Alitalia und Ferrovie dello Stato
Italiens Staatsfirmen in der Krise

Die ohnehin angeschlagene italienische Regierung hat ein weiteres Problem: Ihre Beteiligungen an wichtigen Unternehmen wie Alitalia und dem Bahnunternehmen Ferrovie dello Stato häufen massive Verluste auf. Jetzt sucht die Regierung nach Auswegen.

MAILAND. Eine Woche nachdem die Fluggesellschaft Alitalia bekannt gegeben hat, dass sie täglich rund eine Million Euro verliert, legte diese Woche die Bahn nach. Der Ferrovie dello Stato drohe die Pleite, wenn der Staat nicht finanziell unter die Arme greift, warnte der neue Bahnchef Mauro Moretti vor dem Parlament.

Hinter dem jüngsten Alarm steckt auch politisches Kalkül: Zum Ende des Jahres muss das Parlament den Haushalt verabschieden. Und alle Betroffenen versuchen in den letzten Wochen noch möglichst viel für sich herauszuholen. Dennoch sind die Zahlen erschreckend: Die italienische Bahn verliert täglich sechs Millionen Euro – sechsmal soviel wie die noch immer zu 49,9 Prozent vom Staat kontrollierte Alitalia. Bis zum Jahresende sagt Moretti der Bahn ein Minus von 1,8 Mrd. Euro voraus. Um den Konkurs zu vermeiden, bräuchte das Unternehmen laut Moretti eine Finanzspritze von 600 bis 700 Mill. Euro. Insgesamt sei eine Kapitalerhöhung von vier Mrd. Euro erforderlich. Zudem will Moretti die Fahrpreise erhöhen, die in Italien noch immer sehr niedrig sind.

Die Rufe nach neuen Geldern kommen zu einer extrem ungünstigen Zeit, denn die Regierung hat sich einen rigiden Sparkurs verschrieben. Sie will im kommenden Jahr wieder das Defizit-Kriterium von Maastricht einhalten und verlangt daher Opfer auf allen Ebenen. Bisher sieht der Haushaltsentwurf 400 Mill. Euro für die Ferrovie dello Stato vor. „Wir werden uns darum kümmern. Das Risiko ist groß“, sagt Ministerpräsident Romano Prodi jedoch.

Staatliche Mittel machen schon heute die Hälfte der Einnahmen der Ferrovie aus. Das könnte sich ändern, wenn die Bahn ihre Fahrpreise erhöhen dürfte, was ihr bisher verwehrt ist. Seit fünf Jahren sind die Bahnpreise in Italien blockiert und liegen durchschnittlich 40 Prozent unter denen der Nachbarländer. So kostet etwa ein Zweite-Klasse-Ticket für die mehr als 600 Kilometer von Mailand nach Rom nur 46 Euro. Doch gegen Preiserhöhungen wehren sich Politiker und Verbraucherverbände. Sie beanstanden vor allem den schlechten Service der Bahn. Im vergangenen Sommer hatten Zecken und Flöhe zu einem Aufstand der Kunden geführt.

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