Air Berlin
Lufthansa könnte 90 Flugzeuge übernehmen

Der Verkauf von Air Berlin wird konkreter: Laut einem Bericht will die Lufthansa 90 Jets der insolventen Airline übernehmen. Auch Verkehrsminister Dobrindt plädiert dafür, dass die Lufthansa einen Löwenanteil erhält.
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FrankfurtDie Lufthansa will einem Zeitungsbericht zufolge bis zu 90 der 140 Flugzeuge von Air Berlin und deren Österreich-Tochter Niki komplett übernehmen. Ein Abschluss könne schon in der kommenden Woche erzielt werden, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag vorab unter Berufung auf Unternehmenskreise. „Geht alles glatt, so könnte Air Berlin bereits im September und nicht erst im November zerlegt sein.“ Lufthansa wolle „im Idealfall“ rund 90 Flugzeuge übernehmen und unter ihrer eigenen Billigmarke Eurowings weiterbetreiben, hieß es in dem Bericht. Davon habe sie 38 bereits mit den Besatzungen gemietet.

Um Niki, die 20 Flugzeuge betreibt und nicht insolvent ist, zeichne sich ein Bieterstreit ab, berichtete die Zeitung. Auch der britischen Easyjet werde Interesse an Niki nachgesagt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprach sich in der „Rheinischen Post“ ungewöhnlich deutlich für eine nationale Lösung aus: „Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag. „Deswegen ist es dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann.“ Regionale Monopole dürften dabei keine Rolle spielen.

FDP-Chef Christian Lindner warnt dagegen vor einer Übernahme weiter Teile von Air Berlin durch die Lufthansa. „Im Interesse der Kunden sollte der Staat sich nicht in den Wettbewerb zu Gunsten der Lufthansa einschalten“, sagte Lindner am Donnerstag den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Er warnte vor einer Konzentration im deutschen Luftverkehr. „Wir brauchen kein Monopol im Luftverkehr“.

Auch die Bundesregierung macht Druck, schnell zu Ergebnissen zu kommen: „Alle Beteiligten sind jetzt dazu aufgerufen, zügig, aber gewissenhaft zu verhandeln“, sagte Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig der Nachrichtenagentur Reuters. Der 150 Millionen Euro schwere Überbrückungskredit der Regierung gebe Air Berlin die nötige Luft, bis eine Übernahme in trockenen Tüchern sei.

Machnig geht davon aus, dass der Kredit – der als staatliche Beihilfe gilt – und der Verkauf von Air Berlin die Zustimmung der Wettbewerbshüter bei der EU-Kommission bekämen. Je größer die Teile sind, in die die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zerschlagen wird, desto größer ist die Chance, dass sich Brüssel für zuständig erklärt und die Entscheidung nicht dem Bundeskartellamt überlässt.

Die Zeit drängt, weil die Buchungen angesichts der Insolvenz einzubrechen drohen. Das Online-Buchungsportal fluege.de hat den Verkauf von Air-Berlin-Flügen vorübergehend gestoppt, will ihn aber spätestens am Freitag wieder aufnehmen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass Kunden die Angebote der Konkurrenz aufgrund der Insolvenz aus nachvollziehbaren Gründen bevorzugt in Anspruch nehmen werden“, sagte ein Sprecher. Einem Insider zufolge hatte der Lufthansa-Vorstand abgelehnt, Garantien für alle Buchungen von Air Berlin zu übernehmen.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, er verhandle neben der Lufthansa mit zwei weiteren börsennotierten Rivalen über eine Übernahme von Teilen von Air Berlin selbst und der Österreich-Tochter Niki. Sie seien „in finanzieller Hinsicht seriös, vom Volumen her ausreichend groß, um Air Berlin eine sichere Zukunft zu bieten, und hätten zudem das Interesse, weiterhin vom Standort Deutschland aus zu operieren.“ Alle 7200 Stellen in Deutschland seien aber nicht zu retten.

Die Gewerkschaft Verdi macht sich große Sorgen um die 1000 Mitarbeiter in der Verwaltung und 850 in der Technik. Die Bundesregierung müsse Druck auf die Verhandlungspartner ausüben. Die potenziellen Käufer sollten „Beschäftigte von Air Berlin zu fairen Konditionen übernehmen“, forderte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle, die auch im Aufsichtsrat von Lufthansa sitzt.

Zum Verkauf stehen vor allem Start- und Landerechte (Slots). Sie standen Ende 2016 noch mit 80 Millionen Euro in der Bilanz von Air Berlin. Aus dem Erlös soll der Massekredit der Staatsbank KfW getilgt werden. Seine Flugzeugflotte hat Air Berlin nur geleast. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Verkauf von Geschäftseinheiten und den damit verbundenen Start- und Landerechten Erlöse in einem Umfang erzielen werden, der über der gewährten Finanzhilfe liegt“, sagte Winkelmann.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Politische Hinterzimmer-Geschäfte. Pfui Teufel.

  • Au Mann, scheinbar können sich die Medien nicht mal mehr dran erinnern, was sie selbst vor kurzem publizieren. Air Berlin gehört KEIN EINZIGES Flugzeug mehr selbst, alle wurden sie an verkauft und von den Käufern(Leasinggesellschaften) zurück gemietet. Die Eigentümer werden die Flugzeuge wohl nur an den Bestbieter weiterverkaufen/verleasen. Wenn es Lufthansa sein sollte, schön, wenn aber nicht, dann eben Pech gehabt. Wünschen können sich die Aasgeier einerseits und unfähigen Manager von Air Berlin andererseits Vieles, nur gibt es in Ansätzen immer noch den freien Markt im "Flugzeughandel".

  • Mit den vielen Autos müßte noch was passieren. Die Banken -vornehmlich die Coba- haben es (fast) schon hinter sich. RWE und EON auch. U.a . stehen unter den Fittichen eines ehemaligen kleinen Mädchens aus einer Planwirtschaft.

    Was will man da noch erwarten?

    Nicht umsonst steigen weitere Beteiligung an DAX-Konzernen aus den Ausland (über 60%).

    Der Deutsche Michel darf weiterschlafen!

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