Aktienplatzierung des Bundes
Lufthansa will beim Frankfurter Flughafen mitbestimmen

Mit Einstieg beim Frankfurter Flughafen will sich die Lufthansa ein Mitspracherecht sichern. Die Aktien stammen aus dem Besitz des Bundes, der sein Paket am Mittwoch veräußert hatte.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Lufthansa hat für rund 170 Millionen Euro einen Anteil von 4,95 Prozent am Flughafenbetreiber Fraport gekauft. Lufthansa wolle ihren Anteil schnell auf 5 Prozent aufstocken, teilte die Fluggesellschaft am Freitag mit. Der Kaufpreis sei aus vorhandenen Barmitteln finanziert worden.

„Wir vertiefen unsere Partnerschaft mit Fraport und stärken nachhaltig unser Fluggeschäft am wichtigsten Drehkreuz Frankfurt", begründete Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber den Einstieg. Er verwies darauf, dass Lufthansa auch am Terminal 2 des Flughafens München beteiligt sei. Frankfurt und München sind die beiden wichtigsten Flughäfen für die Gesellschaft. Die Beteiligung an Fraport sei eine „strategische Investition für das Kerngeschäft des Unternehmens“, sagte der Lufthansa-Chef. Sie sichere Lufthansa einen Einfluss auf die Entwicklung des Flughafens Frankfurt.

Die Lufthansa strebt mit ihrer Beteiligung auch einen Sitz im Aufsichtsrat an. Das sagte eine Sprecherin der Fluglinie am Freitag auf Anfrage. Als Miteigentümerin des Flughafens verspricht sich die Lufthansa eine Einflussnahme auf die Kosten. Das geht aus einer Präsentation der Fluglinie zu der Beteiligung an Fraport hervor. Dies werde die Planungssicherheit auf der Kostenseite erhöhen, zudem könnten Prozesse optimal gestaltet und gemeinsam politisch gearbeitet werden. Durch das angestrebte Aufsichtsratsmandat könne Lufthansa bei Fraport Einfluss auf Strategie und Investitionen im Kerngeschäft nehmen. Allerdings berge die Doppelrolle als Kunde und Miteigentümer auch Konfliktpotenzial.

Der Bund hatte am Mittwoch seinen 18,2-prozentigen Anteil am Frankfurter Flughafen zu zwei Dritteln versilbert, um Haushaltslöcher zu stopfen. Der Verkauf war bereits seit längerem erwartet worden. Die 10,6 Millionen Aktien gingen laut Händlern zu einem Preis von 38,40 Euro an institutionelle Anleger, was einen Gesamtpreis von 407 Millionen Euro bedeutet. Die Platzierung sei dreifach überzeichnet gewesen, sagte ein über die Transaktion informierter Banker.

Fraport-Chef Wilhelm Bender begrüßte den Einstieg der Lufthansa. Dieser bekräftige die Partnerschaft zwischen Lufthansa, deren Luftverkehrsbündnis Star Alliance und Fraport. Fraport ist Europas zweitgrößter Flughafenbetreiber und die Lufthansa der wichtigste Kunde. Erst kürzlich hatten sich beide Seiten auf einen neuen Vertrag geeinigt, wonach Lufthansa künftig Millionensummen bei den von Fraport geleisteten Bodenverkehrsdienste spart.

Am Donnerstag hatte die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires von zwei verschiedenen Investmentbankern aus dem Umfeld der Aktienplatzierung erfahren, dass die Fluglinie sich bereits im Vorfeld der offiziellen Platzierung eine Beteiligung von 5 bis 10 Prozent am Flughafenbetreiber habe sichern wollen. Die Transaktion sei allerdings gescheitert. Die beiden Banker wollten nicht ausschließen, dass Lufthansa einen zu hohen Abschlag für das Paket heraushandeln wollte. Die Lufthansa hat sich nun offenbar bei der offiziellen Platzierung noch den gewünschten Anteil gesichert.

Die Veräußerung der Aktien ist Teil der Gesamtprivatisierung des Bundes für das Jahr 2005, die im Haushalt mit 17 Milliarden Euro eingestellt ist. Das Land Hessen und die Stadt Frankfurt machten keinen Gebrauch von ihrem Vorkaufsrecht, das ihnen laut einem Konsortialvertrag zusteht. Hessen hält 31,8 Prozent, Frankfurt 20,3 Prozent an der Fraport AG.

Der Flughafenbetreiber war 2001 an die Börse gebracht worden. Im Fall eines vollständigen Verkaufs der Bundesanteile würde sich der Streubesitz der Fraport-Aktie auf bis zu 47,9 Prozent erhöhen. „Das macht die Aktie aus Anlegersicht attraktiver“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die noch ausstehenden 6 Millionen Aktien sollen indirekt über eine Umtauschanleihe platziert werden. Nach Branchenangaben gilt dieses Vorgehen als marktschonend und ermöglicht dem Bund, seinen Verkaufserlös zu optimieren.

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