Aldi-Gründer Karl Albrecht
Tod einer Unternehmerlegende

Aus einem kleinen Supermarkt im Essener Bergarbeitervorort Schonnebeck hat er mit seinem Bruder einen Milliardenkonzern erschaffen. Die Unternehmerlegende Karl Albrecht, der Gründer des Discount-Riesen Aldi, ist tot.
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DüsseldorfKarl Albrecht, Mitbegründer des Aldi-Imperiums, ist tot. Albrecht war ein großer Unternehmer, eine Legende, der die Deutschen mit schlichten Läden und niedrigen Preisen überzeugte. Er wurde 94 Jahre alt. Albrecht verstarb bereits am 16. Juli, bekannt wurde sein Tod erst jetzt. Am Montag wurde er in Essen beigesetzt. Zunächst hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) über den Todesfall berichtet.

In einer Pressemitteilung betrauerte Aldi Süd den Tod des Unternehmers. Ihm verdanke man den Aufbau der Unternehmensgruppe, hieß es darin. „Er war Vorbild. Wir sind stolz auf die von ihm geschaffene Kultur und werden sie fortführen. Wir verneigen uns vor ihm.“ Das Mitgefühl gelte seiner Familie.

Gnadenlos sparsam und ein Kontrollwahn, der an die Inquisition erinnerte – an Anekdoten über die beiden Pfennigfuchser Karl und Theo Albrecht hat es nie gemangelt. Kein Wunder, war doch die Knauserigkeit der Firmengründer mehr als nur eine Marotte. Sie war ein wesentlicher Teil des Erfolgsrezeptes der geschäftstüchtigen Unternehmer. Theo Albrecht war im Juli 2010 gestorben.

Den Grundstein für ihr Imperium legten die Brüder im Jahr 1948, als sie den kleinen Lebensmittelladen ihrer Mutter Anna übernahmen, der in arge Schieflage geraten war; sie hatte den Wandel im Handel verschlafen. Zwischen Lebensmittelkartons und Krämerware erkannten Karl und Theo nach dem Krieg die Chance, die die Phase der sozialen Umorientierung bot. Die Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang.

Die beiden Brüder waren in ihrer uniformen Arbeitsauffassung füreinander ein Glücksfall. Von vornherein teilten sie sich ihre Aufgaben: Karl versah den Innen-, Theo den Außendienst. Sprich: Karl kümmerte sich um die schwierige Einkaufspolitik. Es war damals nicht einfach, die richtige Ware preiswert und in ausreichender Menge zu erhalten. Theo betreute die Verkaufsstellen sowie die Verwaltung und Buchhaltung. „Ich habe Glück gehabt, sehr viel Glück“, sagte Karl Albrecht kurz vor seinem Tod in einem Interview mit der „FAZ“.

Ab 1961 wurde daraus Albrechts Discount – kurz Aldi. Die ebenfalls hoch gehandelte Namens-Alternative „Billi“ kam letztlich nicht zum Zug. Binnen eines halben Jahrhunderts formten die beiden Brüder einen Milliardenkonzern, der die deutsche, aber auch die internationale Handelslandschaft nachhaltig veränderte. Das unternehmerische Motto der Brüder hieß: „Unsere Werbung liegt im niedrigen Preis.“ Der FAZ sagte er vor wenigen Wochen: „ „Ja, ich wollte groß werden. Egal, wie sie mich beschimpft haben, ich wollte groß werden.“

Ihre Operationsgebiete teilten die beiden in gesellschaftsrechtlich selbstständige Aldi-Gesellschaften. Schon Anfang der 60er-Jahre entschieden sie, auf ihrer Deutschlandkarte den Aldi-Äquator mitten durchs Ruhrgebiet laufen zu lassen. Auch auf dem Globus markierten sie exklusive Zonen. Aldi Nord regiert seitdem in Dänemark, Benelux, Frankreich, Spanien und Portugal. Die von Mülheim/Ruhr aus gesteuerte Süd-Schiene legte den Schwerpunkt auf Osteuropa, den Alpenraum und die englischsprachigen Länder.

In Deutschland gilt Aldi als Marktführer, auch wenn Rivalen wie Lidl aufholen. Weltweit setzt der Discounter inzwischen mehr als 50 Milliarden Euro um. Bis heute entstanden über den ganzen Globus verteilt mehr als 9000 Filialen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern.

Karl und Theo entdeckten schon früh die betriebswirtschaftliche Zauberformel der Zeit „Nachfrage versus Bedarfsdeckung“ für sich und schafften es, sie im Sinne des Kunden zu lösen. Mit diesem Konzept sind die beiden zu den reichsten Männern Deutschlands geworden. Ihre persönliche Lebensweise trug maßgeblich zur moralischen Stabilität ihrer Konzerne bei. Beide waren im Auftreten zurückhaltend und lebten bescheiden. Sie waren nach alter Schule nach den Prinzipien Sparsamkeit und Kargheit erzogen.

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Eifriger Kirchgänger

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  • Deutschland ohne Aldi? Undenkbar.
    Sozialer in der Realität, als jede Sozialpartei.
    Vertrauenswürdig für die Kunden. Hat es dadurch geschafft für alle Schichten Anbieter zu sein. Erfolgereich auch in anderen Ländern - bis Australien.
    Und das innerhalb nur eines Menschenleben. Als Brüder.
    Man schaue sich ihre Prinzipien!

  • Unternehmerisch haben Sie sich Beachtliches vollbracht, die ALDI-Brüder.

    Doch besonders großzügig bzw. spendabel zeigten sie sich wohl nicht.

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