Air Berlin in der Krise

Krisen-Airline fliegt künftig öfter nach Mallorca

Air Berlin zieht sich aus dem Luftverkehr innerhalb Spaniens zurück. Stattdessen bietet die Fluggesellschaft künftig mehr Direktflüge von Deutschland nach Palma de Mallorca an. Doch die Flugzeuge werden kleiner.
Air Berlin zieht sich künftig aus dem Luftverkehr innerhalb Spaniens zurück. Quelle: dpa
Air Berlin

Air Berlin zieht sich künftig aus dem Luftverkehr innerhalb Spaniens zurück.

(Foto: dpa)

FrankfurtBerlin und Düsseldorf – diese beiden Flughäfen in Deutschland will Stefan Pichler künftig als Drehkreuze für seine Krisen-Airline nutzen. Mit dieser „Dual-Hub-Strategie“ will der Chef von Air Berlin die angeschlagene Fluggesellschaft wieder auf Kurs bringen – und den Flugverkehr an diesen beiden Standorte konzentrieren.

Die Folge: Palma de Mallorca – für die zweitgrößte deutsche Airline eine Art Mini-Drehkreuz – soll diese Funktion künftig verlieren. Bis zum Sommer kommenden Jahres wird sich Air Berlin aus dem innerspanischen Verkehr von und nach Mallorca zurückziehen.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte entsprechende Pläne auf Anfrage des Handelsblatt. Im Gegenzug will Air Berlin aber die Zahl der Direktflüge von Deutschland nach Mallorca ausbauen. Der Schritt wird wohl auch Folgen für die Belegschaft in Palma haben. Air Berlin beschäftigt dort derzeit rund 130 Mitarbeiter. Wie viele davon ihren Job verlieren werden, ist noch nicht bekannt. Man wolle zunächst mit den Betroffenen sprechen, erklärte der Sprecher. Brancheninsider gehen von rund 30 Stellen aus.

Die Maßnahme ist Teil der neuen Strategie, die Pichler vor knapp einer Woche in Berlin vorgestellt hat. Zunächst hieß es, dass er die Airline, die unter einem hohen Schuldenberg und einem seit zwei Jahren aufgezehrten Eigenkapital leidet, massiv verkleinern wolle. Doch dieser Plan stieß im Verwaltungsrat der nach britischem Recht organisierten „Air Berlin PLC“ auf Widerstand.

Daraufhin überarbeitete er sein Konzept. Pichler will nun früher als geplant auf Wachstumskurs gehen – vor allem was die Langstrecke nach Nordamerika betrifft. Nicht zuletzt der Großaktionär Etihad und dessen Eigentümer – die Vereinigten Arabischen Emirate – würden diesen Kurs unterstützen, heißt es.

Mit diesen Airlines gibt es besonders oft Ärger
Entschädigung bei Verspätungen
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Passagiere sind es gewohnt, dass das Flugzeug pünktlich startet. Doch oft kommt es zu Verspätungen oder Ausfällen. Streiks, Wetter oder technische Probleme können den Abflug verzögern oder gar unmöglich machen. Das passiert auch in den Sommermonaten, wenn viele Reisende unterwegs sind. Ärgerlich – doch Passagiere haben manchmal einen Anspruch auf Entschädigung.

Der Entschädigungsdienstleister „Refund.me“ hat untersucht, welche Airlines besonders häufig für Verspätungs- oder Flugausfallverdruss bei den Passagieren sorgen. Datengrundlage sind mehrere tausend Forderungen aus den Monaten Juni bis September 2015. Von welchen Fluggesellschaften besonders häufig Entschädigungen verlangt wurden.

Platz 5 weltweit – British Airways
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Drei Prozent der Entschädigungsansprüche weltweit, insbesondere von englischen, französischen und spanischen Passagieren, richten sich gegen British Airways. Bei einem großen Angebot an Flügen ist eine Flugverspätung bei den Briten offenbar sehr häufig an der Tagesordnung.

Betroffene Fluggäste können sich an Unternehmen wie Refund.me wenden, die als eine Art Inkassodienst fungieren. Das macht es für die Passagiere oft einfacher, als selbst gegen die Fluggesellschaft vorzugehen.

Platz 4 weltweit – Air France
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Dauert die Verspätung länger als drei Stunden, steht Fluggästen eine zeitlich gestaffelte Entschädigung zwischen 250 Euro und 600 Euro zu. Gegen die größte französische Fluggesellschaft Air France richten sich weltweit dreieinhalb Prozent der Auszahlungsansprüche.

Platz 3 weltweit – Ryanair
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Insgesamt gingen bei Refund.me zwischen Juni und September Entschädigungsansprüche gegen 151 Fluggesellschaften ein. Auch Ryanair wurde dabei nicht verschont: fünf Prozent der Ansprüche der Fluggäste weltweit richten sich gegen die irische Billig-Airline.

Platz 2 weltweit – Easyjet
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Acht Prozent der Fluggäste aus der ganzen Welt gingen die britische Fluggesellschaft Easyjet vor. Müssen Passagiere am Flughafen länger warten, stehen ihren außerdem Essen und Getränke zu. In der Regel verteilen die Fluggesellschaften Gutscheine. Bei Erfolg vor Gericht kassieren Dienstleister wie Refund.me eine Provision. Sollte die Klage jedoch scheitern, trägt das Unternehmen die Kosten.

Platz 1 weltweit – Vueling
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Die meisten Entschädigungsansprüche der Passagiere weltweit richteten sich gegen Vueling: 13 Prozent. Die spanische Billigfluggesellschaft befindet sich in einer Wachstumsphase und baut ihr Streckennetz und ihre Flotte kontinuierlich aus.

Platz 5 Deutschland – Easyjet
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Während englische, französische und spanische Passagiere vor allem von den bereits erwähnten Fluggesellschaften Entschädigungen forderten, sah es bei den deutschen Flugreisenden anders aus: insgesamt gingen sie gegen 68 Airlines vor. Neben einheimischen Gesellschaften landet die britische Easyjet auch in dieser Auswertung, diesmal auf dem fünften Platz mit fünf Prozent.

Allerdings ganz ohne Kürzungen wird die neue Strategie nicht greifen. Pichler hat angekündigt, „Komplexität aus dem Netz“ nehmen zu wollen. Ein Beispiel: Die vorhandenen Langstrecken-Flugzeuge Airbus 330 sollen künftig ausschließlich auf weiten Strecken zum Einsatz kommen – und daher nicht mehr nach Mallorca fliegen. Zwar wird Air Berlin Palma de Mallorca dann mit kleineren Maschinen, aber dafür häufiger als früher ansteuern. „Mallorca bleibt die tragende Säule unseres Touristikgeschäfts“, hat Pichler vergangenen Mittwoch gesagt.

Keine Zukunft haben dagegen die Verbindungen von Mallorca auf die iberische Halbinsel. Bislang fliegt Air Berlin zum Beispiel zwischen Palma und Alicante, Bilbao, Ibiza, Sevilla oder Valencia. Air Berlin befördert auf diese Weise zahlreiche einheimische Gäste nach Mallorca. Doch in den vergangenen Jahren wuchs der Wettbewerb auf diesen Strecken massiv, die Preise gerieten unter Druck. Für Air Berlin hat dieses Geschäft damit an Attraktivität verloren.

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