Air Berlin
Mehdorn versucht sein Meisterstück

Der Verlust von Air Berlin fällt noch höher aus als erwartet. Darum setzt der neue Vorstandschef Hartmut Mehdorn auf eine riskante Doppelstrategie: Er will sparen - und trotzdem das Angebot der Airline erweitern.
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DüsseldorfNach einem halben Jahr im Amt hat Hartmut Mehdorn heute seine erste Bilanz als Air-Berlin-Chef vorgelegt. Das Ergebnis ist noch schlechter als von den Experten erwartet. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 247 Millionen Euro gestiegen. Im Vorjahr lag er noch bei 9,3 Millionen Euro. Offiziell begründet Mehdorn die hohen Verluste mit steigenden Kerosinpreisen, wettert gegen die Luftverkehrsabgabe. Dabei weiß auch er: Die Baustellen von Air Berlin sind viel größer. 

Mehdorn hat viel Arbeit vor sich, um Deutschlands zweitgrößte Airline zu sanieren. Nach seinem jahrelangen Wachstumskurs hat ihm sein Vorgänger Joachim Hunold ein hochverschuldetes Unternehmen mit einer unklaren Ausrichtung hinterlassen. Zu Air Berlin gehören Billig-, Ferien-, Linien- und Langstreckenflieger - eine Flotte, die auf Pump finanziert wurde. Der Schuldenberg ist mittlerweile auf über 800 Millionen Euro angewachsen, die Eigenkapitalquote liegt bei mageren 14 Prozent. Vor Steuern belief sich das Ergebnis sogar auf minus 359 Millionen Euro (2010: 142 Mio). Ein Steuerertrag von 87 Millionen Euro verbesserte das Nettoergebnis entsprechend. Sogar Hunold selbst belastet die Bilanz. Vor wenigen Tagen wurde ihm laut Informationen der Süddeutschen Zeitung eine "Entschädigung für den Verlust seiner Position" in Höhe von vier Millionen Euro zugesagt. 

Um das schwere Erbe seines Vorgängers zu bewältigen, setzt Mehdorn nun auf eine Doppelstrategie: Sanieren und Kooperieren.  Auch bei seinem neuen Arbeitgeber präsentiert sich der ehemalige Bahnchef als knallharter Sparkommissar. Das Sparprogramm „Shape & Size“ hat er verschärft. Zehn Prozent der Flugzeuge des Konzerns sollen stillgelegt werden, neue Bestellungen wurden vorschoben, unrentable Strecken eingestellt. Und sogar die Weihnachtsfeier wurde gestrichen. 

Kurz vor Weihnachten 2011 macht Air Berlin öffentlich, künftig mit der finanzstarken, arabischen Airline Etihad kooperieren zu wollen. Die Araber übernehmen 29,2 Prozent von Air Berlin – und stellen dem Unternehmen einen Kredit von 196 Millionen Dollar zur Verfügung. Beide Partner profitieren von der Partnerschaft. Etihad will in Europa expandieren. Und Mehdorn kann die Finanzprobleme der Berliner entschärfen.  Das Problem der strategischen Ausrichtung bleibt.

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Oneworld alleine ist keine Lösung

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  • Diplomatisches Geschick und Mehdorn: 2 Welten treffen aufeinander. Was soll das denn werden?

  • Was hat ihnen Air Berlin getan, dass sie der Airline einen solchen Versager wünschen? Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als man mit AB noch gut fliegen konnte, genauso wie man in der Vor-Mehdorn-Ära gut mit der Eisenbahn fahren konnte. Zu AB kann man nur sagen, Mehdorn wirds schon richten, Zu Grunde!

  • Respekt vor diesem Mann. Der kann was und Airberlin verdient es, wieder auf die finanzielle Erfolgsbahn gesetzt zu werden. Bruno Gmünder, Berlin

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