Airlines legen Beschwerde gegen Rettungskredit ein
Sabena hängt am seidenen Faden

Unter Sabena-Mitarbeitern kursiert ein bitteres Wortspiel: Wofür steht Sabena? „Swissair a bien empoché notre argent“ – Swissair hat unser Geld fein in die eigene Tasche gesteckt.

HB BRÜSSEL. Tatsächlich hat die Airline kaum Chancen auf eine gewinnbringende Zukunft. Die angekündigte Finanzspritze der belgischen Regierung in Höhe von 123 Mill. Euro sichert den Fortbestand aber immerhin für einen weiteren Monat.

Um überhaupt in den nächsten Wochen fliegen zu können, brauchen die Belgier das „Okay“ der EU-Kommission zum Überbrückungskredit der Regierung. Bisher liege aber keine Anmeldung vor, sagte ein Sprecher von EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio. Der stetige Kontakt zwischen Regierung und Kommission zahlt sich aber offenbar aus. EU-Kreise bestätigten dem Handelsblatt, dass man dem Sabena-Kredit „positiv“ gegenüberstehe. Jedoch müsse das Darlehen fristgemäß zurückgezahlt werden, hieß es. Das aber dürfte der verschuldeten Sabena schwer fallen.

Die europäischen Wettbewerber wollen es aber gar nicht erst so weit kommen lassen. Bereits in Februar hatten unter anderem die Lufthansa, Ryanair, KLM und British Airways Beschwerde gegen eine geplante 100 Mill. Euro Kapitalspritze der belgischen Regierung für ihren defizitären Carrier eingelegt. Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers haben sich die Airlines nun wieder an die EU-Kommission gewandt: „Diesmal sind wir zuversichtlich, dass wir Erfolg haben“.

Neben der EU-Hürde muss Sabena-Chef Christoph Müller ein weiteres Hindernis nehmen. Der Rettungskredit ist den EU-Regeln gemäß an die Erarbeitung eines tragfähigen Sanierungsplans geknüpft. Mit großer Mühe hatte Müller diese Woche ein Konzept gegen einen wilden Pilotenstreik durch ein Mitarbeiter-Referendum geboxt, das Sabena zu einer europäischen Regionalairline machen soll. Dem Plan nach sollen die Unternehmensbereiche Catering, Cargo, Technik, die Sabena-Hotels sowie die Charterlinie Sobelair verkauft werden. Damit würde die Rumpf-Sabena von 12 000 auf rund 7000 Mitarbeiter schrumpfen. Doch das wird nicht ausreichen. „Wir brauchen jetzt ein neues Konzept“, erklärt eine Mitarbeiterin von Rick Daems, Belgiens Minister für Staatsbetriebe. Innerhalb eines Monats solle nun eine „neue Sabena“ entstehen: Noch kleiner und mit privaten Investoren an Bord. Man sei in Gesprächen.

Doch die anderen europäischen Airlines konzentrieren sich zur Zeit auf ihre eigenen Probleme. Branchenexperten zweifeln daran, dass sich Interessenten für das Unternehmen finden lassen, das in seiner 78jährigen Geschichte erst zweimal einen Gewinn einfliegen konnte.

Belgiens Regierung will jedoch alle Register ziehen, um das nationale Symbol Sabena in der Luft zu halten. Expertengruppen prüfen zur Zeit auch rechtliche Schritte gegen Swissair, Crossair sowie die schweizer Banken UBS und Credit Suisse Group. Neben der Arbeit an einem neuen Sanierungsplan mit Zustimmung der Gewerkschaften muss Sabena im kommenden Monat auch die Entflechtung der gemeinsamen Aktivitäten mit Swissair bewältigen. Rund 70 % des Cargo-Verkehrs sind Sabena-Angaben zufolge nach der Swissair-Pleite weggebrochen. „Wenn uns jetzt noch ein Streik dazwischen kommt“, erklärt Sabena-Sprecher Wilfried Remans, „dann können wir einpacken.“

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