Air Berlin

Verkauf von Niki an Lufthansa gescheitert

Rückschlag für Lufthansa-CEO Spohr: Die EU will die Übernahme von Niki nicht ohne längere Prüfung durchwinken. Die Lufthansa zieht daher ihr Kaufangebot für die Air-Berlin-Tochter zurück. Niki steht vor der Insolvenz.
Update: 13.12.2017 - 15:55 Uhr 19 Kommentare
Niki: Verkauf der Air-Berlin-Tochter an Lufthansa gescheitert Quelle: dpa

Die Übernahme der Air-Berlin-Tochter durch die Lufthansa ist gescheitert.

(Foto: dpa)

LondonDie Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa ist gescheitert. Das hat Air Berlin am Mittwoch in London mitgeteilt.

Als Grund gab die Fluggesellschaft am Mittwoch an, dass eine schnelle Freigabe des Erwerbs durch die EU-Kommission nicht zu erwarten sei. Daher habe die Lufthansa Air Berlin darüber informiert, dass der Kaufvertrag nicht zu Stande komme, hieß es in der Mitteilung weiter.

Die Bundesregierung rechnet daher mit Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebs bei Niki. „Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Insolvenz und Grounding von Niki sind jetzt die Folge.“

Niki hat bereits mehrere Abflüge vom Airport Wien-Schwechat für diesen Donnerstag gestrichen., wie aus der Website des Flughafens hervorgeht. Zuvor hatte die Lufthansa ihr Kaufangebot für Niki zurückgezogen. Daraufhin hatte die Bundesregierung mitgeteilt, sie rechne mit „Insolvenz und Grounding von Niki“.

Von Air Berlin hieß es, man prüfe derzeit Alternativen für eine Verwertung von Niki. Lufthansa hatte sich im Oktober mit der insolventen Air Berlin darauf geeinigt, Niki und LGW für insgesamt 210 Millionen Euro zu übernehmen. Das Scheitern des Deals könnte auch dazu führen, dass die Bundesregierung ihren Staatskredit von 150 Millionen Euro an Air Berlin nicht vollständig zurückbekommt.

Für die Lufthansa ist dies ein Rückschlag beim Aufbau der Billigtochter Eurowings. Konzernchef Carsten Spohr will dafür 1,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen und rund 3000 Stellen schaffen. Reuters hatte zuletzt von einem Insider erfahren, dass die Airline beim einem Scheitern des Niki-Deals langsamer wachsen werde.

Der Konzern erklärte nach der Entscheidung, man wolle die „geplante Ausweitung des Punkt-zu-Punkt-Geschäfts verstärkt durch organisches Wachstum der Eurowings Gruppe umsetzen“. Ein Lufthansa-Sprecher fügte hinzu, man werde sich für Start- und Landesrechte von Niki bewerben, sollten diese Slots bei einer Insolvenz an den Flughafenkoordinator zurückgehen und dann in dem üblichen Verfahren an Airlines verteilt werden.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
1978
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Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

1979
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Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca.

1991
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Joachim Hunold (Bild) und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH.

2003
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Air Berlin steigt auf zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl.

2004
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Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005
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Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006
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Air Berlin geht am 11. Mai in Frankfurt an die Börse. Später übernimmt das Unternehmen die deutsche Fluggesellschaft dba.

Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte hatte Lufthansa versucht, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission gegen die Air-Berlin-Teilübernahme zerstreuen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für den Fall eines Scheiterns der Niki-Übernahme einen „Plan B“ angekündigt. Er sehe vor, die Lufthansa-Tochter Eurowings in der gleichen Größenordnung von rund 20 Flugzeugen aus eigener Kraft wachsen zu lassen.

Air Berlins Generalbevollmächtiger Frank Kebekus hatte noch am Dienstag mitgeteilt, Lufthansa sei der einzig zuverlässige Kaufinteressent für Niki. Interesse an einem Kauf hatten in den vergangenen Monaten auch Thomas Cook (Condor) und der British-Airways-Mutterkonzern IAG gezeigt.

Die schwierige Lage ruft auch Österreichs Regierung auf den Plan. „In Sachen Niki braucht es eine Lösung, die möglichst viele heimische Arbeitsplätze sichert und gerade jetzt, in der anstehenden Reisezeit rund um Weihnachten, Chaos für die Kundinnen und Kunden vermeidet“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Wien. Die Lösung werde in enger Abstimmung mit der EU-Kommission und Deutschland zu finden sein. Der Sprecher wollte nicht kommentieren, ob es von der Regierung möglicherweise einen Überbrückungskredit für Niki geben könnte.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte bereits am vergangenen Freitag gesagt: „Wir haben ziemlich starke Wettbewerbsbedenken.“ Damit wurde eine vertiefte Prüfung der EU-Wettbewerbshüter über 90 Werktage immer wahrscheinlicher. Für diesen Fall hatte die Lufthansa angekündigt, das Vorhaben zurückziehen und auch die Zwischenfinanzierung für Niki einstellen.

Bei einem Platzen des Niki-Deals würde nach Worten von Tui-Chef Fritz Joussen „viel Kapazität aus dem deutschen Markt gehen“. Im Ergebnis dürfte es hohe Nachfrage geben, so dass die verbleibenden Fluggesellschaften ein gutes Umfeld hätten. „Deshalb sind wir zuversichtlich.“

Die Insolvenz von Air Berlin belastete Europas größten Reisekonzern TUI demnach im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr mit 15 Millionen Euro. Denn man habe eine Leasing-Vereinbarung neu verhandeln müssen, sagte Joussen.

  • dpa
  • rtr
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19 Kommentare zu "Air Berlin: Verkauf von Niki an Lufthansa gescheitert"

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  • @ Puntila - Spohr ist in Ordnung - schauen Sie sich bitte die Verhältnisse bei easyjet, Ryanair und andere Billigflieger an. Bei Lufthansa werden die Piloten noch sehr gut bezahlt und die Flugbegleiter auch gut - die Ausbildung ist gut und auch der Service. Ich habe das Gefühl, dass man sich bei Lufthansa um die Mitarbeiter kümmert. Und als gelegentlicher Kunde bin ich sehr zufrieden.
    Schade, dass Sie eine andere Meinung haben. Dennoch wünsche ich Ihnen einen geruhsamen Abend. Tschüssi

  • koeh: unterhalten wir uns darüber wenn Sie Ihr Management in Staus erleben oder mit dem unglaublich bemerkenswerte Reise Empfinden mit der deutschen Bahn?

  • @koeh:odr wsrs nur heruntertritt?

  • absolut richtige entscheidung von nikki: Spohr ist und bleibt der Drecksprolet, der seine ma lieber heruntertretet als die airline voranzubringen

  • @ Puntila - schön, dass Sie zu einem sarkastischen Stil gefunden haben, das hilft zwar nicht in der Diskussion und wird auch keine anderen Leser unbedingt erfreuen, doch es lockert das Ganze etwas auf.
    Und wenn Sie schon "erneut über die tagebücher von josef goebbels erneut nachzudenken" vor haben: der Mann war ein hervorragender Redner, nur mit den Zielen, da sind wohl weder Sie noch ich einverstanden.
    Sie dürfen mir auch noch gerne verraten, was das mit Lufthansa - Niki zu tun hat.

  • ich freue mich wirklich mit Ihnen einen sachorientierten Gesprächspartener gefunden zu haben

    wirklichich

  • @ Puntila: Sie sind absolut unsachlich - an Ihrer Unsachlichkeit hat sich nicht geändert

  • @ Puntila: Sie sind absolut unsachlich

  • oha

  • WAS DIE EU BEHÖRDEN IN 60 TAGEN NICHT HINGEBRACHT HABEN, WERDEN SIE AUCH NICHT IN 90 TAGEN HINBEKOMMEN - SIE ARBEITEN ZU LANGSAM.
    WAS SOLL DENN ANDERES NACH 90 TAGEN HERAUSKOMMEN? ES IST ALLES BEKANNT!!!!
    Die Lufthansa hat einen guten Vorschlag gemacht, die EU war nicht bereit darauf einzugehen - scheinbar möchte die EU dem Lauda ein Schnäppchen zuschanzen.
    Die Herr Spohr zeigt Führungsstärke und hat eine Alternative bereit. Niki ist für Lufthansa NICHT ALTERNATIVLOS - Eurowings wird organisch wachsen, gerade das können sie gut.
    ICH FINDE ES ABSOLUT SCHWACH VON DER EU, WENN LUFTHANSA VERSUCHT EINE GUTE LÖSUNG AUCH FÜR DIE VERBRAUCHER ZU FINDEN UND DIE EU MIT EWIGEN PRÜFEN GUTE LÖSUNGEN VERHINDERT.
    Das Draufhauen auf deutsche Firmen macht scheinbar einen riesen Spaß: Lufthansa ist nicht verantwortlich für hohe Flugpreise, dafür ist die schlechte Unternehmensführung Air Berlins verantwortlich: Die Pleite führt zu einem eingeschränkten Angebot - dann steigen die Preise. Das ist auch im Sozialismus so - nur dann steht man noch zusätzlich stundenlang in der Schlange - oder muss Jahre auf sein Auto warten!

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