Air Berlin
Mit vielen Stars auf dem Drahtseil

Auf der Reisemesse ITB spielt Europas führender Urlaubs-Riese Tui diesmal nur eine Nebenrolle. Air Berlin-Chef Joachim Hunold kündigt vage den Börsengang seines Unternehmens an und steht dabei im Mittelpunkt. Der Weg zur Volksaktie ist weit, doch keiner geht ihn derart zielstrebig wie der 56-jährige Rheinländer.

BERLIN. Veronika Ferres lächelt vom Cover des Air-Berlin-Bordmagazins, das im Kongresszentrum der Messe Berlin hundertfach ausliegt. Daneben lächeln Hostessen, rot-weiß gekleidet. Gerade läuft Firmenchef Joachim Hunold an seinen „Mädels“ vorbei, immerfort lächelnd. Sein großer Auftritt während der weltgrößten Reisemesse ITB ist vorüber, der Börsengang seines Unternehmens vage angekündigt. Auskunftsfreudig war er ganz und gar nicht - ausnahmsweise. Es reicht dennoch aus für neue, fette Schlagzeilen über „meinen Freund Achim“, wie die Ferres Hunold im TV-Quotenknüller „Wetten, dass...“ nannte. Europas führender Urlaubs-Riese Tui, sonst die große Nummer auf der ITB, bleibt diesmal nur eine Nebenrolle. Im Rampenlicht steht der „Ex-Kellner mit zehn Jahren Serviererfahrung“ (Hunold über Hunold).

Der Weg zur Volksaktie ist weit, doch keiner geht ihn derart zielstrebig wie der 56-jährige Rheinländer. Im Schlepptau hat er stets TV-Stars wie Johannes B. Kerner („Ich bin ein Air Berliner“) oder Sabine Christiansen, die unlängst die Übergabe eines Airbus-Flugzeugs an Air Berlin freudestrahlend begleitete. Nicht zu vergessen: Ex-Rennpilot Niki Lauda, ein Seelenverwandter Hunolds. Für dessen Billigfluglinie Flyniki hat Air Berlin Vertrieb und Streckenmarketing übernommen. Lauter Stars. Und wo Stars sind, sind Kameras. Wer mit so viel Werbedruck abhebt und den Boulevard herzlich an Bord begrüßt, muss Frau Müller als Aktionärin im Sinn haben. Angesichts der Bekanntheit der Marke Air Berlin könne man beim geplanten Börsengang mit einer privaten Nachfrage im zweistelligen Prozentbereich rechnen, wird in Unternehmenskreisen berichtet. Sonderanreize wie Rabatte für Privatanleger seien indes nicht geplant.

Air Berlin hat nichts zu verschenken, im Gegenteil: „Wenn wir im harten Wettbewerb weiter wachsen wollen, müssen wir uns auf der Kapitalseite entsprechend aufstellen“, sagte Hunold auf der ITB. Im Klartext heißt das: Die Firma benötigt einen dreistelligen Millionenbetrag für ihre rasante Expansion im Billigfluggeschäft: 60 Airbus-Flugzeuge vom Typ A320 hat Hunold fest bestellt, 40 weitere optioniert. Der Listenpreis einer A320 liegt bei 60 Mill. Euro. Für private Air-Berlin-Anteilseigner wie Hans-Joachim Knieps (Beteiligung 25 Prozent), Werner Huehn (15 Prozent) oder die Geschwister Rudolf und Severin Schulte (je 12,5 Prozent) ist das Rad, das Hunold dreht, längst zum Riesenrad geworden. Ende 2005 haben sie Air Berlin 130 Mill. Euro Kapital zugeführt. Der Börsengang soll 500 Mill. Euro ins Unternehmen spülen – wenn möglich.

„Es ist wohl die letzte Chance, die Emission jetzt durchzubringen, aber die Chancen stehen gar nicht so schlecht“, glaubt ein Geschäftspartner Hunolds. Die veröffentlichte Ebitda-Marge von 12,5 Prozent lasse durchblicken, dass Air Berlin im Branchenvergleich ordentlich unterwegs sei. Aus dem Lager der Lufthansa heißt es freilich, die Marge des Ferienfliegers Condor liege mit 13,8 Prozent bereits höher. „Nichts ist unmöglich“, sagt Eurowings-Vorstandschef Friedrich-Wilhelm Weitholz. Es bleibe aber „eine große Herausforderung, in dieser Industrie die Anforderungen des Kapitalmarktes zu erfüllen“. Die Starparade werde institutionelle Investoren jedenfalls kaum beeindrucken, sagte der Manager eines anderen Air-Berlin-Wettbewerbers. Hunold auf dem Prüfstand vor kritischen Analysten und Fondsmanagern – für nicht wenige in der Branche ist das eine kuriose Vorstellung: Er wird davon gewohnt unterhaltsam berichten, vermutlich im Abendfernsehen bei Kerner oder Christiansen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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