Air Berlin Verhandlungen mit Easyjet laufen noch immer

Air Berlin und Easyjet haben in den Verkaufsverhandlungen bisher keine Einigung erzielen können. Air-Berlin-Chef Winkelmann hob die Exklusivität der Easyjet-Gespräche auf – damit könnten neue Bieter ins Spiel kommen.
Update: 20.10.2017 - 17:16 Uhr Kommentieren
Die insolvente Fluggesellschaft und der Billigflieger konnten in den Verkaufsverhandlungen bislang keine Einigung erzielen. Quelle: dpa
Air Berlin und Easyjet

Die insolvente Fluggesellschaft und der Billigflieger konnten in den Verkaufsverhandlungen bislang keine Einigung erzielen.

(Foto: dpa)

BerlinIn den Verkaufsverhandlungen bei Air Berlin könnten angesichts zäher Gespräche mit Easyjet nun weitere Bieter ins Spiel kommen. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann kündigte am Freitag an, über das Wochenende weiter zu verhandeln, hob zugleich aber wie geplant die Exklusivität der Easyjet-Gespräch auf. Damit wird es möglich, parallel Gespräche mit weiteren Interessenten zu führen, etwa dem Ferienflieger Condor.

Air Berlin verhandelte zuletzt mit Easyjet über die Übernahme von 25 Maschinen am Standort Berlin. Ob eine Einigung noch möglich ist, blieb am Freitag offen. Für den Gläubigerausschuss an diesem Dienstag kündigte Winkelmann lediglich an, den Stand der Dinge zusammenzufassen und Entscheidungsvorlagen zu erstellen.

Am Freitag endete die Bieterfrist für die Tochterunternehmen Air Berlin Technik und Leisure Cargo. Air Berlin nannte in ihrer Stellungnahme keine Bieter. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Donnerstag berichtet, die Verhandlungen seien auf der Zielgeraden und das Bieterkonsortium um den Berliner Logistiker Zeitfracht und die Wartungsfirma Nayak stehe vor dem Zuschlag.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und versucht seitdem möglichst viele Unternehmensteile zu verkaufen. Die Lufthansa hat sich bereits vorige Woche mit Air Berlin auf den Kauf der Töchter Niki und LGW für 210 Millionen Euro geeinigt und übernimmt rund 1700 Mitarbeiter. Die Lufthansa will 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau ihrer Billig-Tochter Eurowings stecken und insgesamt 3000 neue Stellen schaffen. Eurowings übernimmt rund 80 der gut 130 Air-Berlin-Flugzeuge.

Knackpunkt bei den Verhandlungen zur Technik-Sparte war zuletzt, ob die potenziellen Käufer auch Aufträge zum Warten von Flugzeugen der Lufthansa-Gruppe bekomme. „Sollte es einen Käufer geben, versuchen wir natürlich dort auch weiterhin Kapazitäten von der Air Berlin Technik oder der Nachfolgeorganisation zu beziehen, soweit das machbar ist“, sagte Eurowings-Chef Thorsten Dirks nun dazu. „Das müssen wir dann mit dem neuen Eigentümer verhandeln.“ Es gebe bereits Gespräche mit Interessenten und dem Sachwalter von Air Berlin. Sollte sich kein neuer Eigner für den Technik-Bereich finden, dann müsse Eurowings das nötige Know-how dazu im eigenen Haus aufbauen.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
1978
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Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

1979
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Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca.

1991
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Joachim Hunold (Bild) und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH.

2003
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Air Berlin steigt auf zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl.

2004
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Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005
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Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006
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Air Berlin geht am 11. Mai in Frankfurt an die Börse. Später übernimmt das Unternehmen die deutsche Fluggesellschaft dba.

Eurowings unterbreitet derweil den Passagieren ein Angebot, die zwischen dem 28. Oktober und 15. November im Urlaubsort gestrandet sind und wegen des ab dem 28. Oktober eingestellten Flugbetriebs von Air Berlin kein gültiges Rückflugticket besitzen. „Dann werden wir diese Menschen zurückfliegen, soweit die Kapazitäten ausreichen“, sagte Dirks. Die Passagiere könnten dann Eurowings-Tickets für den halben Preis bekommen.

Dirks bekräftigte ein „striktes Nein“ der Lufthansa-Gruppe, sich an einer Transfergesellschaft für Air-Berlin-Mitarbeiter zu beteiligen, für die es vorerst keine Job-Perspektiven gibt. „Ich verstehe vielleicht die eine oder andere Begehrlichkeit“, sagte Dirks. Aber er könne nicht nachvollziehen, warum sich Eurowings an der Finanzierung beteiligen sollte. Denn sein Unternehmen schaffe 3000 Jobs. „Das ist unser Beitrag.“

Zuletzt hatten die Gewerkschaften und die Politik die Lufthansa gedrängt sich zu beteiligen. Für die Ausschreibung von 1300 neuen Jobs gebe es 2500 Bewerbungen, davon 500 von Air Berlin. Für diese Kandidaten gebe es ein verkürztes Auswahlverfahren. Es habe eine dreistellige Zahl von Einstellungen gegeben. Wie viele davon Ex-Air-Berlin-Mitarbeiter sind, verriet Dirks nicht.

  • dpa
  • rtr
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