Alarmierter Chef
British Airways kämpft ums Überleben

Die Lage bei der Fluggesellschaft British Airways (BA) ist nach Einschätzung von deren Chef Willie Walsh derzeit so kritisch, dass er in einer Mitarbeiterzeitung sogar von einem Kampf ums Überleben schreibt. Und er erwartet, dass es für die Branche noch schlimmer kommt.

HB LONDON. Die Krise in der Luftfahrt sei so ernst wie nie zuvor, so Walsh in einer Mitarbeiterzeitung. "Es gibt eine bedeutende Veränderung im Verhalten der Verbraucher - die Leute wollen mehr bekommen und weniger bezahlen. Und es wird immer schlimmer. Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht, und alles lässt einen langwierigen Abschwung erwarten." Dennoch hatte der BA-Chef erst kürzlich nochmals betont, das Unternehmen solle die führende Premium-Fluggesellschaft der Welt werden.

Walsh hatte den Konzern mit harter Hand auf Vordermann gebracht, und musste jetzt erfahren, wie alle Erfolge der vergangenen Jahre sich binnen weniger Monate in Luft auflösten. Im Geschäftsjahr bis Ende März verbuchte die Gesellschaft einen Rekordverlust von umgerechnet knapp 460 Mio. Euro und strich deshalb die Dividendenzahlung. Das Vorjahr hatte das Unternehmen noch mit einem Rekordgewinn von mehr als eine Mrd. Euro abgeschlossen. Probleme bereiteten der 1987 privatisierten British Airways (BA) vor allem Treibstoffkosten, die ein Loch von drei Mrd. Pfund in die Bilanz rissen. Auch das schwache Pfund war für den hohen Verlust verantwortlich.

Die Fluggesellschaft gab für die nächste Zeit keine Prognose und bot Mitarbeitern Teilzeitbeschäftigung oder unbezahlten Urlaub an, um die Kosten zu senken. Bereits im vergangenen Jahr hatte BA die Gehälter eingefroren und 2 500 Jobs gestrichen. Weitere Stellenstreichungen seien möglich. BA beschäftigt derzeit 40 000 Mitarbeiter.

Schon bei der Vorlage des Jahreszahlen hatte BA-Chef Willie Walsh gesagt, er sehe "nirgends Zeichen des Aufschwungs". Das Unternehmen sei wegen der globalen Wirtschaftskrise in dem bisher schwierigsten Handelsumfeld. Im Winter streicht BA nun seine Kapazitäten um vier Prozent zusammen. Walsh räumte ein, dass die Gespräche mit der spanischen Fluggesellschaft Iberia über einen Zusammenschluss derzeit schleppend verliefen. Beide Unternehmen konzentrierten sich derzeit auf ihr eigenes Kerngeschäft. British Airways hatte den Partner zudem mit einem unglücklichen Flirt mit der australischen Qantas verärgert. Die Verwirklichung der Idee von einem großen globalen Luftfahrtkonzern wird immer unwahrscheinlicher.

Der Ölpreis war im Sommer 2008 auf ein Rekordhoch gestiegen und hat Fluglinien weltweit in Schwierigkeiten gebracht. Darüber hinaus setzte die Finanzkrise den Unternehmen zu. Im laufenden Jahr rechnet BA wegen des gesunkenen Ölpreises damit, die Treibstoffkosten um 400 Mio. Pfund zu senken.

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