Air Berlin kämpft um ihre Zukunft
Die Geier der Luftfahrt

Europas Airlines konnten die Konkurrenz aus den Emiraten lange im Zaum halten. Doch Wettbewerber wie Etihad arbeiten nach dem Geier-Prinzip: Sie warten, bis ihr Opfer schwach genug ist. Bei Air Berlin ist es bald soweit.
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DüsseldorfGeier gelten als geduldige Tiere. Oft kreisen sie stundenlang über offener Wüste und warten, bis ihre Beute so geschwächt ist, dass sie sich nicht mehr wehrt. Erst dann schlagen sie zu. Im Jagdverhalten scheinen sich die starken arabischen Fluggesellschaften viel von den Geiern abgeschaut zu haben. In ihrem Expansionsstreben haben sie es vor allem auf die europäischen Airlines abgesehen, die im Wettbewerb als so geschwächt gelten, dass manche von ihnen allein wohl nicht überleben werden.

Es sind Airlines wie die schuldengeplagte Air Berlin, die einst staatliche Fluggesellschaft Alitalia oder die irische Aer Lingus. Sie müssen auf Rettung aus den Emiraten hoffen. Der harte Wettbewerb in Europa hat sie mürbe gemacht: Große Flughafenprojekte wie in Berlin stocken, Bürger demonstrieren für Lärmschutz und gegen den Ausbau. Die Luftverkehrsabgabe in Deutschland und Kerosinsteuern senken den Gewinn, zusätzlich drücken die Billig-Airlines die Ticketpreise. Und als wäre das alles nicht genug, streikt ab und an auch noch die eigene Belegschaft oder die eines Flughafens.

Die arabischen Airlines strotzen dagegen vor Kraft. Emirates, Etihad und Qatar Airways haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Heimatflughäfen Dubai, Abu Dhabi und Katar zu den neuen Zentren der Luftfahrt zu machen. Nachtflugverbote gibt es dort nicht. Die Flotten der Araber wachsen rasant, Treibstoffkosten und Flughafengebühren liegen weit unter europäischem Niveau und die Belegschaft wird mit niedrigen Steuern umworben. Und hinter den Arabern stehen keine dividendenverwöhnten Aktionäre, sondern schwerreiche Scheichfamilien, die auch Verluste in Kauf nehmen, um die Expansion voranzutreiben.

Lange machten Air France/KLM, Lufthansa und British Airways der neureichen Konkurrenz den Zugang zu den lukrativen Start- und Landeplätzen gemeinsam streitig. Doch die Phalanx bricht mehr und mehr auseinander – vor allem an den schwächsten Stellen. Ende 2012 war es Air France, die in einem Abkommen mit Etihad die Abstimmung von Flugplänen und die Aufteilung von Streckennetzen vereinbarte. Nun könnte es noch weiter gehen: Aus den sanierungsbedürftigen europäischen Airlines Air Berlin und Alitalia, sowie den Beteiligungen Aer Lingus, Air Serbia und der schweizerischen Darwin Airline, könnte Etihad eine Allianz formen, die Lufthansa & Co. das Fürchten lehren soll.

Die größte Fluggesellschaft Deutschlands ist alarmiert. Im Interview mit dem „Spiegel“ übte der Lufthansa-Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber vor zwei Monaten harsche Kritik an den Arabern: „Dort werden Flughäfen, Flugsicherung und die Airlines aus einer Hand geführt und als strategisches Werkzeug benutzt, um anderswo Passagiere abzuziehen.“ Das Wachstum in Fernost sei allerdings begrenzt, darum sei längst das bevölkerungsreiche Europa das erklärte Ziel. „Wo holen sie den Verkehr her? Klar, von uns – und dagegen werden wir uns wehren“, kündigte Mayrhuber markig an.

Doch selbst die Lufthansa scheint allein zu schwach, um sich der neuen Konkurrenz zu erwehren. Sie hofft auf Hilfe aus der Politik. „Wir müssen uns überlegen, wie wir gegen diesen ungleichen und unregulierten Wettbewerb angehen“, verlangte Mayrhuber im „Spiegel“. „Das können wir nicht allein, dafür brauchen wir auch politische Unterstützung in Form fairer Rahmenbedingungen.“ Falls man sich aus der Welt zurückziehe, seien ganze Logistikketten in Gefahr.

Kommentare zu " Air Berlin kämpft um ihre Zukunft : Die Geier der Luftfahrt"

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  • Ob nun die Araber oder Finanzverbrecher aus den USA die Firmen schlucken, ist doch wahrlich egal!

  • @fredi:
    Dazu als erstes Goldschmied fabian gucken. Dann prof. bernd senf "tiefere ursachen der weltfinanzkrise", andreas popp "danistakratie" und mario fleischmann "das zwangsgeldsystem". Wenn mans dann verstanden hat, findet man noch unzähliges im www dazu, wie z.b. gugeln -> "sklaven ohne ketten opel" Wer dann noch richtig schmunzeln möchte zieht sich noch die exportdaten in bezug auf den momentanen Target II saldo rein....

  • Vielleicht entdeckt die extrem gewerkschaftlich geschützte - vor allem aber entsprechend auftretende Belegschaft der Lufthansa nun langsam eine echte sevicebereitschaft. Die haben nämlich die Emirati noch zu ihrer wirtschaftlichen Stärke dazu

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