Airlines in der Krise
Der schwarze Freitag für die Luftfahrt

Lufthansa und Air Berlin müssen sparen. Doch der Flugbegleiter-Streik und die verschobene Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens sorgen für neue Millionenkosten. Den Fluggesellschaften droht ein schwarzer Freitag.
  • 8

DüsseldorfDeutschland bleibt am Boden – mal wieder. Der Lufthansa droht heute der größte Streik der Konzerngeschichte, am neuen Hauptstadtflughafen in Berlin werden wohl bis Oktober 2013 keine Flugzeuge starten. Die geplante Eröffnung könnte heute erneut verschoben werden. Für die großen deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin kommen die Hiobsbotschaften zur Unzeit. Ihre groß angelegten Sparprogramme drohen angesichts der neuesten Entwicklungen zu verpuffen, der Ausblick ist düster.

Für die Lufthansa ist im Tarifkonflikt nach eigenen Angaben schon jetzt ein Millionenschaden entstanden – und weitere Millionenkosten dürften hinzukommen. Die Fronten sind verhärtet. Seit einem Jahr ringen die Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa um einen neuen Tarifvertrag. Die Lufthansa hatte noch am Mittwoch angeboten, einen Schlichter einzusetzen. Dafür will die Lufthansa in den Verhandlungen aber nur unter der Bedingung, dass dann nicht über Leiharbeit und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Tochtergesellschaften verhandelt wird. Ein Angebot, das die Gewerkschaft ablehnte – auch aus Furcht, dass ab Januar Arbeitsplätze in eine neue Gesellschaft ausgelagert werden könnten. Auf den defizitären Kurzstrecken will die Lufthansa ihre Tochtergesellschaft Germanwings mit der Sparte Lufthansa Direct Services zusammenlegen.

Zu mehr Zugeständnissen ist aber die Lufthansa nicht bereit. Denn bald stehen neue Tarifverhandlungen mit Piloten und Bodenpersonal an. Zu hoch ist das Risiko, dass ein hoher Tarifabschluss die Begehrlichkeiten anderer Berufsgruppen wecken könnte und das gegen alle Widerstände durchgesetzte Sparprogramm „Score“ in Gefahr gerät. Bis 2014 sollen anderthalb Milliarden Euro eingespart werden. Daher wird nun weiter gestreikt – auf dem Rücken der Passagiere.

Über 100.000 Lufthansa-Kunden sind heute vom Streik betroffen. Von den eigentlich geplanten etwa 1800 Flügen dürften wohl 1200 entfallen. Nur die Billigtochter Germanwings kann wohl wie geplant starten, dort wird nicht gestreikt. „Wir versuchen, innerdeutsche Passagiere auf die Bahn umzubuchen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Donnerstag. Darum rüstet die Bahn auf. „Bei Bedarf werden wir alles, was uns an rollendem Material zur Verfügung steht, auf die Schiene bringen“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Schon die reine Zahl der zusätzlichen Passagiere lässt die Befürchtung steigen, dass das Chaos an den Flughäfen sich zu einem Chaos an den Bahnsteigen ausweiten könnte. Auf jeden Fall sei am Freitag mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen in den Zügen zu rechnen, warnte die Bahn. „Reisenden wird eine Sitzplatzreservierung empfohlen.“

Die Profiteure des Streiks könnten ausgerechnet die Konkurrenten sein, denen die Lufthansa mit dem Sparprogramm die Stirn bieten wollen. Etliche Stammkunden müssen auf der Langstrecke auf die arabischen Airlines Emirates und Etihad ausweichen. Während der deutsche Marktführer sich im Arbeitskampf zerreibt, genießen die arabischen Airlines die politische und finanzielle Rückendeckung ihrer Herkunftsländer.

Kommentare zu " Airlines in der Krise: Der schwarze Freitag für die Luftfahrt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wen man über unsere moderne Welt nachdenkt, landet man automatisch beim Geld. Befasst man sich mit der Weltgeldfinanzwirtschaft, landet man bei Goldman Sachs. Befasst man sich mit der Geschichte, weiß man, warum das so ist. Ob sich jemand davon verängstigt fühlt, hängt von dessen Charakterstruktur und dessen Wissen ab.

    Meine Erkenntnisse gehen noch viel weiter und tiefer als sie vielleicht glauben. Darum habe ich keine Angst.
    Das ändert aber nix an der Tatsache, dass wir nun alle in einer Finanzdiktatur leben. Der berechtigte Streik als solches ist nur der verzweifelte Versuch, dagegen anzukämpfen.
    Wir leben in interessanten Zeiten und es wird noch richtig spannend werden.

  • pedrobergerac

    Was ist Bildung?
    Erfassung von Sachverhalten und entsprechende Einschätzung.

    Sie brauchen keine Bildung: Ihnen reicht Ihre Einschätzung von Goldman und werweißwas aus.

    Nicht Wissen ist das Problem.

    Sie wissen schon wieder so viel, dass Sie damit auch nichts anfangen können, als auf Ihren Ängsten auszuglitschen.

    Kann das reichen?

    Ihnen scheint das vollkommen auszureichen.

    Vielen anderen auch.

    Mit einer realistischen Einschätzungen hat das ungefähr soviel zu tun wie mit Ihrem Bewußtsein dessen was Sie für "erkannt" zu haben glauben.

  • Wir alle verlieren unser Geld an Goldman Sachs. Und nicht nur das. Wir haben unsere Freiheit verloren.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article109064986/Draghi-von-Schaeuble-fuer-Euro-Verdienste-geehrt.html

    Dagegen sollten wir alle streiken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%