Air Berlin

Wird die Krisen-Airline jetzt zerschlagen?

Der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin droht der radikale Umbau: Abgabe von Strecken und Verkauf von Flugzeugen. Nicht nur Konkurrent Lufthansa steht bereit, Teile der Berliner zu übernehmen.

Überlebenskampf bei Air Berlin: Die Hälfte der Flugzeug-Flotte steht vor Verkauf

Überlebenskampf bei Air Berlin: Die Hälfte der Flugzeug-Flotte steht vor Verkauf

FrankfurtDie unter einem Schuldenberg und negativem Eigenkaptal ächzende Fluggesellschaft Air Berlin steht vor einem radikalen Umbau. Die Golf-Airline Etihad, mit knapp 30 Prozent der größte Einzelaktionär der deutschen Gesellschaft, spricht angeblich mit mehreren Investoren über einen Teilverkauf. Das ist aus Branchenkreisen zu hören. Die Unternehmen selbst wollen sich nicht äußern.

Bekannt ist, dass Etihad mit Lufthansa über die Übernahme der dezentralen Strecken von Air Berlin jenseits der Drehkreuze Berlin und Düsseldorf verhandelt. Als erstes hatte das Handelsblatt über entsprechende Gespräche berichtet. Es wird aber in einem ersten Schritt nicht zu einem Verkauf der Verkehre kommen. Lufthansa wird stattdessen die betreffenden 40 Flugzeuge nebst Mannschaft zunächst mieten („Wet Lease”). Sie sollen in die Lufthansa-Billigplattform Eurowings integriert werden. An diesem Mittwoch tagt der Aufsichtsrat von Lufthansa. Stehen bis dahin die wesentlichen Details der Verhandlungen, will Lufthansa-Chef Carsten Spohr seine Kontrolleure über den Deal informieren, wie zu hören ist.

Das sind die Renditekönige der Lüfte
Air Berlin
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Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ist seit Jahren einer der größten Geldvernichter der europäischen Luftfahrt. Im vergangenen Jahr betrug die operative Marge minus 7,5 Prozent. Fehlende Integration der zahlreichen Zukäufe und ein zu unklares Geschäftsmodell sind die Ursachen.

Air France-KLM
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Der Zusammenschluss der französischen Air France mit der niederländischen KLM im Jahr 2004 war die erste große Fusion in der europäischen Branche. Wirtschaftlich weiter gebracht hat sie beide Unternehmen nicht. Mit einer Marge von gerade einmal 4,28 Prozent ist die Airline eher schwach aufgestellt. Vor allem das streikfreudige Personal in Frankreich verhindert bislang harte Reformen.

Lufthansa
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Der deutsche Branchenprimus, zugleich nach Umsatz und Passagierzahlen die größte europäische Airline, wird seit Jahren umgebaut. Doch der Prozess dauert, auch weil die Mitarbeiter sich von früheren Zusagen zum Beispiel bei der Altersversorgung verabschieden müssen. Doch der Kurs zahlt sich langsam aus, die Marge lag 2015 bei 4,85 Prozent.

Emirates
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Die älteste der drei Airlines vom Persischen Golf schaffte im vergangenen Jahr die ansehnliche Marge von 9,80 Prozent. Ihr Vorteil: Mit dem Drehkreuz in Dubai und einer überwiegend aus Langstreckenmaschinen bestehenden Flotte arbeitet sie sehr effizient. Zudem bekommt die Airline volle Rückendeckung durch die Regierung.

IAG
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Die Gesellschaft entstand Anfang 2011 durch den Zusammenschluss der britischen British Airways und der spanischen Iberia. Hartes Management und weitere Übernahmen wie etwa die der Billig-Airline Vueling und der irischen Aer Lingus machten aus der Gruppe eine der renditeträchtigsten Airlines in Europa mit einer Marge von 10,22 Prozent im vergangenen Jahr. Inwieweit dieser Wert nach dem Brexit-Votum der Briten gehalten werden kann, ist allerdings offen.

Turkish Airlines
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Gleichauf bei der Rendite mit der IAG liegt Turkish Airlines (10,22 Prozent). Die Fluggesellschaft ist in den zurückliegenden Jahren rasant gewachsen. Ähnlich wie am Persischen Golf wird sie stark von der Regierung unterstützt, die sie als Treiber des Wirtschaftswachstums sieht. Offen ist, welche Folgen die zunehmende Isolation der Türkei für die Airline haben wird.

United Continental
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United Continental entstand 2010 durch die Fusion von United Airlines mit Continental Airlines. Der Zusammenschluss zog sich über mehrere Jahre hin, zum Beispiel flogen noch bis 2015 beide Airlines mit eigenem Personal. Auch die Integration der Informationstechnik dauerte. Das ging zu Lasten der Marge, United ist mit 13,64 Prozent das Schlusslicht unter den vier großen US-Airlines.

Unklar ist dagegen, wie es mit dem Rest von Air Berlin weitergeht, etwas weniger als 100 Flugzeuge. Die „Süddeutsche Zeitung” berichtet, dass Etihad auch mit Tui über Teilverkäufe spricht. Dabei soll es vor allem um die österreichische Air Berlin-Tochter Niki gehen, die mit Tuifly zusammengelegt werden könne. Air Berlin blieben in einem solchen Fall dann noch 70 Flugzeuge. Entsprechende Gerüchte kursieren in der Branche schon seit mehreren Monaten. Auch in diesem Fall könnte es noch in dieser Woche eine Entscheidung geben.

Fest steht, dass Tui ein gewisses Interesse am Weiterbestand einiger Air-Berlin-Strecken hat. Die Airline-Tochter von Tui hat rund ein Dutzend Flugzeuge mit Mannschaft an Air Berlin vermietet – zu angeblich hervorragenden Konditionen für den Reisekonzern. Der Vertrag belastet die eh schon angespannte Bilanz von Air Berlin seit Jahren schwer, es muss sich also hier was tun. Das Tui-Management hatte allerdings erst in der vergangenen Woche Gespräche über eine Übernahme von Niki dementiert.

Gleichzeitig hat die Tui-Spitze aber in einem internen Brief an die Mitarbeiter vor wenigen Tagen betont, diese Verkehre sichern zu wollen, sollte sich die Situation bei Air Berlin weiter zuspitzen. Wie eine solche Sicherung genau aussehen könnte, blieb offen. Zudem kursieren auch um die Zukunft von Tuifly selbst heftige Gerüchte. So soll der britische Billigflieger Easyjet ein Auge auf die Touristik-Airline geworfen haben. Doch auch hier hat das Tui-Management jüngst Berichte über Verkaufsverhandlungen dementiert. Die Lage ist also verworren.

Klar ist aber, dass Niki nicht zu einer völlig neu ausgerichteten Air Berlin passen würde. Mehrheitsgesellschafter Etihad will seine Beteiligung auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf ausrichten. Niki bedient vor allem touristische Ziele.

Unabhängig davon, welches Szenario am Ende nun Realität wird. Die seit Jahren unter einer ständigen Unsicherheit leidenden Mitarbeiter von Air Berlin müssen sich auf einen radikalen Umbau einstellen. Das hat Air-Berlin-Chef Stefan Pichler kürzlich unmissverständlich klargestellt. Dazu zählt wohl auch ein Stellenabbau in der Administration, die einem stark schrumpfenden Fluggeschäft angepasst werden muss. Insider sprechen von bis zu 1000 der 8600 Stellen – Zahlen, die aber nicht bestätigt sind.

Aus dem Umfeld von Air Berlin ist allerdings zu hören, dass Mitarbeiter sich bereits für ein Freiwilligenprogramm mit Abfindung melden können. Auch der Wartungsbereich, die Technik, könnte komplett oder in Teilen zur Disposition gestellt werden.

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