Aldi down under
Aldi packt aus – aber nur in Australien

Aldi wehrt sich in Australien gegen die erbitterten Angriffe der Supermarkt-Konkurrenz, die dem Discounter Steuertricks vorwerfen. Daher hat der deutsche Einzelhändler nun seine legendäre Verschwiegenheit gebrochen.
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GoulburnGummibärchen kümmert der Streit zwischen Aldi und den Neidern nicht. Die Kult-Süßigkeiten aus dem Hause Haribo verkaufen sich auch diese Woche bei Aldi in der australischen Kleinstadt Goulburn wie warme Semmeln. „Ein Dauerhit“, sagt Zweigstellenleiterin Christine gegenüber dem Handelsblatt – und zwar nicht nur unter deutschen Touristen. Und dann der Wein: umgerechnet zwei Euro für eine Flasche australischen Roten, und zwar nicht den schlechtesten. Gleich gegenüber, beim Erzrivalen Woolworths, kostet er drei Euro. Fragt sich nur, wie lange. Die Preis-Scouts der Konkurrenz schlafen nicht.

Im australischen Einzelhandel herrscht ein Preiskrieg, und schuld daran ist in erster Linie Aldi. 2001 stiegen die Deutschen in Australien ein, heute haben sie über 300 Zweigstellen. Die Expansion macht das Management von Woolworths – ein börsennotiertes australisches Unternehmen – und der Nummer Zwei, Coles, immer nervöser. Am Montag hatte der Vorstandschef von Wesfarmers – der Muttergesellschaft von Coles – die Behörden aufgefordert, die Steuererklärung von Aldi unter die Lupe zu nehmen. Er verlangte von den Eindringlingen „Transparenz“.

Solche gelegentlich fast fremdenfeindlich gefärbten Attacken sind nichts Ungewöhnliches in Australien. Die konservative Regierung selbst klagt regelmäßig, einige ausländische Firmen – unter ihnen Google und Apple – würden durch Gewinnverschiebungen ins Ausland und buchhalterische Tricks vermeiden, in Australien substanziell Steuern zu bezahlen.

Die wenigsten aber wehren sich gegen die Vorwürfe wie Aldi. Am Dienstag brach das deutsche Unternehmen mit seiner Tradition der Verschwiegenheit und ging an die Öffentlichkeit. Aldi streite die Beschuldigungen ab, hieß es. Das Unternehmen komme allen Steuerforderungen der Regierung nach. Im Steuerjahr 2013 (Juli 2012 bis Juni 2013) habe die Firma 81,6 Millionen australische Dollar (56,4 Millionen Euro) an Ertragssteuern bezahlt. Die Steuerquote lag – für Unternehmen üblich – in den letzten drei Jahren bei knapp 31 Prozent.

Daraus lässt sich errechnen, dass der Verdienst vor Steuern rund 263 Millionen australische Dollar betrug, und der Umsatz bei etwa 5,3 Milliarden australische Dollar lag. Damit genoss Aldi eine Marge von 4,4 Prozent, etwas weniger als beim Konkurrenten Coles mit 5 Prozent.

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