Airline
Air France-KLM hat Blei in den Flügeln

Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM hat mit ihrem Jahresergebnis und dem düsteren Ausblick die gesamte Luftfahrt-Branche an den Börsen nach unten gezogen. Die Zahlen überraschten - denn mit einem Belastungsfaktor hatten Analysten nicht gerechnet.

PARIS. Der Gewinn des Geschäftsjahres 2007/2008 sank bei Air France-KLM um 16 Prozent auf 748 Mill. Euro. Das Ergebnis wurde von einer Rückstellung von 530 Mill. Euro belastet. Damit bereitet der Konzern sich auf mögliche Strafzahlungen im laufenden Kartellverfahren vor, es geht um den Verdacht von Preisabsprachen im Luftfracht-Geschäft. Vor allem mit diesem Belastungsfaktor hatten Analysten nicht gerechnet.

Hinzu kam der schlechte Ausblick wegen des rapide steigenden Ölpreises und der nachlassenden Nachfrage: "Wir befinden uns in einem extrem schwierigen Umfeld für den Sektor", sagte Konzern-Chef Jean Spinetta-Cyril vor der Presse. Für das laufende Geschäftsjahr stellt Europas größte Airline einen Rückgang des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund dreißig Prozent auf rund eine Milliarde Euro in Aussicht.

Die Aktie sank um rund 10 Prozent, das ist der größte Kursrückgang seit über fünf Jahren. Auch die Papiere der Lufthansa und British Airways gaben deutlich nach. Angesichts des Kursrutsches an der Börse bestätigte gestern Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber seine Gewinnprognose; demnach soll der Betriebsgewinn mindestens auf Höhe des Vorjahres von 1,4 Mrd. Euro liegen.

Die Analysten des Brokers Oddo beurteilten die Ergebnisse von Air France-KLM insgesamt zwar als ordentlich, zeigten sich indes vom Ausblick und der Rückstellung für eine mögliche Geldstrafe im laufenden Kartellverfahren überrascht.

Im Februar 2006 hatte British Airways bekannt gegeben, mit anderen Airlines Objekt eines Kartellverfahrens des US-Justizministeriums und der EU-Kommission zu sein. Die Wettbewerbshüter auf beiden Seiten des Atlantiks verdächtigen die Gesellschaften, Preise für Luftfracht abgesprochen zu haben. Im Ziel der Ermittler sind neben British Airways auch Lufthansa, Air France-KLM, Cargolux, Japan Airlines, American Airlines und United Airlines. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein merkten an, dass Air France-KLM mit 530 Mill. Euro mehr Geld für mögliche Strafen zurück stelle als British Airways, die 350 Mill. Pfund (umgerechnet 438 Mill. Euro) gebucht hätten.

Die größten Kopfschmerzen bereitet den Airline-Chefs aber der rapide Ölpreis-Anstieg. Dieser habe die Branche "wie ein Schlag" getroffen, erklärte Air France-Chef Spinetta. Zwar hat der Konzern seine Kerosin-Einkäufe im laufenden Geschäftsjahr zu 78 Prozent mit Absicherungsgeschäften (Hedging) gesichert; dennoch werde 2008/2009 die Kerosin-Rechnung um eine Milliarde Euro ansteigen. Um gegenzusteuern, kündigte das Management an, den laufenden Sparplan (Kostensenkung um 1,4 Mrd. Euro in der Zeit 2007 bis 2010) zu verschärfen, die Kosten sollen um weitere 150 Mill. Euro sinken. Desweiteren seien neue Kerosin-Zuschläge auf die Ticket-Preise möglich. Kapazitätskürzungen wie bei British Airways seien aber nicht geplant.

Air France-Chef Spinetta prognostiziert vor allem schwere Zeiten für Billigflieger: Ihr Geschäftsmodell beruhe auf Wachstum und niedrigen Kosten. "Beides gehört der Vergangenheit an", so Spinetta. Dank des möglichen Aus von Low-Cost-Gesellschaften könne Air France Marktanteile zurück gewinnen.

Angesichts der Krisenlage sind die Franzosen heute recht froh, bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia nicht zum Zuge gekommen zu sein. "Ihre Lage ist heute noch schwieriger als vor zwei Monaten", so der Air-France-Finanzchef Philippe Calavia.

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