Air Berlin mit neuem Umbauprogramm: Guter Wille allein wird nicht reichen

Air Berlin mit neuem Umbauprogramm
Guter Wille allein wird nicht reichen

Der neue Air-Berlin-Chef Stefan Pichler greift nicht zur Axt, sondern versucht den Umbau auf die sanfte Art. Der gute Wille ist da, doch die Zahlen könnten ihn einholen. Ein Kommentar.
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Sparmaßnahmen helfen nicht mehr: Diese Erkenntnis scheint der neue Vorstandschef von Air Berlin, Stefan Pichler, nach wenigen Wochen im Amt bereits gewonnen zu haben. Und so geht der ehemalige Lufthansa-Manager die x-te Sanierung der Fluggesellschaft anders an als seine Vorgänger.

Im Gegensatz zu Programmen wie „Turbine“ und Co. hat sein am Dienstag im Rahmen der Reisemesse ITB umrissenes Konzept keinen expliziten Namen. Ein neuerlicher Wegfall von Arbeitsplätzen wird genauso wenig angekündigt wie die Streichung von Strecken. Pichler will sich ganz an der Wirtschaftlichkeit ausrichten. Die Airline soll mehr Geld und damit schließlich mehr Gewinne erwirtschaften: Was sich nicht trägt, muss weg.

Das ist wenig revolutionär. Das grundsätzliche Geschäftsmodell zwischen Europaflügen, Touristikgeschäft und Langstrecke bleibt offenbar auch unter Pichler bestehen. Wenn sich der neue Chef mit der Aussage zitieren lässt „Unsere Unternehmensstrategie ist klar“, dann stimmt das weiterhin nicht. Kritiker der Fluggesellschaft werden sich bestätigt sehen.

Doch der Knackpunkt am Umbauprogramm von Air Berlin ist ein ganz anderer. Stefan Pichler verspricht einen neuen Umgangston, ein neues Miteinander – innerhalb der Airline, aber auch im Verhältnis zu ihren Kunden. Pichler will die Mitarbeiter motivieren und sammelt Verbesserungsvorschläge und Rückmeldungen aus der Belegschaft ein, berichtet „Wirtschaftswoche Online“. Die Anrede per Vornamen wurde eingeführt, die Chefs wollen sich mehr draußen zeigen.

Für die Kunden hatte der neue erste Mann der Fluggesellschaft am Dienstag gleich ein ganzes Maßnahmenpaket abseits von Tarifstrukturen und Preisen parat. Ein Kundenbeirat soll in Zukunft Wünsche an die Führung von Air Berlin herantragen. Außerdem soll das Beschwerde-Management verbessert werden: Fluggäste sollen innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung erhalten, wenn ihr Flug Verspätung hatte oder der Koffer verlorengegangen ist. Innerhalb einer Woche sollen die Fälle endgültig bearbeitet werden.

Das muss nicht heißen, dass der Kunde am Ende besser an seine Rückerstattung kommt. Doch es ist immerhin ein erster Schritt, nachdem die Airline wegen ihrer Praktiken in Verruf geraten ist.

Das Pichler-Programm zeigt also guten Willen. Ein klarer Schnitt bleibt aber aus. Daher ist das Ziel des neuen Vorstandschefs, schon 2016 wieder schwarze Zahlen zu schreiben, mehr als sportlich. Doch ausschließlich die Zahlen werden am Ende über die Zukunft von Air Berlin entscheiden.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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