Aktionären winkt nun hohe Ausschüttung winkt: Börse gibt halbherziges Rücktritts-Dementi

Aktionären winkt nun hohe Ausschüttung winkt
Börse gibt halbherziges Rücktritts-Dementi

Die Deutsche Börse AG, Frankfurt, hält sich zu einem möglichen Rücktritt ihres Vorstandsvorsitzenden Werner Seifert nach dem Rückzug des Gebotes für die London Stock Exchange (LSE) eher bedeckt.

HB DÜSSELDORF/LONDON/FRANKFURT. Seiferts Rücktritt sei kein Thema für die Börse, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag zur Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Beobachter werteten dies als ein nur halbherziges Dementi, dass durchaus verschiedene Lesarten zulasse. Seifert werde nach dem Scheitern der Fusionspläne erheblich unter Druck geraten, hieß es.

Bereits während der noch laufenden Verhandlungen zwischen der Deutschen Börse und der LSE hatten Branchenkenner immer wieder spekuliert, dass Seifert zurücktreten werde oder müsse, wenn die Transaktion scheitere.

„Jeder vernünftige Manager würde nach einer solchen Leistung zurücktreten“, sagte Heino Ruland, Marktanalyst beim Broker Steubing. Andere äußerten sich ähnlich.

Mit dem am Sonntagabend angekündigten vorläufigen Rückzug von der Übernahme der Londoner Börse ist Seifert bereits zum zweiten Mal mit seinen Plänen für eine Börsenfusion gescheitert.

Die Aktionäre der Deutschen Börse können sich nun wahrscheinlich auf eine hohe zusätzliche Ausschüttung freuen. Die Börse wolle mit ihren Aktionären über die Verwendung der Barmittel reden, die sonst für den Kauf der Londoner Börse benötigt worden wären. Nach Angaben des Sprechers erwartet die Börse, dass sie Ende dieses Jahres über rund eine Milliarde Euro Barmittel verfügen wird. Ende 2004 waren es bereits 600 Millionen Euro. Die Aktie der Deutschen Börse legte am Montag zu Handelsbeginn um rund zwei Prozent auf 59,90 Euro zu.

Die Deutsche Börse AG hatte am Sonntagabend mitgeteilt, dass sie ihr Übernahmeangebot für die Londoner Börse zurückzieht. Die Entscheidung sei getroffen worden, nachdem das Management der London Stock Exchange (LSE) keine Empfehlung für den deutschen Vorschlag ausgesprochen habe. Die Deutsche Börse behalte sich aber weiter das Recht vor, ein Angebot für den Fall zu unterbreiten, dass Euronext oder ein anderer Interessent ein Gebot für die Londoner Börse abgebe, hieß es in der Mitteilung.

Euronext von Rückzug der Deutschen Börse offenbar überrascht

„Wir haben das Statement der Deutschen Börse zur Kenntnis genommen“, sagte eine Euronext-Sprecherin am Montag. Einen Kommentar zum Vorgehen der Deutschen Börse und eine Stellungnahme zu den weiteren Plänen der Euronext für oder wider eine mögliche LSE-Übernahme lehnte sie jedoch ab. Bei der LSE selbst war am Montag zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Beobachtern zufolge kam der Rückzug der Deutschen Börse auch für die Euronext überraschend. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Montag ohne Angabe von Quellen berichtete, wird nun erwartet, dass auch die Euronext sich von der LSE-Übernahme zurückzieht und die Londoner Börse für die eigene Unabhängigkeit plädiert.

Zukünftiges Wachstum nun fraglich

Die Londoner Börsenführung hatte die Offerte trotz hartnäckiger Verhandlungsbemühungen der Börse zwei Mal als zu niedrig zurückgewiesen. Außerdem hatte sich Hedge-Fonds im Aktionärskreis der Börse gegen den LSE-Kauf gewehrt. Das Unternehmen hielt sich bei seiner Entscheidung am Sonntag jedoch ein Hintertürchen offen und will im Falle einer Offerte der Konkurrenz für die LSE wieder in den Bieterwettkampf einsteigen.

Analysten zeigten sich in einer ersten Reaktion überrascht: „Der Druck auf das Management wird nun steigen, nach diversen Projekten mit limitiertem Erfolg. Die Frage ist nun: Wo soll das zukünftige Wachstum der Deutschen Börse herkommen?“, sagte Martin Praum, Analyst bei Sal Oppenheim. Neben dem bereits vor fünf Jahren gescheiterten Versuch, die LSE zu kaufen, hatte der Frankfurter Konzern in den vergangenen Jahren auch vergeblich versucht, die Schweizer Börse und die Londoner Derivatebörse Liffe zu erwerben. Letztere war nach einem Bietergefecht an die Vierländerbörse Euronext gegangen, die derzeit ebenfalls mit der LSE in Kaufverhandlungen steht.

Die Euronext - bestehend aus den Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon - wollte sich am Sonntagabend nicht zum Rückzug der Deutschen Börse aus dem Geschehen äußern. „Für die LSE heißt es jetzt Farbe bekennen oder den Mund halten“, hieß es dazu in mit dem Sachverhalt vertrauten Kreisen. Praum rechnet noch nicht unbedingt mit einem Ende der Fusionsgeschichte, in der die zweitgrößte Börse weltweit nach der New Yorker NYSE entstehende könnte: „Das Pokerspiel um die LSE ist aber noch nicht vorbei, die Börse hat sich schließlich ein Hintertürchen offen gehalten“, sagte er.

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