Air-Berlin-Zerschlagung Unterlegene Bieter prüfen Klagen

Nach dem Vorentscheid der Gläubiger der insolventen Air Berlin zugunsten von Lufthansa und Easyjet droht Ärger. Erste Bieter prüfen Klagen. Die Unterlegenen schießen sich besonders auf die Bundesregierung ein.
Update: 22.09.2017 - 14:59 Uhr 3 Kommentare
Lufthansa und Easyjet kommen bei Air Berlin zum Zug – die unterlegenen Bieter prüfen eine Klage. Quelle: dpa
Air Berlin

Lufthansa und Easyjet kommen bei Air Berlin zum Zug – die unterlegenen Bieter prüfen eine Klage.

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Düsseldorf/Frankfurt/BerlinDie Detailarbeit über die Aufteilung der insolventen Air Berlin hat noch gar nicht richtig begonnen, da gibt es schon erste Störfeuer. Erste Bieter in dem Poker um die Airline prüfen rechtliche Schritte gegen den Entschluss der Gläubiger, bevorzugt mit Lufthansa und Easyjet über eine Übernahme von Teilen der Fluggesellschaft zu verhandeln.

Der unterlegene Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl schließt rechtliche Schritte nicht aus. Er sei zwar kein Klagehansel, der gerne vor die Gerichte ziehe, sagte der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl dem Handelsblatt: „Ich werde mir aber sehr genau anschauen, wie denn die Absage an uns begründet ist und mir weitere Schritte vorbehalten.“

Auch der Manager Utz Claassen prüft eine Klage. „Wenn das gefingert war, wird es eine gewaschene Kartellklage geben“, sagte ein Sprecher des vorerst unterlegenen Bieters Claassen am Freitag. Beteiligte des Bieterverfahrens hatten bereits die forschen Formulierungen seines Angebotes als juristische Drohung verstanden. Claassen kritisierte auch die geplante Aufspaltung des Unternehmens, die zulasten der Beschäftigten, des Wettbewerbs und des Markenauftritts gehe. „Die Braut wurde nicht geschmückt, offensichtlich wurde sie sogar Stück für Stück hässlich gemacht.“ Air Berlin werde entstellt und verstümmelt, hieß es mit Blick auf gestrichene Langstrecken-Verbindungen. Wöhrl und Claassen hatten für die gesamte Air Berlin geboten.

Das sagen die Reisenden zum Lufthansa-Zuschlag

Das sagen die Reisenden zum Lufthansa-Zuschlag

Der vorläufige Gläubigerausschuss von Air Berlin hatte am späten Donnerstagabend entschieden, bevorzugt Gespräche mit Lufthansa und Easyjet zu führen. Sie sollen bis Mitte Oktober dauern. Wie zu hören ist, soll es dabei im Fall von Lufthansa um die Übernahme der österreichischen Niki, der Ferienflugtochter von Air Berlin, sowie einige weitere Flugzeuge und Mitarbeiter gehen.

Lufthansa hatte erklärt, neben den bereits von Air Berlin gemieteten 38 Flugzeugen weitere 20 bis 40 Maschinen haben zu wollen. Zudem will man bis zu 3000 Mitarbeiter übernehmen. Bei Easyjet geht es dem Vernehmen nach vor allem um Flugzeuge am Standort Berlin sowie einige Verbindungen an Flughäfen wie Hamburg, München oder Düsseldorf.

In einem nächsten Schritt könnten dann noch Gespräche mit Thomas Cook (Condor) über die Übernahme weiterer Teile geführt werden, berichten Insider. Wöhrl betonte, dass er keine Vorwürfe gegen Lufthansa erhebe: „Herr Spohr hat alles richtig gemacht. Man sollte Lufthansa-Aktien kaufen.“

Sein Zorn richte sich gegen die Bundesregierung, insbesondere gegen CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt und die Sozialdemokratin Brigitte Zypries, die das Wirtschaftsministerium leitet. Beide hatten sich unmittelbar nach der Insolvenz der Airline für einen Verkauf an die Lufthansa ausgesprochen. „Was hier abläuft, ist ein Skandal. Mit der Entscheidung würde das Monopol der Lufthansa verfestigt“, so Wöhrl. Der Unternehmer hatte vor Jahren die Fluggesellschaften dba und LTU übernommen und nach einiger Zeit an Air Berlin verkauft.

Auch der österreichische ehemalige Rennfahrer Niki Lauda zeigte sich über das Vorgehen bei der Zerschlagung von Air Berlin empört. „Es ist unglaublich, in welcher Art und Weise die deutsche Politik die Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa unterstützt hat“, sagte er dem Handelsblatt.

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

Anders als Wöhrl schließt Lauda, der die heutige Air Berlin-Tochter Niki gegründet hat, rechtliche Schritte allerdings aus: „Meine Hoffnungen ruhen auf den Kartellbehörden in Österreich. Sie können ein Monopol noch verhindern.“ Lauda hatte zusammen mit Thomas Cook geboten.

„Wir hatten ein gutes Angebot vorgelegt, das vorsah, die 22 Flugzeuge der österreichischen Niki zu übernehmen und damit eine Charterfluggesellschaft aufzubauen. Damit wäre zumindest der Wettbewerb bei den Ferienfliegern aufrechterhalten worden. Die Chance ist nun vertan“, sagte Lauda.

Unterdessen hat in Korneuburg bei Wien das dortige Landesgericht den Insolvenzantrag der Air-Berlin-Tochter Niki als unbegründet zurückgewiesen. Ein österreichischer Reiseveranstalter hatte am vergangenen Mittwoch einen entsprechenden Antrag wegen ausstehender Zahlung eingereicht. Die Summe ist aber von Niki bereits beglichen worden. So hatte sich der Grund für den Insolvenzantrag in Österreich erledigt.

Mit Material von dpa.

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3 Kommentare zu "Air-Berlin-Zerschlagung: Unterlegene Bieter prüfen Klagen"

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  • Herr Christian Körner@ Halten Sie die Herren für blöd ?

  • Lieber Herr Wöhrl, Herr Claassen und Herr Lauda, warum kaufen Sie eigentlich nicht Lufthansa Aktien, wie Herr Wöhrl empfiehlt. Lufthansa hat ein sehr schönes Kurs-Gewinn-Verhältnis und zahlt zudem eine wunderbare Dividende von ca. 3%. Ob Sie so schöne Gewinne auch mit einer Übernahme hinbekommen? Mit so einer kleinen Fluggesellschaft? Und dann auch noch den Ärger mit Klagen? Glauben Sie wirklich, dass Sie professioneller als Lufthansa oder Easyjet sind? ... übrigens Easyjet - Aktien kann man ja auch kaufen....

  • Wöhrl und Claassen - vom Spaßbieter zum Spaßkläger - und dann noch beschweren, dass die Bundesregierung verhindert, dass TAUSENDE PASSAGIERE AM BODEN BLEIBEN: Ist das das Ziel dieser Glücksritter? Eine Fluglinie kaufen, damit die Passagiere am Boden bleiben? ...
    und Lauda überlässt das Klagen lieber seinen Freunden vom Kartellamt in Österreich - das macht er deutlich besser als Wöhrl und Claassen, da muss man ihn loben. Das kostet ihm nix.

    Wöhrl betonte, dass er keine Vorwürfe gegen Lufthansa erhebe: „Herr Spohr hat alles richtig gemacht. Man sollte Lufthansa-Aktien kaufen.“ - Lieber Herr Wöhrl, wenn Sie Lufthansa - Aktien empfehlen, dann haben Sie doch sicher auch schon welche gekauft?

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