Air Berlin und der BER Ist der Pannen-Flughafen schuld an der Pleite?

Pleiten, Pech und Pannen: Deutschlands peinlichste Baustelle, der Hauptstadtflughafen BER, und die Pleite-Fluglinie Air Berlin teilen ein Schicksal – folgenlose Ankündigungen. Doch wer hat wen am Ende heruntergezogen?
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Die Altflughäfen Tegel und Schönefeld stoßen an ihre Grenzen. Die Start- und Landerechte von Air Berlin dürften begehrt sein. Quelle: Reuters
Flughafen Tegel in Berlin

Die Altflughäfen Tegel und Schönefeld stoßen an ihre Grenzen. Die Start- und Landerechte von Air Berlin dürften begehrt sein.

(Foto: Reuters)

BerlinSie sollte der größte Kunde für den neuen Hauptstadtflughafen werden, nun ist Air Berlin insolvent. Die absehbare Zerschlagung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft ist ein weiterer Schlag für das skandalumwitterte Flughafenprojekt - doch auch die Problembaustelle hat ihren Anteil an der Krise von Air Berlin. Die wichtigsten Fragen zu Air Berlin und dem BER.

Wie wichtig ist Air Berlin für den BER?
„Air Berlin ist ein sehr wichtiger Partner“, sagt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Denn die Airline, die die deutsche Hauptstadt im Namen trägt, ist der größte Kunde am Flughafen Tegel. Mehr als jeder vierte Passagier hebt dort mit den rot-weißen Maschinen ab. Air Berlin hat als einzige Airline ein nennenswertes Langstrecken-Angebot im stark wachsenden Markt an der Spree. Im Neubau sollte ein Drehkreuz für mehr Umsteigeverbindungen entstehen - ein ganzer Terminaltrakt ist dafür reserviert. Seit einigen Jahren aber sah die Flughafengesellschaft das Risiko, dass wegen des starken Wettbewerbs einzelne Airlines in die Knie gehen. „Aufgrund der derzeitigen starken Nachfrage am Standort Berlin können mögliche Umsatzverluste jedoch mittelfristig durch andere Airlines ausgeglichen werden“, heißt es seither in den Geschäftsberichten.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
1978
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Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

1979
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Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca.

1991
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Joachim Hunold (Bild) und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH.

2003
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Air Berlin steigt auf zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl.

2004
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Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005
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Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006
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Air Berlin geht am 11. Mai in Frankfurt an die Börse. Später übernimmt das Unternehmen die deutsche Fluggesellschaft dba.

Haben die Flughafen-Probleme Air Berlin geschadet?
Für Vorstandschef Thomas Winkelmann ist die Sache klar: „Natürlich ist Air Berlin auch ein Opfer der dauernden Verschiebungen um den neuen Flughafen BER“, sagte der Manager der „Zeit“ (Donnerstag). Der Neubau ist wegen Baumängeln, Planungsfehlern und Technikproblemen seit 2011 überfällig – Eröffnungstermin ungewiss. Mit einer Ausnahme schreibt Air Berlin aber Verluste schon seit 2008. Die Probleme sind hausgemacht: planloses Wachstum, unklare Strategie. Nach der geplatzten Flughafeneröffnung 2012 klagte die Airline auf 48 Millionen Euro Schadenersatz – und bekam vor Gericht zwei Millionen.

Was ist mit dem zweiten großen Air-Berlin-Standort Düsseldorf?
Der Airport am Rhein profitierte von den Berliner Problemen. Tegel ist überlastet und für Umsteiger kaum geeignet - so muss an dem alten Airport Gepäck per Hand umgeladen werden. Winkelmann begrub kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr die Drehkreuzpläne für Berlin und verschob Langstreckenflüge etwa in die USA zum Flughafen Düsseldorf. Dort fliegt knapp jeder dritte Passagier mit Air Berlin.

Braucht jetzt überhaupt noch jemand den BER?
Ja, denn der Berliner Luftverkehr wächst seit Jahren kräftig. 33 Millionen Fluggäste waren es vergangenes Jahr, 2020 sollen es 37 Millionen sein, fünf Jahre später 42 Millionen – so die Prognosen des Flughafens. Die Altflughäfen Tegel und Schönefeld stoßen an ihre Grenzen. Die Start- und Landerechte von Air Berlin dürften begehrt sein. „Die Slots werden weiterhin geflogen werden“, sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Sie können auch von anderen Fluggesellschaften bedient werden.“ Air Berlin verhandelt mit Lufthansa, zudem gebe es zwei weitere Verhandlungspartner - Namen nennt das Unternehmen aber nicht. Condor ist interessiert. Spekulationen kreisen um Easyjet und Tuifly.

Wer wird im neuen Großflughafen die Vorreiterrolle haben?
Zweitgrößter Kunde in Berlin ist der Lufthansa-Konzern, sowohl mit der Hauptmarke als auch zunehmend mit seiner Billigtochter Eurowings. Lufthansa aber hat seine Drehkreuze in Frankfurt und München, ein weiteres ist in Deutschland nicht geplant. Über alle Airlines hinweg fliegen schon vier von zehn Passgieren in Berlin „low cost“. Die Billigflieger bringen Touristen aus ganz Europa für wenig Geld in die angesagte deutsche Hauptstadt und sorgen damit maßgeblich für das Wachstum in Schönefeld. Das Flughafen-Management rechnet damit, dass die Billigflieger weiter zulegen.

Die spektakulärsten Airline-Pleiten
2017: Air Berlin
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Mit Air Berlin hat die zweitgrößte Airline Deutschlands Insolvenz angemeldet. Die Pleite bahnte sich seit längerem an: Das Unternehmen mit rund 8.600 Beschäftigten schrieb seit Jahren Verluste und hielt sich hauptsächlich durch Finanzspritzen ihres Großaktionärs Etihad noch in der Luft. Am Freitag drehte die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate den Berlinern aber den Geldhahn zu. Mit dem Kredit von 150 Millionen Euro stellt nun der Bund den Flugbetrieb vorerst sicher.

Harter Wettbewerb
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Air Berlin ist kein Einzelfall. Die goldenen Zeiten der Luftfahrt sind seit der Liberalisierung des Marktes, die in den 1980er-Jahren einsetzte, vorbei. Seitdem regiert ein knallharter Wettbewerb die Lüfte. Auch die Branchenkrise nach den Anschlägen des 11. September 2001 und das Aufkommen der Billigflieger sorgen dafür, dass viele bekannte Airlines in die Pleite gerutscht sind.

1991: Pan American Airways
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Wie kein zweites Unternehmen stand „Pan Am“ für das glamouröse Jet-Zeitalter. 1927 flogen die ersten Postflugzeuge unter dem Namen zwischen Florida und Havanna. Schnell wurde das Unternehmen zu einer der größten US-Fluggesellschaften. Die Airline war eine der ersten, die Interkontinentalflüge anbot, und setzte zahlreiche Standards in der zivilen Luftfahrt. Das blau-weiße „meatball“-Logo von Pan American genießt bis heute Kultstatus.

1991: Pan American Airways
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In den 1980er-Jahren begann der Stern von Pan Am zu sinken. Durch die Deregulierung des US-Marktes kamen zahlreiche Konkurrenten auf. 1988 wurde über dem schottischen Lockerbie eine Maschine durch einen Terroranschlag zum Absturz gebracht, was das Vertrauen der Öffentlichkeit erschütterte. 1991 folgte die Übernahme durch Delta Air Lines.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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Auch TWA gehörte zu den Pionieren der Luftfahrt. Gegründet 1930 als „Transcontinental and Western Air“, machte der exzentrische Milliardär Howard Hughes („The Aviator“) das Unternehmen zur zeitweise größten Airline der Welt. Hinter Pan Am war TWA die inoffiziell zweite Flaggschiff-Gesellschaft der USA. 1985 kaufte der Investor Carl Icahn TWA.

1992, 1995 und 2001: Trans World Airlines
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In den 1990er-Jahren musste TWA zwei Mal in kurzer Folge Gläubigerschutz beantragen. 1996 starben beim Absturz einer Boeing 747 über dem Atlantik 230 Menschen. Die stark geschrumpfte Airline kam 2001 wieder in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von Konkurrent American Airlines übernommen.

2001: SwissAir
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1931 gegründet galt die Airline wegen ihrer finanziellen Stabilität lange als „fliegende Bank“. Aufgrund der politischen Neutralität der Schweiz konnte SwissAir zahlreiche lukrative Ziele in Afrika und im Nahen Osten anfliegen.

Was bedeutet das für den Flughafen?
Es wird zwar nicht unmöglich werden, mit dem Airport Geld zu verdienen und eines Tages die Schulden zu tilgen. Aber es könnte schwieriger werden als geplant, sollte das Schönefelder Terminal kein Drehkreuz werden und damit dort weniger Menschen umsteigen und einkaufen als gedacht - was die Erlöse aus dem Einzelhandel schmälern würde. Und wenn die Billigflieger stärker das Bild bestimmen; am Frankfurter Flughafen profitiert Ryanair schon von Gebührenrabatten.

  • dpa
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