Alba interessiert sich für Sulo
Schlussverkauf in der Müllbranche

Deutschlands Müllkonzerne geraten unter Verkaufsdruck: Schwindende Margen, verstärkt durch strengere Vorschriften im Deponiegeschäft und steigende Spritpreise, setzen derzeit eine beispiellose Konsolidierungswelle in Gang. Eines der ersten „Opfer“ dürfte die deutsche Nummer zwei der Branche sein, Sulo.

DÜSSELDORF. Möglicherweise zum Jahresende könnte es zur größten Übernahme in der deutschen Branchengeschichte kommen: Bis dahin nämlich wollen die Beteiligungsfirmen Apax Partner und Blackstone die Hamburger Sulo-Gruppe verkaufen. Mit dem Berliner Wettbewerber Alba steht bereits ein Interessent bereit. Entsprechende Pläne bestätigte Alba-Vorstand Axel Schweitzer dem Handelsblatt: „Sollte das Preisniveau vernünftig sein, wären wir für eine solche Übernahme offen.“ Sulo ist der mit 1,2 Mrd. Euro Umsatz zweitgrößte Müllkonzern Deutschlands.

Ein Sulo-Sprecher bestätigte, dass der Konzern bis zum Jahresende einen neuen Eigentümer sucht. Die Sondierungen befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, konkrete Angebote lägen noch nicht vor. Den Transaktionswert schätzen Analysten auf „leicht über eine Milliarde Euro“. Für den Einstieg bei Sulo Anfang 2004 hatten die Private-Equity-Gesellschaften 500 Mill. Euro gezahlt, wie es in der Branche heißt. Im vergangenen Oktober übernahm Sulo zudem für 558 Mill. Euro das Deutschland-Geschäft des australischen Abfallkonzerns Cleanaway.

„Für Alba wäre das ein Mega-Schritt nach vorn“, sagt Branchenexperte Michael Schäfer vom Investmenthaus Equinet. Sulo mit seinem Schwerpunkt in Süddeutschland sei genau dort stark vertreten, wo Alba weiße Flecken habe. Dass die Übernahme für Alba ohne fremde Hilfe finanziell kaum zu stemmen ist, dürfte ein Angebot nicht verhindern. Schon in der Vergangenheit konnte sich das Familienunternehmen auf die Unterstützung der WestLB verlassen. Branchenbeobachter schließen auch nicht aus, dass Alba für die Übernahme Partner ins Boot holt. Für den Fall, dass Alba bei Sulo nicht zum Zuge kommt, hält sich Vorstand Schweitzer Alternativen offen. „Wir schauen uns derzeit auch die Türkei und Osteuropa mit Interesse an“, sagte er dem Handelsblatt.

Müllgeschäft wird härter

„Noch lässt sich beim Verkauf von Abfallfirmen gutes Geld verdienen“, sagt Branchenexperte Schäfer. „In drei Jahren aber kann das schon völlig anders aussehen.“ Möglicherweise könnten die Preise auch schon früher fallen. Denn vielerorts geraten die Margen bereits jetzt unter Druck, weil zahlreiche Kommunen das Geschäft mit dem Müll wieder selbst als lukrative Einnahmequelle entdecken – und die Privatunternehmen dadurch verdrängen. Rückendeckung erhalten sie dabei vom Gesetzgeber: Er gestattet ihnen beispielsweise, sich aus dem eingesammelten Elektroschrott die Rosinen herauszupicken, bevor ihn die privaten Entsorgungsfirmen übernehmen müssen. Auch die Novelle der Verpackungsverordnung, mit der im November gerechnet wird, könnte die Gemeinden als Wettbewerber ins Spiel bringen. Bislang war die Entsorgung von Verpackungsmüll ausschließlich Sache der Privaten.

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