolg. In den vergangenen sieben Jahren flog Air Berlin nur einmal einen Konzernüberschuss ein. Der seit Februar amtierende Pichler räumte ein, zuletzt habe Air Berlin den Spagat versucht, mit Billig-Anbietern zu konkurrieren und gleichzeitig auch mit sogenannten Netzwerk-Airlines wie der Lufthansa.

„Wir sind jetzt auf einem konsequenten Weg, diese Grundproblematik zu lösen.“ Dies soll durch den Ausbau von profitablen Langstreckenflügen vor allem in die USA gelingen. Zudem wolle man nicht im direkten Konkurrenzkampf stehen mit Billig-Fluglinien wie Ryanair und Easyjet.

Air Berlin will seine Drehkreuze Düsseldorf und Berlin ausbauen, das Flugangebot zu seinem touristischen Kernmarkt Mallorca erhöhen und die Zusammenarbeit mit Alitalia und dem arabischen Partner Etihad verstärken. „Wir wollen unseren Marktanteil im Firmenkundengeschäft in den kommenden drei Jahren verdoppeln“, kündigte Pichler an. Auf der Kostenseite plant er Entlastungen durch die Abbau von Stellen vor allem in der Verwaltung. Unklar sei, wie viele der insgesamt 9000 Jobs wegfallen. Zudem sollen einige Strecken weniger häufig geflogen werden.

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