Air France stößt mit dem Zukauf auf geteiltes Echo
In Frankreich machen Gewerkschaften mobil

In Frankreich ist die bekannt gegebene Fusion von Air France und KLM mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Während Pariser Medien von einer „Air Europe“ schwärmen und die bürgerliche Regierung den Deal ausdrücklich lobt, drohen die Gewerkschaften mit heftigen Protesten.

cn PARIS. Durch die Fusion entsteht die größte Airline Europas. Addiert man den Umsatz der beiden Konzerne aus dem Passagiergeschäft, würde Air France-KLM mit 19,2 Mrd. Euro sogar zur größten Airline der Welt.

„Das ist ein gelungener Coup für die Regierung. Denn damit wird es für die Gewerkschaften schwieriger, den prestigeträchtigen Deal und die Privatisierung zu sabotieren“, sagte ein Analyst einer Großbank in Paris. Frankreichs Finanzminister Francis Mer hatte eine Privatisierung von Air France, an der der Staat noch 54 % des Kapitals hält, seit langem angekündigt. Aber er zögerte, weil er Widerstand der Gewerkschaften befürchtete.

Durch die Kapitalerhöhung, mit der die Fusion vollzogen wird, sinkt der Staatsanteil automatisch auf 44 %. Verkehrsminister Dominique Bussereau kündigte an, Frankreich wolle seinen Anteil bald auf unter 20 % reduzieren. Mitarbeiter des Finanzministers hoffen, dass der Air-France-Kurs dank der Fusion in den kommenden Monaten steigt, so dass ein Verkauf lukrativer würde. Gestern verlor die Air-France-Aktie in Paris allerdings bis zu 7 %.

Immerhin: Durch die Fusion spart der französische Staat so manche Milliarde. Der Bau eines dritten Flughafens in der Region Paris, der bereits beschlossen war, sei nun wohl „nicht mehr erforderlich“, sagte Verkehrsminister Bussereau. Der Flughafen Schiphol bei Amsterdam werde diese Funktion künftig erfüllen. Bis zuletzt hatten die Niederländer hart um Zusagen von Air France gerungen, Schiphol nicht zu einem Regionalflughafen zu degradieren; dessen Mehrheitsaktionär ist der niederländische Staat.

Verärgert reagierten die französischen Gewerkschaften auf die Fusionsankündigung. Wie überall im öffentlichen Dienst Frankreichs ist auch ein Großteil der Mitarbeiter von Air France organisiert. Sie sind für ihre Streiklust bekannt: In den vergangenen zwölf Monaten traten sowohl die Piloten als auch das Bodenpersonal von Air France mehrfach in den Ausstand.

Die Gewerkschaft Sud kritisierte, sie sei über die Fusionsverhandlungen „völlig im Dunkeln gelassen“ worden. Sie fürchtet einen massiven Stellenabbau als Folge der Fusion. Air France hat derzeit 71 000 Mitarbeiter. Konzernchef Jean-Cyril Spinetta dagegen versicherte, es werde keine Entlassungen bei Air France geben. „Wie er aber dann 385 bis 495 Mill. Euro pro Jahr einsparen will, ist mir schleierhaft“, kommentierte der Analyst. Christian Magne von der Gewerkschaft CFDT sagt, die Partner könnten die vielen Synergien nur durch „Zusammenlegen und Optimieren“ erreichen.

Vor nur zehn Jahren noch stand Air France kurz vor der Pleite. 1994 betrug der Verlust fast 1,5 Mrd. Euro. Der Carrier überlebte nur dank eines Rettungspakets über 3,5 Mrd. Euro aus der Staatskasse. 1997 schrieb Air France dann wieder Gewinne. Im gleichen Jahr trat Airline-Chef Christian Blanc zurück, weil ihm die Regierung eine Privatisierung verweigerte. Spinetta übernahm das Ruder und führte Air France 1999 an die Börse. 2001 erzielte die Airline mit 421 Mill. Euro einen Rekordgewinn.

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