Air Berlin kauft DBA
Analyse: Angriff auf die Lufthansa

Die Übernahme der DBA durch Air Berlin wird die deutsche Luftfahrt-Branche gewaltig verändern. Immerhin kauft die Nummer Zwei die Nummer Drei. Durch den Zusammenschluss entsteht ein zweiter großer Pol neben der Lufthansa. Der Schritt war überfällig, birgt aber dennoch große Risiken. Eine Analyse.

DÜSSELDORF. Air Berlin inklusive der DBA wird es aufgrund der neuen Dimension wesentlich leichter haben, sowohl Druck auf die kleineren Konkurrenten – etwa die zum Tourismuskonzern Tui gehörenden HLX und Hapagfly –, als auch auf die noch immer übermächtige Lufthansa zu machen. Vor allem der zur Lufthansa gehördende Billigflieger Germanwings wird unter der stärkeren Konkurrenz leiden. Und auch das inländische Lufhansa-Geschäft selbst wird die schlagkräftigere Konkurrenz spüren. Der Markt bekommt immer stärker oligopolistische Strukturen.

Die angestoßene Konsolidierung war überfällig. Seit langer Zeit gibt es in Deutschland zu viele Fluggesellschaften. Das erfreut zwar die Kunden, die noch nie zu so günstigen Tarifen eine derart große Auswahl an Zielen ansteuern konnten. Für die Unternehmen und ihre Eigentümer ist die Struktur aber ungesund. Welche Effekte Überkapazitäten in der Luftfahrt haben, kann man in den Vereinigten Staaten von Amerika beobachten, wo seit Jahren die Airlines von einer Insolvenz in die nächste stolpern. Die Fortführung der Geschäfte unter Gläubigerschutz, dem sogenannten Chapter 11, ist für US-Fluggesellschaften ein Dauerzustand.

Magere Ausbeute

Und auch hierzulande erwirtschaften die zahlreichen Fluggesellschaften alles andere als Traumrenditen. Weder Air Berlin noch die DBA machen stabile Gewinne; die mehrheitlich dem bisherigen DBA-Eigentümer Hans-Rudolf Wöhrl gehörende LTU ist ein veritabler Sanierungsfall. Alle Wettbewerber leiden unter den hohen Kerosinpreisen und müssen Angst haben vor externen Schocks wie Terror, Sars oder Vogelgrippe.

Kräfte bündeln ist angesagt. Die dadurch erzielbaren Größenvorteile sind gewaltig und können mittelfristig das Überleben der beteiligten Unternehmen sichern. So hat Joachim Hunold den Wert der Synergien durch den DBA-Air-Berlin-Deal innerhalb der kommenden zwei Jahre auf 71 Mill. Euro beziffert. Das Geld wird vor allem durch günstigere Einkaufskonditionen bei Lieferanten gespart. Außerdem können künftig die Maschinen viel effizienter eingesetzt und die Laufzeiten der Flugzeuge erhöht werden. Beispielsweise können in der aus Geschäftskunden-Sicht flauen Sommersaison die Kapazitäten voll in den dann boomenden Touristenverkehr geleitet werden. Letztlich werden die Synergien aber kaum ohne Personalabbau (vor allem in der Verwaltung) gehoben werden können. Da kann Hunold heute noch so große Garantien geben.

Der Zusammenschluss folgt also einem ökonomischen Imperativ, dem sich kein Unternehmen verschließen kann.

Seite 1:

Analyse: Angriff auf die Lufthansa

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%