Air Berlin statt Lufthansa
Carsten Spohr fliegt fremd

Überraschender Gast auf dem Air-Berlin-Flug AB 6209: Lufthansa-Chef Carsten Spohr musste wegen des Streiks der Flugbegleiter auf die Konkurrenz ausweichen. Mit seinem Sitzplatz zeigte sich der Manager durchaus zufrieden.

FrankfurtMit ihrem Rekordstreik haben die Flugbegleiter der Lufthansa ihren Chef zu einem seltenen Flugerlebnis gezwungen. Um von Berlin nach München zu fliegen, nahm der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr am Mittwochabend eine Maschine des Konkurrenten Air Berlin, wie ein Lufthansa-Sprecher am Donnerstag bestätigte.

Spohr habe sich bei den Piloten des Flugs AB 6209 für die Mitnahme bedankt und dann in Reihe 20 Platz genommen. „Das war ein sehr guter Sitz.“ Mittags hatte Spohr auf seinem Weg von Frankfurt nach Berlin noch auf einen der wenigen Lufthansa-Flüge zurückgreifen können, die trotz des längsten Streiks in der Firmengeschichte abheben konnten.

Auch am sechsten Streiktag der Flugbegleiter zeichnet sich keine Einigung ab. Beide Seiten bewegen sich derzeit kaum aufeinander zu. Deutschlands größte Airline strich am Donnerstag gut 930 ihrer geplanten 3000 Flüge. Betroffen sind an den Flughäfen Frankfurt, München und Düsseldorf etwa 107.000 Passagiere.

Die Lufthansa hatte zuletzt vergeblich versucht, den längsten Ausstand ihrer Geschichte vor Gericht zu stoppen. Am Donnerstagnachmittag verhandelt das Landesarbeitsgericht Düsseldorf über eine Berufung der Fluggesellschaft. In dem seit zwei Jahren schwelenden Tarifkonflikt geht es neben vielen anderen Punkten um die Altersversorgung für die 19.000 Kabinenangestellten bei der Lufthansa.

Personal-Vorstand Bettina Volkens bekräftigte, dass die Lufthansa wegen des harten Wettbewerbs nur mit Einsparungen an den Märkten bestehen könne. „Wenn wir es nicht schaffen, die Kosten zu senken, müssen wir weiter schrumpfen“, sagte sie im ZDF. Dies wolle das Unternehmen aber nicht. Die Managerin wich der Frage aus, ob der Konzern den Stewardessen und Stewards in dieser Woche noch ein weiteres Angebot vorlegen werde.

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO, die noch bis einschließlich Freitag die Arbeit niederlegen will, betonte ihre Entschlossenheit. „Wenn es keine Bewegung vom Vorstand gibt, dann müssen wir vielleicht sagen, dass es noch einen Streik geben wird“, sagte UFO-Chef Nicoley Baublies der Nachrichtenagentur Reuters. „Solange es kein Signal vom Vorstand gibt, dass sie anders mit den Mitarbeitern umgehen, hilft eine formelle Schlichtung nicht.“

Der finanzielle Schaden des aktuellen Streiks liegt nach Worten von Lufthansa-Managerin Volkens in „einem deutlichen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“. Mit dem Ausstand schädigten die Flugbegleiter den gesamten Konzern. „Die Einzigen, die sich darüber freuen, sind unsere Wettbewerber“, sagte Volkens der „Bild“-Zeitung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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