Aktie mit Kurssprung
Arcandor-Finanzierung gesichert

Der Touristik- und Handelskonzern Arcandor hat sich nach langen und schwierigen Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium auf ein Refinanzierungskonzept verständigt. Marktteilnehmer zeigten sich erleichtert.

HB DÜSSELDORF. Ob er dazu Aktien des Gewinnbringers Thomas Cook verpfänden musste, blieb am Mittwoch zunächst unklar. Arcandor werde Cook nicht verkaufen, versicherte aber ein Sprecher. Dank der Einigung mit den Banken könne die Warenhaustochter Karstadt das wichtige Weihnachtsgeschäft nun "ganz normal in Angriff nehmen", betonte er.

"Eine Verständigung über die Arcandor-Finanzierung ist erzielt", teilte der Konzern mit. Führungsbanken des Konsortiums seien die BayernLB, die Dresdner Bank und die Royal Bank of Scotland (RBS). Die Warenkreditversicherer Atradius, Coface, Euler Hermes und Zurich hätten dem Konzern versichert, dass sie "begleitend zu dieser Finanzierung die für das Arcandor Geschäft notwendigen Kreditlinien zur Verfügung stellen".

Ursprünglich hatte der Konzern die Verhandlungen mit den Banken bereits in der vergangenen Woche abschließen wollen. Doch die Folgen der Finanzmarktkrise hatten die Gespräche erschwert. Finanzkreisen zufolge hing die Einigung zuletzt vor allem an der Zustimmung der RBS. Der erfolgreiche Abschluss der Gespräche ist für Arcandor auch deshalb von Bedeutung, weil der Kreditversicherer Euler Hermes Ausfallgarantien für Warensendungen an Arcandor nicht mehr im vollen Umfang übernommen hatte. Nun kann Karstadt sich auf das Weihnachtsgeschäft konzentrieren, in dem Warenhauskonzerne traditionell ihre Gewinne einfahren.

Arcandor wies zum Halbjahr Nettofinanzverbindlichkeiten von 1,5 Mrd. Euro aus. Sie setzten sich zusammen aus langfristigen Finanzverbindlichkeiten von 907 Mill. Euro und kurzfristigen von fast zwei Mrd. Euro, abzüglich flüssigen Mitteln, Wertpapieren, Kaufpreisforderungen und Darlehen.

An der Börse wurde die Einigung mit großer Erleichterung aufgenommen. Der Kurs der Arcandor-Aktien schoss im frühen Handel um fast 19 Prozent agben aber mehr als die Hälfte des Zuwachses am morgen wieder ab. Der Arcandor-Sprecher wollte zu Details der Einigung keine Auskunft geben. Auf die Frage, ob Thomas-Cook-Aktien an Banken verpfändet worden seien, sagte er nur: "Thomas Cook ist nach wie vor Teil des Konzerns und wird es auch bleiben. Wir verkaufen Cook nicht."

Händlern zufolge war am Markt zuletzt auf eine baldige Einigung spekuliert worden. Dennoch sollte die Meldung die zuletzt unter Druck stehenden Aktien etwas unterstützen. Arcandor hatte ursprünglich bereits in der Vorwoche die Verhandlungen mit den Banken unter Dach und Fach bringen wollen, was sich aber durch die Tumulte im Zuge der sich zuspitzenden Bankenkrise verzögert hatte.

Analyst Hans-Peter Kuhlmann von der Landesbank Baden-Württemberg sah die Entwicklung "zweifelsfrei positiv". "Damit ist das Weihnachtsgeschäft nicht mehr gefährdet", so der Experte. Vor einer näheren Beurteilung seien aber Details abzuwarten.

Ein anderer Analyst geht davon aus, dass die nicht veröffentlichten Konditionen höher als marktüblich gewesen sind. Die Länge der Verhandlungen sowie der nicht erfolgte Verkauf von Thomas Cook, über den teilweise am Markt spekuliert worden war, deuteten darauf hin, dass die Einigung "über die Konditionen gelaufen ist", so der Experte. Dennoch hält auch er die Lösung angesichts der vorherigen Sorgen um das Weihnachtsgeschäft für eine Erleichterung.

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