Alain Caparros
Rewe-Vorstand glaubt an Einigung mit Karstadt

Vier Tage vor der Aufsichtsratssitzung beim Essener Karstadt-Konzern ringen der neue Eigentümer Nicolas Berggruen und der designierte Aufsichtsratsvorsitzende Alain Caparros darum, wer künftig welche Aufgaben bei Karstadt übernehmen soll.
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FRANKFURT. "Ich stehe nicht für einen Schaufensterjob zur Verfügung", hatte Karstadts designierter Aufsichtsratsvorsitzender Alain Caparros kürzlich in einem Interview mit einer Fachzeitschrift klargemacht. Damit schürte der 54-Jährige Gerüchte, dass er die Aufgabe womöglich gar nicht erst annehme. Doch dem Handelsblatt sagte Caparros gestern: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich gehe davon aus, dass ich mein Amt antrete."

Alles andere wäre für Karstadt ein neuerlicher Tiefschlag. Das Unternehmen war vom US-Investor Berggruen nach einem mehrmonatigen Bietergefecht aus der Insolvenz gekauft worden. Der Kaufhauskonzern war anderthalb Jahre zuvor nach jahrelangem Missmanagement in die Pleite gerutscht. Zuletzt hatten sich Manager wie Thomas Middelhoff und Karl-Gerhard Eick bei Karstadt die Klinke in die Hand gegeben, bevor Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg das Ruder übernahm. Die Verhandlungen mit Investoren hatten sich hinausgezögert, weil Karstadt unter Görg massive Mietsenkungen erreichen wollte, um künftig mit weniger Kosten arbeiten zu können.

Seitdem sich Berggruen im September als Investor durchgesetzt hat, ist es ruhig um den Konzern geworden, der schon zu Görgs Zeiten operativ vom Sanierungsspezialisten Thomas Fox geführt wurde. Intern allerdings ringen nach wie vor Interessengruppen um Einfluss. Fox hat klargemacht, dass er nicht dauerhaft an der Spitze des Konzerns stehen will. Die traditionell starken Arbeitnehmervertretungen ordnen sich neu. Unternehmensberater überbieten sich mit strategischen Ratschlägen.

Der Berggruen-Vertraute Jared Bluestein, der die Verhandlungen mit dem Vermieterkonsortium zäh geführt hatte, zieht im Hintergrund genauso wie Berggruens Berliner Statthalter weiter die Fäden. Das Aufsichtsratsgremium, das gesetzlich vorgeschrieben ist, erfüllte bislang unter der Führung eines Anwalts aus der Kanzlei von Insolvenzverwalter Görg eine formale Funktion. Unter Caparros, der als Rewe-Chef vom Fach kommt, soll das anders werden.

Rewe ist der kleinere Teilhaber an Perfetto, einem Gemeinschaftsunternehmen mit Karstadt, das in den Filialen der Kaufhäuser Lebensmittel anbietet. Er habe das Mandat angepeilt in der Hoffnung, Einfluss auf die Entwicklung von Perfetto nehmen zu können, sagte der streitbare Caparros. Entscheidend sei, dass alle Mittel zur Verfügung stehen, damit Karstadt langfristig lebensfähig sei, verlangte er. Berggruen setzt bislang darauf, dass Karstadt sich nach einer Anschubfinanzierung vor allem aus den eigenen Einnahmen sanieren lässt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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