Airlines
Aufgebrachte Beschäftigte gefährden Weihnachtsverkehr

Viele Fluggesellschaften verschärfen ihren Sparkurs. Stellen sollen gestrichen und die Gehälter der Belegschaft dauerhaft gesenkt werden. Die Gewerkschaften haben bereits Widerstand angekündigt - und drohen mit Streiks in der Weihnachtszeit.
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FRANKFURT/LONDON. Der heftige Widerstand der Arbeitnehmer gefährdet die Sparziele der Fluggesellschaften. Neben den drei Schwergewichten der Branche in Europa, Lufthansa, Air France-KLM und British Airways, steuern weitere Airlines auf offene Konflikte mit den Gewerkschaften zu. Diese wehren sich gegen weitere Einschnitte, die die Unternehmen angesichts der immer noch schwächelnden Nachfrage durchsetzen wollen.

So will Air France die Verträge mit Piloten und Bordpersonal neu verhandeln, um bis zu 120 Mio. Euro jährlich einzusparen. Die Gewerkschaften haben Widerstand angekündigt, schließlich hätten die Mitarbeiter bereits Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Auch die Mitarbeiter der British Airways (BA) sträuben sich gegen weitere Konzessionen. Der bereits seit Monaten andauernde Streit zwischen der Fluggesellschaft und der Gewerkschaft Unite wird voraussichtlich das wichtige Weihnachtsgeschäft lahmlegen. Die Gewerkschaftsmitglieder stimmen derzeit über einen Arbeitskampf ab; ist die Mehrheit dafür, könnte der Streik am 21. Dezember beginnen. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen die Pläne von BA-Chef Willie Walsh, die Bordbesatzung auf Langstreckenflügen zu reduzieren.

Die irische Aer Lingus baut jetzt eine Drohkulisse auf, um ihren Mitarbeitern Zugeständnisse abzuringen. So überlegt das Unternehmen, ob es seine Basis von Dublin ins nordirische Belfast oder nach London-Gatwick verlegt, um Piloten künftig zu günstigeren Konditionen beschäftigen zu können. Analysten sind sich einig, dass das Unternehmen ohne tiefe Einschnitte nicht überleben kann. Doch bislang sind alle Gespräche mit der Belegschaft über einen Rettungsplan gescheitert.

Der gesamten Branche macht die weltweite Wirtschaftskrise schwer zu schaffen. Der Weltluftfahrtverband Iata erwartet, dass die Airlines dieses Jahr ein Minus von insgesamt elf Mrd. Dollar (7,4 Mrd. Euro) verbuchen werden. Vor allem die traditionellen europäischen Fluggesellschaften leiden unter einem Rückgang der Zahl der Fluggäste im lukrativen Geschäftskundensegment und versuchen daher, ihre Kosten deutlich zu senken.

Sie streichen unprofitable Flugrouten, verkleinern ihre Flotten und erhöhen so die Auslastung der Maschinen, die im Einsatz bleiben. "Die Airlines haben zwar bereits enorm gespart, den Bereich Personalkosten aber größtenteils noch ausgespart", sagt Tanja Wielgoß, Luftfahrtexpertin bei der Unternehmensberatung AT Kearney. "Jetzt kommen vor allem die Linienfluggesellschaften nicht mehr umhin, auch diesen Bereich in ihre Sparpläne mit einzubeziehen." Heftige Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften seien da programmiert.

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