Aktie von Karstadt-Konzern stürzt ab
Arcandor auf dem Weg zum Penny-Stock

Die Essener Karstadt-Mutter Arcandor hat am Mittwoch durch unklare Kommunikation die Aktienmärkte fehlgeleitet und unter den Anlegern einen Millionenschaden angerichtet. "Wir haben heute wegen Arcandor sehr viele Anrufe bekommen", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Donnerstag. "Die Anleger, die am Mittwoch diese Aktien gekauft haben, fragen sich, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist."

DÜSSELDORF. Arcandor hatte am Mittwochmorgen eine Pressemitteilung verschickt, die von den Märkten mit großem Optimismus aufgenommen wurde. Nach wochenlangen Verhandlungen mit den Hausbanken habe man sich über ein Refinanzierungskonzept geeinigt, hieß es. Im Verlaufe des Tages beteuerte ein Arcandor-Sprecher mehrfach, der Verkauf der einzig profitablen Konzerntochter Thomas Cook sei nicht beabsichtigt - weder ganz, noch in Teilen. Die Arcandor-Aktie stieg um bis zu 20 Prozent.

Nach Börsenschluss sah die Welt plötzlich ganz anders aus. Am späten Mittwochabend erklärte Arcandor, dass der Konzern "im Zusammenhang mit der erzielten Verständigung über ein Refinanzierungskonzept die Struktur der Holding überprüft". Dies könne auch die Reduzierung der Beteiligung an Thomas Cook beinhalten. Als die Börse am Donnerstag öffnete, stürzte die Arcandor-Aktie um 20 Prozent ab, am Nachmittag weitete sich der Verlust auf bis zu 30 Prozent aus. Die Talfahrt setzte sich am Freitag fort, das Papier fiel zeitweise um weitere 36 Prozent auf 1,58 Euro.

Arcandor erklärte die widersprüchlichen Aussagen vor und nach Börsenschluss mit einem Abspracheproblem. Es habe im Konzern "unterschiedliche Informationsstände" gegeben, sagte ein Konzernsprecher.

So kam es, dass am Mittwoch nicht nur die Öffentlichkeitsabteilung, sondern auch die Investor-Relations-Mitarbeiter von Arcandor den ganzen Tag eine Erfolgsnachricht verbreiteten, während sich die Situation des Konzerns in Wahrheit erheblich verdüstert hatte. Für viele Anleger ist der 52-prozentige Anteil an Thomas Cook der einzige Hoffnungsschimmer bei Arcandor. Sowohl das Versandgeschäft Primondo (früher: Quelle) als auch die Warenhäuser von Karstadt verdienen kein Geld. Daher bewertet die Börse Arcandor insgesamt um 700 Mill. Euro niedriger, als der Thomas-Cook-Anteil des Unternehmens alleine wert ist.

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