Air-Berlin-Pleite So stark blutet der Steuerzahler wirklich

Im Bericht des Air-Berlin-Insolvenzverwalters scheint der deutsche Steuerzahler einer der Verlierer der Airline-Pleite zu sein. Doch so ganz stimmt diese Rechnung nicht. Eine Analyse.
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Air Berlin: So stark blutet der Steuerzahler wirklich Quelle: Reuters
Air-Berlin-Flugzeug

Die Air-Berlin-Pleite kostet den Steuerzahler auf dem Papier 200 Millionen Euro – doch ganz so schlimm wird es nicht kommen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Zahl erschreckt. Fast 200 Millionen Euro wird der deutsche Steuerzahler im Zusammenhang mit der Insolvenz von Air Berlin verlieren. Das geht aus dem Bericht hervor, den Lucas Flöther, bisher Sachwalter und seit wenigen Tagen Insolvenzverwalter von Air Berlin, in dieser Woche den Gläubigern vorgelegt hat.

Demnach kann wohl nur die Hälfte des vom Bund verbürgten Kredits der Kfw über 150 Millionen Euro zurückgezahlt werden – also 75 Millionen Euro. Hinzu kommt das Insolvenzgeld, das die Arbeitsagentur eine Zeit lang den Air-Berlin-Mitarbeitern als Ausgleich für den Lohnausfall gezahlt hat. Diese 46,3 Millionen Euro können wohl auch nicht mehr aus der Insolvenzmasse „glattgestellt“ werden. Das gilt auch für eine Steuerschuld über weitere 75 Millionen Euro.

Der Grund für den Ausfall ist simpel: Die einst zweitgrößte deutsche Airline hat über Jahre all ihr Tafelsilber verkauft, um Geld für den laufenden Betrieb hereinzuholen. Jetzt sind kaum noch Vermögenswerte da, die zu Geld gemacht werden können. Der Bericht beziffert diesen Wert auf 88 Millionen Euro.

Von diesem Betrag muss aber auch noch das Insolvenzverfahren bezahlt werden. Schon im November hatte Flöther deshalb eine „drohende Masseunzulänglichkeit“ angezeigt, ein Hinweis darauf, dass am Ende nicht einmal genügend Mittel zur Verfügung stehen könnten, um das Verfahren selbst zu finanzieren.

Doch trotz dieser desaströsen Situation: Ganz so heftig dürfte die Air-Berlin-Pleite für die Steuerzahler nicht werden. Denn der Bericht des Insolvenzverwalters betrachtet nur die reine Air-Berlin-Seite. Blickt man über die Unternehmenssituation hinaus, ergibt sich ein differenziertes Bild.

Da ist etwa das Thema Insolvenzgeld. Dieses wird nicht vom Steuerzahler bereitgestellt. Es finanziert sich durch eine Umlage aller Arbeitgeber – eingezogen über die Sozialabgaben. Der Ausfall der Rückzahlung dieses Geldes dürfte also weder für den Bürger noch für den Fiskus spürbar sein – lediglich der Umlagetopf wird etwas geschröpft.

Hinzu kommt: Durch die Zahlung des Insolvenzgeldes über drei Monate haben die Air-Berlin-Mitarbeiter weiterhin Lohn bezogen. Dieser wurde besteuert und mit Sozialabgaben belegt. Ein Teil des Geldes ist also in die Steuerkassen zurückgeflossen. Steuereinahmen wurden auch generiert, weil Air Berlin mit Hilfe des staatlich verbürgten Kredits zumindest bis Ende Oktober weiterfliegen konnte. Für jedes Ticket, das verkauft wurde, wurden Steuern fällig, unter anderem die in der Airline-Branche so verhasste Ticketsteuer.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
1978
1 von 16

Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

1979
2 von 16

Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca.

1991
3 von 16

Joachim Hunold (Bild) und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH.

2003
4 von 16

Air Berlin steigt auf zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl.

2004
5 von 16

Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005
6 von 16

Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006
7 von 16

Air Berlin geht am 11. Mai in Frankfurt an die Börse. Später übernimmt das Unternehmen die deutsche Fluggesellschaft dba.

Nicht zu vergessen ist noch ein anderer Aspekt. Durch den Ausfall von Air Berlin haben Rivalen und auch andere Verkehrsträger profitiert. Lufthansa hatte volle Flugzeuge, auch hier dürfte es Mehreinnahmen etwa durch die Ticketsteuer gegeben haben.

Und die Bahn freut sich seit Wochen über eine so hohe Auslastung ihrer Fernzüge, wie es sie seit Jahren nicht gegeben hat. Da das Unternehmen im Staatsbesitz ist, wird auch hier der Staat Geld zurückerhalten, etwa durch eine höhere Dividende. Alle diese indirekten Effekte sind natürlich schwer zu beziffern. Aber am Ende könnten sie den im Insolvenzbericht bezifferten Schaden für den Steuerzahler sogar überkompensieren.

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12 Kommentare zu "Air-Berlin-Pleite: So stark blutet der Steuerzahler wirklich"

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  • Das Insolvenzgeld ist ja gerade für solche Situationen gedacht, dass als Ausfallsumme heranzuziehen halte ich für Falsch. Steuern, die nicht mehr entrichtet werden können, weil sie wie alle anderen Insolvenzforderungen behandelt werden ist eigentlich auch nichts ungewöhnliches. Was mich nach wie vor stört, dass der Bund und der zuständige Verkehrsminister durch den Kredit in den Markt eingegriffen hat um einen deutschen Champion zu erschaffen.... Ich als finde, dass das Risiko bei solchen Aktionen am Ende auszufallen eigentlich immer zu hoch ist, als das Steuergelder dafür eingesetzt werden sollten, schön das hier mal ein Konservativer so eine Aktion gebracht hat.

  • Herr Stefan Nold,

    Sie haben vollkommen recht.

    Nur ist, seitdem der Psychopath aus Österreich 1942 einen spziellen Strafrechtsparagraphen erstazlos aus dem StGB gestrichen hat, sind Amtsträger von ziviler Seite nicht mehr zu belangen. Der Staat könnte es - wird es aber niemals machen.

  • Keine Ahnung, warum mein Kommentar hier 2 Mal erscheint. Ich hatte nur 1 Mal geklickt.

  • Dieser Beitrag ähnelt z. T. sehr der ökonomischen Logik der sogenannten Polit-Elite, wonach wegen der Goldstücke niemandem etwas weggenommen wird – natürlich ohne Berücksichtigung der kulturbedingten Gewohnheiten etlicher Schutzsuchender, ihr kärgliches Leben in Deutschland über das Eigentum von einfachen Steuerzahlern „menschenwürdiger“ zu gestalten. Es entsteht dem Staat aber dadurch natürlich kein steuerlicher Schaden – sondern das Gegenteil ist der Fall, da der ehemalige Smartphone-Besitzer dann ja ein Neues kaufen muss.

    Beim Bargeldverlust sieht das natürlich anders aus.

    Genauso „ökonomisch“ wertwertvoll ist die Behauptung gewesen, die mit Steuergeld alimentierten Goldstücke sind wirtschaftlich sinnvoll.
    Im Fall von AB übersieht Herr Koenen, dass es sich grundsätzlich erst einmal um Sowieso-Flüge handelt – ob mit oder ohne Steuergeld vom Staat zur Ermöglichung der Sowieso-Flüge.
    Ob die Leute wegen der AB-Pleite auf andere Linien oder Bahn umsteigen – wegen der AB-Pleite ist niemand öfter geflogen oder mit Bahn der Bahn gefahren.

    Wenn man unter ökonomischen Gesichtspunkten einen Gewinn ausmachen will, dann bleiben nur die wegen der Pleite gestiegenen Flugpreise übrig

    Ob sich wegen der Differenzkosten aus ursprünglich üblichen Flugpreisen und danach gestiegener Flugpreise das Schreiben dieses Artikels gelohnt hätte, ist doch sehr zu bezweifeln.

  • Dieser Beitrag ähnelt z. T. sehr der ökonomischen Logik der sogenannten Polit-Elite, wonach wegen der Goldstücke niemandem etwas weggenommen wird – natürlich ohne Berücksichtigung der kulturbedingten Gewohnheiten etlicher Schutzsuchender, ihr kärgliches Leben in Deutschland über das Eigentum von einfachen Steuerzahlern „menschenwürdiger“ zu gestalten. Es entsteht dem Staat aber dadurch natürlich kein steuerlicher Schaden – sondern das Gegenteil ist der Fall, da der ehemalige Smartphone-Besitzer dann ja ein Neues kaufen muss.

    Beim Bargeldverlust sieht das natürlich anders aus.

    Genauso „ökonomisch“ wertwertvoll ist die Behauptung gewesen, die mit Steuergeld alimentierten Goldstücke sind wirtschaftlich sinnvoll.
    Im Fall von AB übersieht Herr Koenen, dass es sich grundsätzlich erst einmal um Sowieso-Flüge handelt – ob mit oder ohne Steuergeld vom Staat zur Ermöglichung der Sowieso-Flüge.
    Ob die Leute wegen der AB-Pleite auf andere Linien oder Bahn umsteigen – wegen der AB-Pleite ist niemand öfter geflogen oder mit Bahn der Bahn gefahren.

    Wenn man unter ökonomischen Gesichtspunkten einen Gewinn ausmachen will, dann bleiben nur die wegen der Pleite gestiegenen Flugpreise übrig

    Ob sich wegen der Differenzkosten aus ursprünglich üblichen Flugpreisen und danach gestiegener Flugpreise das Schreiben dieses Artikels gelohnt hätte, ist doch sehr zu bezweifeln.

  • Man hat einem kurz vor der Insolvenz stehenden Unternehmen eine Bürgschaft von 150 Mio Euro gegeben. Schon damals hatte ich hier geschrieben, dass das Veruntreuung von Steuergeld ist. Die Steuerschuld von 75 Mio waren mir damals nicht bekannt. Das macht die Sache noch krasser. Das Insolvenzgeld gehört natürlich hier nicht her, das stimmt, aber die Rechnung mit den ausgefallenen Steuern, die hätte man lieber weggelassen. Ich gebe 150 Mio und bekomme indirekt 50 Mio zurück. Und das nennen sie ein Geschäft, Herr Redakteur? Wenn Air Berlin sofort pleite gegangen wäre, hätte das keinen Einfluss auf die Insolvenzmasse gehabt. Hätte Air Berlin in dieser Zeit noch ein millionenschweres Patent angemeldet oder ähnliches, dann hätte es vielleicht Sinn gemacht - aber dieses Kamel war doch schon klinisch tot.

    Fakt ist: Die tolle Frau Bundeswirtschaftsministerin Zypries hat einem Unternehmen, das dem Staat schon 75 Mio schuldig war und ihr ganzes Tafelsilber schon verhökert hatte, nochmal 150 Mio hinterher geworfen. Warum? Vielleicht weil das kurz vor der Bundestagswahl war und die Urlauber, die ein paar Tage später heim gekommen wären, das der Regierung übel genommen hätten und ihr Kreuzchen an der falschen Stelle gemacht hätten. Oder gibt es einen anderen Grund? Diese Bürgschaft hätte nie und nimmer ausgereicht werden dürfen. Im Normalfall ist das ein Fall für den Staatsanwalt - aber jo mei, mir san halt in Banana Country, da san's alles Amigos.

  • Die erhöhten Steuereinnahmen der LH wären ohne den von der KfW-Bank verbürgten Kredit höher ausgefallen, da AB noch früher vom Markt verschwunden wäre. Die von AB transportierten Passagiere wären z.T. in LH Flugzeugen transportiert worden. Da "hinkt" die Rechnung und die Begründung Sozialabgaben würden aus einem anderen "Topf" bezahlt, träfe dann zu, wenn nicht ein erheblicher Steuerzuschuss zu den "Sozialtöpfen" jährlich erfolgen würde.

  • So lange Politiker für ihre Fehlentscheidungen nicht konsequent zur Rechenschaft gezogen werden wird es diese Steuergeldverschwendung immer geben. Das System ist krank...und die Regierungsanhänger auch, weil sie sich einfach alles gefallen lassen und dumm "Angie-Angie" brüllen.

  • Wenn die Pleite für den Staat evtl. sogar positiv war, warum lassen wir nicht einfach mehr Firmen Pleite gehen? Die Zahlung von Insolvenzgeld kostet also auch nichts? Wer zahlt denn das? Hat der Draghi das Geld gedruckt? Dieses Geld mußte in den Betrieben erwirtschaftet werden. Aus steuerlicher Sicht: das waren Ausgaben, die vom zu versteuernden Gewinn abgesetzt wurden, damit also die Steuereinnahmen verkürzt wurden. Die ganze Rechnerei ist für die Katz.

  • qHerbert Maier 25.01.2018, 13:17 Uhr

    " Es hat ja ohnehin keiner mehr geglaubt, denn wer vertraut der Bundesregierung noch..."

    Solche Lügen unserer geschätzten Politiker ignoriere ich seit langem nur noch. Man kann ohnehin nichts anderes von denen erwarten als Lügen.

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