Aktionäre sind ungeduldig
Marks & Spencer steht am Scheideweg

Gut ein Jahr nach seinem Antritt als Hoffnungsträger bei Marks & Spencer (M&S) ist Stuart Rose am Scheideweg angekommen. Der Chef des dauerkriselnden britischen Modehauses steht einem sieben Quartale währenden Abstieg bei den Verkäufen scheinbar hilflos gegenüber. Seit Anfang der Woche hat sich die Krise weiter verschärft. Da kam Rose auch noch sein engster Vertrauter abhanden.

HB/fs LONDON. Charles Wilson, seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Unternehmen die rechte Hand von Rose, verlässt M&S. Er wechselt in den Vorstand vom britischen Großmarkt Booker. Damit verlässt der Mann das Unternehmen, der im vergangenen Jahr Kosten in Höhe von 250 Mill. Pfund (gut 360 Mill. Euro) eingespart hat. Seit Tagen versuchte Rose, seinen langjährigen Helfer zum Bleiben zu überreden. Offenbar fühlte sich dieser vom monatelangen Machtkampf um den Posten des Chairman ermüdet. Der amtierende Aufsichtsratschef Paul Myners muss sein Amt im Juli nächsten Jahres nach einem langen Kampf mit seinem Aufsichtsrats-Kollegen Kevin Lomax an einen Außenstehenden abtreten. Myners galt als zu vertraut mit Stuart Rose, auch wurden ihm seine vielen Mandate angelastet.

Myners befand sich seit 2002 im Amt. Er wechselte im Mai vergangenen Jahres den glücklosen CEO Roger Holmes gegen Stuart Rose aus. Myners konnte damit die Aktionäre von einer Zukunft für M&S überzeugen und ein Übernahmegebot des Einzelhandels-Milliardärs Philip Green verhindern.

Die Hoffnung erwies sich jedoch als trügerisch. Rose hat vieles versucht: Er hat seinen Aktionären mehr Geld ausgeschüttet, er hat das Geschäft auf Kernmarken konzentriert, er hat die lukrative Buy-Una-Marke gekauft und er hat die Kollektionen verbessert. Doch das half nicht, Konkurrenten wie Gap und Next mit ihrem besseren Image und angesagteren Produkten zu schlagen. Zudem macht Rose seine Anstrengungen zu einer ungünstigen Zeit. Die ganze Branche kämpft seit Weihnachten mit einem Käuferstreik. Britische Verbraucher sind nur noch mit massiven Rabatten in die Geschäfte zu locken.

Analysten gaben sich zwar am Dienstag gelassen über Wilsons Rücktritt. „Er hat bis zum Oktober ohnehin den größten Teil seiner Arbeit erledigt“, sagt etwa Richard Ratner vom Broker Seymour Pierce. Doch der Rückschlag lässt sich nicht verleugnen. Zumal Rose mit Finanzchef Ian Dyson nur noch ein Exekutiv-Direktor zur Seite steht. Auch war es Rose selbst, der die Messlatte hochgesetzt hatte. Er versprach, den Aktienkurs auf vier Pfund anzuheben – den Preis, den Green damals geboten hatte.

Am Dienstag stand der Kurs bei knapp 3,60 Pfund und der Vorsteuer-Gewinn liegt mit knapp 620 Mill. Pfund fast 20 Prozent unter dem des Vorjahres. Die Schonfrist für Rose läuft ab. Bis Ende des Jahres geben ihm die Aktionäre noch Zeit. Sie beklagen bereits öffentlich fehlende Initiativen, etwa chinesische Produzenten in Anspruch zu nehmen. Bis Mai hat Rose noch behauptet, die Firma entwickle sich nach Plan. Das wird er derzeit nicht sagen können.

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