Aktienverkauf
Post-Chef Zumwinkel heimst Millionen ein

Post-Chef Klaus Zumwinkel hat die Gunst der Stunde nach der Entscheidung über den Post-Mindestlohn genutzt und durch Aktienverkäufe seines eigenen Unternehmens Millionen verdient. Die Aktie der Post war nach der Einigung der Politik stark angestiegen.

agr/HB BONN. Der Post-Vorstandschef hat auf einen Schlag Aktien der Deutschen Post für 4,73 Mill. Euro verkauft. Das teilte die Deutsche Post am Dienstag in Bonn mit. Zumwinkel machte das Geschäft auf eigene Initiative nach dem Aktienoptionsplan des Unternehmens. Er übte die Option für 200 640 Stück aus, die er zum Ausübungspreis von 12,40 Euro erhalten hat, und verkaufte sie zu einem Kurs von 23,57 Euro. Damit hat Zumwinkel durch die Mindestlohn-Entscheidung noch einmal einen Gewinn von gut 166 000 Euro gemacht. Aktienoptionen sind beim Post-Vorstand ein Teil der Vergütung.

Während die geplante Einführung des Mindestlohns in der Briefbranche die Konkurrenten abschreckt, setzt die Aktie der Deutschen Post ihren Kursanstieg weiter fort. Am Donnerstag lag ihr Schlusskurs bei 22,74 Euro. "Die Aktie profitiert davon, dass die Politik Mindestlöhne in der Branche durchsetzt", sagt Axel Funhoff, Analyst von ING. Der Mindestlohn werde das Quasi-Monopol der Post mit einem Marktanteil von 90 Prozent festigen. Dies könnte die Ergebnissituation des Unternehmens verbessern. Die Post zahlt in der Regel höhere Löhne als ihre Konkurrenten und gewinnt Börsianern zufolge nun an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber neuen Briefzustell-Firmen. Der Spielraum für Preiswettbewerb durch neue Anbieter wird deutlich enger.

Die niederländische TNT und die zum Hamburger Versandhändler Otto gehörende Hermes legten am Montag Pläne auf Eis, den ehemaligen Monopolisten im Briefgeschäft mit Privatkunden und Kleinunternehmen in Deutschland anzugreifen. "Ein gemeinsames Angebot an Briefdienstleistungen für Privatkunden und Kleinunternehmen durch TNT Post und die Hermes Logistik Gruppe wird es vorerst nicht geben“, hieß es in einer Mitteilung der Unternehmen. Grund sei die Diskussion um einen Mindestlohn für Briefzusteller.

Verbraucher können damit auch nach dem Fall des Briefmonopols in Deutschland Anfang 2008 ihre Briefsendungen nicht in den 13 500 bundesweiten Niederlassungen von Hermes abgeben. Deren Paketannahmestellen hätten nach den gescheiterten Plänen auch Brief entgegennehmen sollen. TNT Post will sich nun einer Sprecherin zufolge weiter auf die Zustellung von Geschäftspost und das Verteilen von Werbung beschränken.

Der Axel Springer Verlag kündigte Massenentlassungen in seiner verlustreichen Tochter Pin an. Entsprechende Anträge sollten bei den Arbeitsagenturen beantragt werden, hieß es von Seitens Pins. Der Schwerpunkt werde dabei auf Niedersachsen und Bayern liegen. In einem ersten Schritt seien weit über 1000 Mitarbeiter von den Kündigungen betroffen.

Der von Pin und TNT gestützte Branchenverband der Post-Konkurrenten hatte zu bereits gewarnt, durch den Mindestlohn drohten bis zu 20 000 der 60 000 Stellen bei den Post-Wettbewerbern verloren zu gehen. Union und SPD steuern auf einen Mindestlohn für Briefträger von bis zu 9,80 Euro in der Stunde zu. Die Wettbewerber des ehemaligen Monopolisten wollten auch deutlich niedrigere Löhne zahlen dürfen. Nun sehen sie den Wettbewerb in Deutschland trotz des Falls des Briefmonopols in Gefahr.

Post-Chef Klaus Zumwinkel hatte mehrfach betont, er erwarte bei Geschäftspost im kommenden Jahr den härtesten Wettbewerb für den ehemaligen Monopolisten. Dort kann es anders als im deutlich aufwendigeren und margenschwächeren Geschäft mit Privatkunden auch zu Preiskämpfen kommen.

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