Air France im Sinkflug
Wie Piloten den Fluggesellschaften zusetzen

Air France leidet unter dem Streik ihrer Piloten. So stark, dass die Airline erwägt, auf einige Forderungen einzugehen. Für die Lufthansa dürfte der Konflikt eine Warnung sein. Warum sie trotzdem nicht nachgeben sollte.
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DüsseldorfGegen das, was die Kollegen bei Air France-KLM veranstalten, wirken die Kurzstreiks der Lufthansa-Piloten wie ein kleines Päuschen. Seit nunmehr zehn Tagen befinden sich die Angestellten der französischen Fluggesellschaft im Ausstand, bis Freitag wollen sie die Arbeit niederlegen. Der Streik kostet Air France nach eigenen Angaben bis zu 20 Millionen Euro pro Tag, andere sprechen von zehn bis 15 Millionen Euro. Zwei von drei Flügen konnten in den vergangenen Tagen nicht starten, an einigen Flughäfen musste Air France alle geplanten Reisen streichen.

Der Grund für den Riesenstreik: die Air-France-Billigtochter Transavia. Sie soll künftig den Flugverkehr in Europa übernehmen. Doch dagegen laufen die Piloten Sturm. Sie verlangen nicht nur, dass bei der Billig-Airline dieselben Verträge gelten wie bei Air France, sondern wollen auch das Zugeständnis, dass keine Arbeitsplätze wegfallen oder ins Ausland verlagert werden.

Da erschien die Ankündigung des französischen Verkehrsstaatssekretärs wie ein sicherer Erfolg für die Streikenden: Am Mittwoch verkündete Alain Vidalies gegenüber dem französischen Sender RMC einen kompletten Ausbaustopp bei der Billigtochter Transavia. Air France widersprach jedoch umgehend. Es sei „verfrüht“ davon zu sprechen, dass das Vorhaben zurückgezogen worden sei, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Komplett zurückgezogen mag Air France seine Pläne noch nicht haben – zumindest aber haben die Piloten erreicht, dass sie bis Ende des Jahres auf Eis liegen, wie Air-France-Chef Alexandre de Juniac am Dienstag sagte.

Die Episode steht sinnbildlich für die Macht, die Piloten gegenüber ihren Arbeitgebern haben – und dürfte eine Warnung für die Lufthansa sein.

Bereits am Sonntag hatte Vidalies an die Gewerkschaft appelliert, die Streiks aufzugeben – der französische Staat hat noch einen Anteil von fast 16 Prozent. Das „Schicksal“ von Air France stehe auf dem Spiel, sagte er dem Radiosender Europe 1. Ähnlich äußerte sich am Montag auch Air France auf ihrer Webseite. Die Fluggesellschaft sprach von „katastrophalen Konsequenzen“ für ihre Kunden, Angestellten und ihre finanzielle Situation.

Für den französischen Lufthansa-Konkurrenten ist die Sturheit der Piloten gleich doppelt gefährlich. Denn nicht nur die Streiks bereiten der Fluggesellschaft Probleme. Sie steckt ohnehin schon in großen Turbulenzen. 2013 verzeichnete sie einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro, im Jahr zuvor waren es bereits 1,2 Milliarden gewesen. Im zweiten Quartal stieg der Betriebsgewinn zwar immerhin um ein Viertel, doch um einen Umbau kommt Air France nicht herum.

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