Aktionärstreffen
Tui-Konzernchef Frenzel rechnet fest mit Mehrheit

Unmittelbar vor der Hauptversammlung am Mittwoch wächst im Tui-Management die Zuversicht, bei dem Aktionärstreffen in Hannover gegen die Attacken seines Großaktionärs John Fredricksen die Oberhand zu behalten. Wie sich das Touristik-Unternehmen auf der Hauptversammlung seines größten Widersachers erwehren will - eine überraschende Vorstandssitzung.

BOLTENHAGEN. Nach dem Eingang der Anmeldungen der Anteilseigner zur Hauptversammlung könne sich Tuis Vorstandschef Michael Frenzel weithin sicher sein, die Mehrheit auf seiner Seite zu haben, lautet eine Einschätzung aus Unternehmenskreisen. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Damit würde der Vorstand die Absicht des norwegischen Reeders vereiteln, auf dem Aktionärstreffen den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow zu stürzen. Der größte Einzelaktionär mit knapp zwölf Prozent des Aktienkapitals hatte im Vorfeld der Hauptversammlung den Antrag gestellt, Krumnow und den Aufsichtsrat Franz Vranitzky, den ehemaligen Bundeskanzler von Österreich, aus dem Kontrollgremium abzuwählen. Die frei werdenden Mandate wollte er an sich selbst sowie seinen Geschäftspartner und "Vertrauten" Olav Troim vergeben wissen. In einem offenen Brief an die Aktionäre hatte er dem Tui-Management massiv Versagen vorgeworfen.

Inzwischen hat Fredricksen seine Pläne zumindest teilweise ändern müssen: Letzte Woche war Vranitzky zurückgetreten. Auf seinen Posten rückte Wladimir Jakuschew. Der russische ehemalige Severstal-Manager geht für die S Capital Management-Group - die in Zypern ansässige Gesellschaft des russischen Milliardärs Alexej Mordaschow - in den Tui-Aufsichtsrat. Mordaschow stockte kürzlich seine Tui-Anteile von fünf auf zehn Prozent auf. Er plant gemeinsam mit Tui den Ausbau des Touristikgeschäfts in Russland.

In Branchenkreisen wurde der Rücktritt von Vranitzky als geschickter Schachzug von Konzernchef Frenzel gewertet. In einem ebenfalls offenen Brief an die Aktionäre hatte der Tui-Vorstand kritisiert, dass die von Fredricksen eingeleitete öffentliche Diskussion um die Unternehmenszukunft und speziell um die AR-Personalien dem Konzern schade. Fredricksen sei ein Posten im Kontrollgremium bereits im Januar angeboten worden; er habe nicht darauf reagiert.

In Tui nahe stehenden Kreisen heißt es, ganz sicher könne sich Frenzel gleichwohl nicht sein, seinen Kurs durchzusetzen. Es sei nicht abzuschätzen, ob und wie viele der Kleinaktionärsvertreter Fredricksen auf seine Seite ziehen kann. Allerdings habe der Vorstand in den vergangenen Jahren immer trotz heftiger Kritik der Aktionäre große Mehrheiten hinter sich gehabt.

Am Freitagnachmittag hatte Tui-Chef Frenzel noch eine Vorstandssitzung in Hannover einberufen. Die war offenbar so knapp terminiert, dass Finanzvorstand Reiner Feuerhake kurzfristig seine Absicht aufgeben musste, als offizieller Tui-Repräsentant gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, das neue Tui-Ferienresort "Weiße Wiek" in Boltenhagen an der Ostsee zu eröffnen. Feuerhake, der bereits an die Küste angereist war, verließ die Hotelanlage vor der Eröffnungsfeier, um nach Hannover zu eilen.

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