Air Berlin

Pilot scheitert mit Klage gegen Freistellung

Ein Pilot von Air Berlin wollte seine Freistellung vor Gericht verhindern. Er sah noch Einsatzmöglichkeiten bei der insolventen Airline. Im Eilverfahren hat das Düsseldorfer Arbeitsgericht die Klage nun zurückgewiesen.
Update: 23.11.2017 - 17:24 Uhr Kommentieren
Etwa 1200Piloten sind von der Insolvenz des Unternehmens betroffen. Quelle: dpa
Air Berlin

Etwa 1200Piloten sind von der Insolvenz des Unternehmens betroffen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/BerlinEin Pilot der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ist mit der Klage gegen seine Freistellung gescheitert. Das Düsseldorfer Arbeitsgericht wies die Klage am Donnerstag im Eilverfahren zurück. Nach Ansicht des 59 Jahre alten Klägers gibt es nach wie vor Einsatzmöglichkeiten, weil die insolvente Airline noch Flüge für andere Airlines und Überführungsflüge übernehme.

Air Berlin habe das Personal für diese Flüge zum Beispiel ab dem Flughafen Köln/Bonn willkürlich zusammengezogen und ihn zu Unrecht nicht berücksichtigt. Seine 28 Jahre Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflicht für drei Kinder hätten offenbar keine Rolle gespielt. Dadurch drohe ihm nun zusätzlich der Verlust der Berechtigung, bestimmte Flugzeugtypen zu fliegen, sagte der Flugkapitän.

Das Gericht machte deutlich, dass für die insolvenzrechtliche Freistellung auf Widerruf keine Sozialauswahl erfolgen müsse. Es reiche aus, wenn der Arbeitgeber argumentiere, für den Zeitraum von zwei Monaten nur noch Piloten der jeweiligen Standorte einzusetzen, um keine Versetzungswelle oder zusätzliche Reisekosten zu verursachen. Außerdem sei die Entscheidung in Übereinstimmung mit der Personalvertretung getroffen worden.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
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Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

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Erst im Gerichtsverfahren erklärte der Anwalt des Insolvenzverwalters dem Kläger dessen unwiderrufliche Freistellung. Damit kann dieser nun wenigstens Arbeitslosengeld beantragen, das auf deutlich weniger als 3000 Euro im Monat gedeckelt ist. Bei Air Berlin hatte der Pilot monatlich 16.321 Euro verdient. Derzeit erhalte er weder Gehalt noch Arbeitslosengeld und müsse dennoch seine Sozialversicherungsbeiträge weiterzahlen, sagte der Kläger. Etwa 1200 Air-Berlin-Piloten sind von der Insolvenz betroffen.

Etwa 2500 Piloten und Boden-Beschäftigte von Air Berlin erhalten seit Donnerstag ihre Kündigungen. Mit Beginn des Insolvenzverfahrens am 1. November waren sie zunächst freigestellt worden, nun sind die Sozialplan-Verhandlungen für sie abgeschlossen. Personalchefin Martina Niemann rief die Betroffenen in einer internen Mitteilung auf, sich arbeitslos zu melden, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Zudem verwies sie auf ausgeschriebene Stellen bei Easyjet und Condor sowie eine weitere Jobmesse an diesem Freitag in der Air-Berlin-Zentrale mit Unternehmen wie Daimler, Rolls-Royce und DER Touristik.

Noch keinen Sozialplan gibt es für etwa 3500 Flugbegleiter. Für sie laufen noch Gespräche, sie werden an diesem Freitag fortgesetzt. Nach Niemanns Angaben sind rund 300 Boden-Beschäftigte in die Transfergesellschaft gewechselt, in der sie sechs Monate Zeit haben, sich neu zu orientieren.

  • dpa
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